Zum Tod von Queen Elizabeth II.

Als Königin vom Baum gestiegen

Die Skandale und Krisen kamen und gingen.
Die Queen meisterte sie stets mit Würde und Gelassenheit.
Wie kaum einer ihrer Vorgänger steht sie für Kontinuität.

Begonnen hat ihre Regentschaft vor
70 Jahren – der Legende zufolge in einem Schlafgemach hoch über dem Boden.

Bilder aus dem Leben der ewigen Königin.

8. September 2022 - 5 Min. Lesezeit

Nur noch wenige Briten können sich an eine Zeit ohne ihre Königin erinnern: 70 Jahre lang saß Elizabeth II. auf dem Thron.

Sie hat Premierminister kommen und gehen sehen, die britische Monarchie durch tiefe Krisen geführt und ihre Gäste zuletzt über Videochat empfangen.

Der Tod ihres Vaters macht sie am 6. Februar 1952 zur Königin von Großbritannien und Nordirland. Zu dem Zeitpunkt befinden sich Elizabeth und Philip auf einer Reise in Kenia.

Der Legende nach verbringen sie die Nacht in einem Baumhaus-Hotel. Am Morgen erfährt Elizabeth vom Tod ihres Vaters und wird zur Königin proklamiert. Die Krönung erfolgt nach einem Trauerjahr am 2. Juni 1953.

Dass aus der Prinzessin mal eine Königin werden würde, daran hatte bei ihrer Geburt niemand gedacht. Am 21. April 1926 wird Elizabeth Alexandra Mary als Tochter des Herzogs und der Herzogin von York geboren.

Damals steht sie auf Rang drei der Thronfolge – hinter ihrem Onkel und ihrem Vater. Das Bild zeigt die kleine Prinzessin im Alter von knapp neun Monaten.

Vier Jahre später kommt ihre Schwester Margaret zur Welt. Die Mädchen werden zu Hause unterrichtet und von der Großmutter, Queen Mary, streng erzogen.

Eine Ausbildung als mögliche zukünftige Königin erhält Elizabeth nicht. Ihr Onkel, der Thronfolger, ist noch jung genug, um eigene Kinder zu haben, die Elizabeth in der Thronfolge nach hinten rücken würden.

Doch es kommt anders: 1936 stirbt Elizabeths Großvater, König George V., ihr Onkel Edward folgt ihm auf den Thron, dankt jedoch noch im selben Jahr ab, weil er die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten will.

Elizabeths Vater wird König, die gerade zehnjährige Elizabeth (zwischen ihrer Mutter und Großmutter) Thronfolgerin.

Während des Zweiten Weltkriegs wohnen Elizabeth und ihre Schwester überwiegend auf Schloss Windsor. Mit 14 hält sie in der BBC ihre erste Radioansprache an die Kriegskinder Großbritanniens und des Commonwealth.

Sie tritt dem Heimathilfsdienst ATS bei, wo sie ihren Führerschein macht und zur Automechanikerin ausgebildet wird.

Im Alter von acht Jahren lernt Elizabeth Prinz Philip von Griechenland und Dänemark kennen, er ist damals 13. Fünf Jahre später begegnen sie sich erneut. Es folgt eine jahrelange Brieffreundschaft.

Als er später um ihre Hand anhält, so will es die Überlieferung, stimmt sie sofort zu. Erst danach bittet er ihren Vater um Einwilligung.

Bei der Hochzeit 1947 ist Elizabeth noch Prinzessin. Das Jawort gibt sich das Paar vor 2000 Gästen in der Westminster Abbey.

Philip ist bekannt für seinen derben Humor, Elizabeth eher für feinsinnige Anspielungen.

Von Beginn ihrer Regentschaft an trifft die Königin sich jede Woche mit dem jeweiligen britischen Premier, um sich über die aktuelle Lage im Land auszutauschen.

Als junge Monarchin soll sie oft den väterlichen Rat von Winston Churchill gesucht haben, mit ihm spricht sie über Politik und Pferderennen.

Neben den Pferden gelten Corgis als große Leidenschaft der Queen. Mit 18 bekommt sie ihren ersten eigenen Welsh Corgi geschenkt, ein Tier namens Susan, danach ist sie stets von den Hunden umgeben.

Neue Technik bringt die Royals ins Wohnzimmer: Elizabeth II. wendet sich Weihnachten 1957 zum ersten Mal mit einer Fernsehbotschaft an das Volk.

Viele Jahre später nutzt sie für diesen Zweck auch ihren eigenen Youtube-Kanal: "The Royal Family Channel".

Elizabeth II. und Philip bekommen vier Kinder: Sohn Charles, der Thronfolger, kommt im November 1948 zur Welt, Anne, die einzige Tochter, im August 1950. Zehn Jahre später wird Prinz Andrew geboren, der jüngste Sohn, Prinz Edward, folgt im März 1964.

Posieren für Selfies: Anfangs wirkt die Queen noch überrascht, wie hier 2014, als ein 14-jähriger Junge in Belfast ungefragt ein Foto von sich und der Königin macht. Im Lauf der Jahre tauchen aber immer wieder Selfies von Touristen auf, auf denen die Queen lächelnd in die Kamera winkt.

Die Familie wird größer, als Charles 1981 Lady Diana Spencer heiratet. Die Beziehung gestaltet sich von Anfang an schwierig, Charles hat eine Affäre mit seiner früheren Freundin Camilla Parker-Bowles, auch Diana hat außereheliche Beziehungen.

1992 geben der Thronfolger und Diana ihre Trennung bekannt. 1996 werden sie geschieden - für die Königin eine der ersten Krisen, von denen sie fürchtet, dass sie die Monarchie schaden könnten.

1997 kommt Diana, die beim Volk so beliebte "Prinzessin der Herzen", bei einem Autounfall ums Leben. Die Briten erleben nach dem tragischen Ereignis eine Königsfamilie, die nach außen hin unnahbar und kaltherzig wirkt.

Erst fünf Tage nach dem Tod lassen sich Elizabeth II. und Philip bei den Trauernden vor dem Buckingham Palace blicken, später hält die Königin noch eine Fernsehansprache.

Die überübernächste Generation: Im Oktober 2013 wird Urenkel George, Erstgeborener von Prinz William und seiner Frau Catherine, im St James's Palace getauft.

Nach seinem Großvater Charles und Vater William reiht er sich in der Thronfolge auf dem dritten Platz ein. Die jungen Royals, vor allem William und Kate, schaffen es, die Begeisterung der Bevölkerung für die Monarchie wiederaufleben zu lassen.

Williams Bruder Harry galt einst als Lieblingsenkel der Queen. Gemeinsam mit seiner Frau Meghan kehrt er dem Königshaus im Jahr 2020 allerdings den Rücken und zieht in die USA.

In einem Fernsehinterview im Sommer 2021 erheben beide Rassismusvorwürfe gegen Familienmitglieder.

Als Prinz Philip am 9. April 2021 stirbt, erfährt Elizabeth ihren größten Verlust.

In den Wochen und Monaten danach dringen immer wieder Meldungen aus dem Palast, die erahnen lassen, wie schwer es Elizabeth trifft, ohne den Mann auskommen zu müssen, den sie einmal als ihre "Stärke in all den Jahren" bezeichnet hat.

Trotzdem nimmt sie schon kurz nach Philips Tod wieder Termine wahr. Beim G-7-Treffen im Juni 2021 in Cornwall zeigt sie sich gut gelaunt.

Während sie mit den Staats- und Regierungschefs für ein etwas steif wirkendes Gruppenfoto mit coronabedingtem Abstand posiert, fragt sie trocken in die Runde: "Soll man jetzt so tun, als würde man sich vergnügen?"

Knapp ein Jahr nach dem Tod von Prinz Philip versammelt sich der europäische Hochadel Ende März 2022 zum Gedenkgottesdienst, der wegen Corona zunächst ausgefallen war.

Die Queen wählt als Begleiter ausgerechnet ihren Sohn Andrew, gegen den es in den USA Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch gab. Der gemeinsame Auftritt wird als Solidaritätsbekundung der Queen gewertet.

Nachfolgen auf den Thron wird ihr allerdings ihr Erstgeborener, Prinz Charles. Den Titel "Königin" soll später auch Charles Frau, Herzogin Camilla, tragen, das hat die Queen erst im Februar klargemacht.

Seit dem Tod von Prinz Philip bereitet der gesundheitliche Zustand der Queen immer wieder Sorgen. Im Herbst 2021 muss Elizabeth mehrere Termine absagen, verbringt eine Nacht im Krankenhaus. Virtuelle Audienzen gibt sie weiterhin. Auch eine Coronainfektion übersteht sie wohl unbeschadet.

Im Juni feiert Elizabeth II. ihr Platinjubiläum. Geht es nach dem Wunsch der Königin, die nun seit 70 Jahren regiert, soll 2022 ein Jahr werden, in dem die Monarchie mal wieder bejubelt wird.

Zum Tod von Queen Elizabeth II.

Als Königin vom Baum gestiegen

Die Skandale und Krisen kamen und gingen.
Die Queen meisterte sie stets mit Würde und Gelassenheit.
Wie kaum einer ihrer Vorgänger steht sie für Kontinuität.

Begonnen hat ihre Regentschaft vor
70 Jahren – der Legende zufolge in einem Schlafgemach hoch über dem Boden.

Bilder aus dem Leben der ewigen Königin.

Nur noch wenige Briten können sich an eine Zeit ohne ihre Königin erinnern: 70 Jahre lang saß Elizabeth II. auf dem Thron.

Sie hat Premierminister kommen und gehen sehen, die britische Monarchie durch tiefe Krisen geführt und ihre Gäste zuletzt über Videochat empfangen.

Der Tod ihres Vaters macht sie am 6. Februar 1952 zur Königin von Großbritannien und Nordirland. Zu dem Zeitpunkt befinden sich Elizabeth und Philip auf einer Reise in Kenia.

Der Legende nach verbringen sie die Nacht in einem Baumhaus-Hotel. Am Morgen erfährt Elizabeth vom Tod ihres Vaters und wird zur Königin proklamiert. Die Krönung erfolgt nach einem Trauerjahr am 2. Juni 1953.

Dass aus der Prinzessin mal eine Königin werden würde, daran hatte bei ihrer Geburt niemand gedacht. Am 21. April 1926 wird Elizabeth Alexandra Mary als Tochter des Herzogs und der Herzogin von York geboren.

Damals steht sie auf Rang drei der Thronfolge – hinter ihrem Onkel und ihrem Vater. Das Bild zeigt die kleine Prinzessin im Alter von knapp neun Monaten.

Vier Jahre später kommt ihre Schwester Margaret zur Welt. Die Mädchen werden zu Hause unterrichtet und von der Großmutter, Queen Mary, streng erzogen.

Eine Ausbildung als mögliche zukünftige Königin erhält Elizabeth nicht. Ihr Onkel, der Thronfolger, ist noch jung genug, um eigene Kinder zu haben, die Elizabeth in der Thronfolge nach hinten rücken würden.

Doch es kommt anders: 1936 stirbt Elizabeths Großvater, König George V., ihr Onkel Edward folgt ihm auf den Thron, dankt jedoch noch im selben Jahr ab, weil er die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten will.

Elizabeths Vater wird König, die gerade zehnjährige Elizabeth (zwischen ihrer Mutter und Großmutter) Thronfolgerin.

Während des Zweiten Weltkriegs wohnen Elizabeth und ihre Schwester überwiegend auf Schloss Windsor. Mit 14 hält sie in der BBC ihre erste Radioansprache an die Kriegskinder Großbritanniens und des Commonwealth.

Sie tritt dem Heimathilfsdienst ATS bei, wo sie ihren Führerschein macht und zur Automechanikerin ausgebildet wird.

Im Alter von acht Jahren lernt Elizabeth Prinz Philip von Griechenland und Dänemark kennen, er ist damals 13. Fünf Jahre später begegnen sie sich erneut. Es folgt eine jahrelange Brieffreundschaft.

Als er später um ihre Hand anhält, so will es die Überlieferung, stimmt sie sofort zu. Erst danach bittet er ihren Vater um Einwilligung.

Bei der Hochzeit 1947 ist Elizabeth noch Prinzessin. Das Jawort gibt sich das Paar vor 2000 Gästen in der Westminster Abbey.

Philip ist bekannt für seinen derben Humor, Elizabeth eher für feinsinnige Anspielungen.

Von Beginn ihrer Regentschaft an trifft die Königin sich jede Woche mit dem jeweiligen britischen Premier, um sich über die aktuelle Lage im Land auszutauschen.

Als junge Monarchin soll sie oft den väterlichen Rat von Winston Churchill gesucht haben, mit ihm spricht sie über Politik und Pferderennen.

Neben den Pferden gelten Corgis als große Leidenschaft der Queen. Mit 18 bekommt sie ihren ersten eigenen Welsh Corgi geschenkt, ein Tier namens Susan, danach ist sie stets von den Hunden umgeben.

Neue Technik bringt die Royals ins Wohnzimmer: Elizabeth II. wendet sich Weihnachten 1957 zum ersten Mal mit einer Fernsehbotschaft an das Volk.

Viele Jahre später nutzt sie für diesen Zweck auch ihren eigenen Youtube-Kanal: "The Royal Family Channel".

Elizabeth II. und Philip bekommen vier Kinder: Sohn Charles, der Thronfolger, kommt im November 1948 zur Welt, Anne, die einzige Tochter, im August 1950. Zehn Jahre später wird Prinz Andrew geboren, der jüngste Sohn, Prinz Edward, folgt im März 1964.

Posieren für Selfies: Anfangs wirkt die Queen noch überrascht, wie hier 2014, als ein 14-jähriger Junge in Belfast ungefragt ein Foto von sich und der Königin macht. Im Lauf der Jahre tauchen aber immer wieder Selfies von Touristen auf, auf denen die Queen lächelnd in die Kamera winkt.

Die Familie wird größer, als Charles 1981 Lady Diana Spencer heiratet. Die Beziehung gestaltet sich von Anfang an schwierig, Charles hat eine Affäre mit seiner früheren Freundin Camilla Parker-Bowles, auch Diana hat außereheliche Beziehungen.

1992 geben der Thronfolger und Diana ihre Trennung bekannt. 1996 werden sie geschieden - für die Königin eine der ersten Krisen, von denen sie fürchtet, dass sie die Monarchie schaden könnten.

1997 kommt Diana, die beim Volk so beliebte "Prinzessin der Herzen", bei einem Autounfall ums Leben. Die Briten erleben nach dem tragischen Ereignis eine Königsfamilie, die nach außen hin unnahbar und kaltherzig wirkt.

Erst fünf Tage nach dem Tod lassen sich Elizabeth II. und Philip bei den Trauernden vor dem Buckingham Palace blicken, später hält die Königin noch eine Fernsehansprache.

Die überübernächste Generation: Im Oktober 2013 wird Urenkel George, Erstgeborener von Prinz William und seiner Frau Catherine, im St James's Palace getauft.

Nach seinem Großvater Charles und Vater William reiht er sich in der Thronfolge auf dem dritten Platz ein. Die jungen Royals, vor allem William und Kate, schaffen es, die Begeisterung der Bevölkerung für die Monarchie wiederaufleben zu lassen.

Williams Bruder Harry galt einst als Lieblingsenkel der Queen. Gemeinsam mit seiner Frau Meghan kehrt er dem Königshaus im Jahr 2020 allerdings den Rücken und zieht in die USA.

In einem Fernsehinterview im Sommer 2021 erheben beide Rassismusvorwürfe gegen Familienmitglieder.

Als Prinz Philip am 9. April 2021 stirbt, erfährt Elizabeth ihren größten Verlust.

In den Wochen und Monaten danach dringen immer wieder Meldungen aus dem Palast, die erahnen lassen, wie schwer es Elizabeth trifft, ohne den Mann auskommen zu müssen, den sie einmal als ihre "Stärke in all den Jahren" bezeichnet hat.

Trotzdem nimmt sie schon kurz nach Philips Tod wieder Termine wahr. Beim G-7-Treffen im Juni 2021 in Cornwall zeigt sie sich gut gelaunt.

Während sie mit den Staats- und Regierungschefs für ein etwas steif wirkendes Gruppenfoto mit coronabedingtem Abstand posiert, fragt sie trocken in die Runde: "Soll man jetzt so tun, als würde man sich vergnügen?"

Knapp ein Jahr nach dem Tod von Prinz Philip versammelt sich der europäische Hochadel Ende März 2022 zum Gedenkgottesdienst, der wegen Corona zunächst ausgefallen war.

Die Queen wählt als Begleiter ausgerechnet ihren Sohn Andrew, gegen den es in den USA Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch gab. Der gemeinsame Auftritt wird als Solidaritätsbekundung der Queen gewertet.

Nachfolgen auf den Thron wird ihr allerdings ihr Erstgeborener, Prinz Charles. Den Titel "Königin" soll später auch Charles Frau, Herzogin Camilla, tragen, das hat die Queen erst im Februar klargemacht.

Seit dem Tod von Prinz Philip bereitet der gesundheitliche Zustand der Queen immer wieder Sorgen. Im Herbst 2021 muss Elizabeth mehrere Termine absagen, verbringt eine Nacht im Krankenhaus. Virtuelle Audienzen gibt sie weiterhin. Auch eine Coronainfektion übersteht sie wohl unbeschadet.

Im Juni feiert Elizabeth II. ihr Platinjubiläum. Geht es nach dem Wunsch der Königin, die nun seit 70 Jahren regiert, soll 2022 ein Jahr werden, in dem die Monarchie mal wieder bejubelt wird.

Team
Text Kerstin Lottritz
Redaktion Felicitas Kock
Digitales Storytelling Kerstin Lottritz