Joseph Ratzinger (stehend, rechts) mit seiner Familie 1951.

Das Leben von Benedikt XVI. in Bildern

Joseph Ratzinger war der erste deutsche Papst seit 500 Jahren. Ein Rückblick.

31. Dezember 2022 - 5 Min. Lesezeit

Benedikt wird am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger in Marktl am Inn geboren und wächst in Oberbayern auf. Als Kind ist er Ministrant, schon als Jugendlicher hat er den Wunsch, Priester zu werden. 1941 wird er in die Hitlerjugend aufgenommen. Im Dezember 1944 wird er zur Wehrmacht eingezogen.

Joseph Ratzinger hat zwei Geschwister: Maria (1921 bis 1991) und Georg, hier im Bild (1924 bis 2020). Vater Joseph lebt bis 1959, Mutter Maria bis 1963. Die beiden Brüder studieren von 1946 an Theologie in Freising, wo sie 1951 zu Priestern geweiht werden.

Joseph Ratzinger ist bereits als Erzbischof von München und Freising (1977 bis 1982) und später als Kardinal (1982 bis 2005) für seine konservative Einstellung bekannt. Dabei fällt er in den sechziger Jahren anlässlich des Zweiten Vatikanischen Konzils noch als Reformer auf und setzt sich für eine Öffnung der Kirche ein. Doch nach dem Konzil wendet sich Ratzinger von den Ideen ab. Als Präfekt der Glaubenskongregation, der höchsten und zentralen Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholischen Lehre, geißelt er die Abtreibungsgesetze in entwickelten Staaten als „Kultur des Todes“, sowie den Feminismus, der Frauen nicht befreie, sondern knechte.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. wird Joseph Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt. „Wir sind Papst“, titelt daraufhin die Bild. Ratzinger ist der erste Deutsche seit 500 Jahren an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Die Skandale um sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen prägen seine Amtszeit genauso wie seine historischen Begegnungen.

In den ersten Monaten seiner Amtszeit als Papst stellt Ratzinger, der jetzt Benedikt XVI. heißt, die Themen Familie und Lebensschutz mit scharfen Formulierungen in den Mittelpunkt. Ehe und Familie seien keine „soziologische Konstruktion“, sondern ein Abbild der Liebe Gottes: Sexualität sei nur in einer Ehe mit Kinderwunsch möglich.

Während seiner Amtszeit geht Benedikt viel auf Reisen, sein erster Auslandsbesuch führt ihn im August 2005 nach Deutschland. Beim Weltjugendtag in Köln wird er begeistert von einer Million Pilger empfangen. Sein Auftritt führt in der Öffentlichkeit zu einem Imagewechsel: Der neue Papst, der eigentlich ein Problem mit Auftritten bei Massenevents hat, gilt nun als glaubwürdig und erhält große Anerkennung.

Umstritten ist die Rede, die er am 12. September 2006 – während eines sechstägigen Besuchs in Bayern – an der Universität Regensburg hält. In seiner Vorlesung zum Verhältnis von Glaube und Vernunft lehnt er zwar jegliche religiös motivierte Gewalt ab. Dabei zitiert er jedoch eine Aussage des spätmittelalterlichen byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, wonach der Prophet Mohammed nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht habe, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. In der islamischen Welt rufen die Äußerungen heftige Kritik hervor. Papst Benedikt, aber auch Vertreter des Vatikans müssen wiederholt klarstellen, dass sie die Werte des Islam keineswegs infrage stellen.

Während seiner Amtszeit bemüht sich der Papst immer wieder um eine Annäherung an die orthodoxe Kirche. Davon zeugen zum Beispiel Briefwechsel mit den Patriarchen von Moskau und Konstantinopel, die Eröffnung der ersten russisch-orthodoxen Kirche in Rom 2006 und nicht zuletzt die Entscheidung des Papstes, den seit dem fünften Jahrhundert geführten Ehrentitel „Patriarch des Abendlandes“ abzulegen. Die Wahl des neuen Patriarchen Kyrill I. bringt eine weitere Entspannung zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche mit sich.

Im Mai 2006 reist Papst Benedikt XVI. in die polnische Heimat seines Amtsvorgängers. Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz wird in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen. Doch bei seiner Ansprache äußert er sich nur ausweichend zur Verantwortung der Deutschen für den Holocaust und stellt das deutsche Volk als „Opfer“ des Nazi-Regimes dar.

Im Mai 2009 bricht Papst Benedikt XVI. zu einer „Pilgerfahrt ins heilige Land“ auf. Er führt Gespräche mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu sowie mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und ruft zu einem Dialog der Religionen auf. Außerdem besucht er den Felsendom auf dem Tempelberg, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und die Klagemauer in Jerusalem.

Anfang 2010 werden in Deutschland Fälle sexuellen Missbrauchs öffentlich: Besonders in katholischen Einrichtungen wie Internaten soll es zu Übergriffen gekommen sein. Bis Ende März 2010 gibt es mehr als 250 registrierte Verdachtsfälle bei den Bistümern. Großteils sind es strafrechtlich bereits verjährte Taten aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Der Papst schweigt. Im März entschuldigt er sich in einem Hirtenbrief lediglich bei Opfern von sexueller Gewalt in Irland. In Deutschland trifft er sich erst 2011 am Rande eines Deutschlandbesuchs mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und Kirchenmitarbeiter.

Ein weiterer Skandal erschüttert im Februar 2012 den Vatikan: Interne Papiere sind an italienische Medien gelangt. In den veröffentlichten Dokumenten ist unter anderem von einem Mordkomplott gegen den Papst die Rede und von umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR. In der „Vatileaks-Affäre“ wird später der Kammerdiener von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, als Maulwurf entlarvt und zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Kurz vor Weihnachten 2012 begnadigt der Papst Gabriele.

2012 entscheidet sich Benedikt XVI., künftig auch in 140 Zeichen zu predigen. Er legt sich nicht nur einen Twitter-Kanal zu, sondern gleich mehrere, in verschiedenen Sprachen. Getwittert wird aus dem Vatikan seit dem 12. Dezember etwa auf Arabisch, Englisch und Lateinisch. Der erste deutsche Tweet Benedikts lautet: „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch.“

Am 11. Februar 2013 die riesige Überraschung: Benedikt erklärt seinen Rücktritt zum Ende des Monats. „Ich habe nicht mehr genug Kraft für mein Amt“, erklärt er. Am 13. März 2013 wählen die Kardinäle einen neuen Bischof von Rom, den Papst: Franziskus.

Fortan lebt der emeritierte Papst im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, wo er immer wieder auch Besucher empfängt: Im April 2017 zum Beispiel schaut der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) vorbei, um mit Benedikt auf dessen 90. Geburtstag anzustoßen. Auch Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein (dahinter) erhebt das Glas.

Öffentlich zu Wort meldet sich Benedikt nur noch selten. Noch seltener ist er in der Öffentlichkeit zu sehen. Im Juni 2020 verlässt er den Vatikan, um nach Regensburg zu reisen. Dort liegt sein Bruder Georg im Sterben. Die Strapazen der Reise sind Benedikt anzusehen; die Kirche lässt wissen, dass er sehr erschöpft sei. Aber dass er sich sehr gefreut habe, seinen Bruder zu sehen. Es ist Ratzingers letzter Besuch in der alten Heimat – es ist ein Abschied.

Das Leben von Benedikt XVI. in Bildern

Joseph Ratzinger war der erste deutsche Papst seit 500 Jahren. Ein Rückblick.

Joseph Ratzinger (stehend, rechts) mit seiner Familie 1951.
Joseph Ratzinger (stehend, rechts) mit seiner Familie 1951.

Benedikt wird am 16. April 1927 als Joseph Ratzinger in Marktl am Inn geboren und wächst in Oberbayern auf. Als Kind ist er Ministrant, schon als Jugendlicher hat er den Wunsch, Priester zu werden. 1941 wird er in die Hitlerjugend aufgenommen. Im Dezember 1944 wird er zur Wehrmacht eingezogen.

Joseph Ratzinger hat zwei Geschwister: Maria (1921 bis 1991) und Georg, hier im Bild (1924 bis 2020). Vater Joseph lebt bis 1959, Mutter Maria bis 1963. Die beiden Brüder studieren von 1946 an Theologie in Freising, wo sie 1951 zu Priestern geweiht werden.

Joseph Ratzinger ist bereits als Erzbischof von München und Freising (1977 bis 1982) und später als Kardinal (1982 bis 2005) für seine konservative Einstellung bekannt. Dabei fällt er in den sechziger Jahren anlässlich des Zweiten Vatikanischen Konzils noch als Reformer auf und setzt sich für eine Öffnung der Kirche ein. Doch nach dem Konzil wendet sich Ratzinger von den Ideen ab. Als Präfekt der Glaubenskongregation, der höchsten und zentralen Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholischen Lehre, geißelt er die Abtreibungsgesetze in entwickelten Staaten als „Kultur des Todes“, sowie den Feminismus, der Frauen nicht befreie, sondern knechte.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. wird Joseph Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst gewählt. „Wir sind Papst“, titelt daraufhin die Bild. Ratzinger ist der erste Deutsche seit 500 Jahren an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Die Skandale um sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen prägen seine Amtszeit genauso wie seine historischen Begegnungen.

In den ersten Monaten seiner Amtszeit als Papst stellt Ratzinger, der jetzt Benedikt XVI. heißt, die Themen Familie und Lebensschutz mit scharfen Formulierungen in den Mittelpunkt. Ehe und Familie seien keine „soziologische Konstruktion“, sondern ein Abbild der Liebe Gottes: Sexualität sei nur in einer Ehe mit Kinderwunsch möglich.

Während seiner Amtszeit geht Benedikt viel auf Reisen, sein erster Auslandsbesuch führt ihn im August 2005 nach Deutschland. Beim Weltjugendtag in Köln wird er begeistert von einer Million Pilger empfangen. Sein Auftritt führt in der Öffentlichkeit zu einem Imagewechsel: Der neue Papst, der eigentlich ein Problem mit Auftritten bei Massenevents hat, gilt nun als glaubwürdig und erhält große Anerkennung.

Umstritten ist die Rede, die er am 12. September 2006 – während eines sechstägigen Besuchs in Bayern – an der Universität Regensburg hält. In seiner Vorlesung zum Verhältnis von Glaube und Vernunft lehnt er zwar jegliche religiös motivierte Gewalt ab. Dabei zitiert er jedoch eine Aussage des spätmittelalterlichen byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos, wonach der Prophet Mohammed nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht habe, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. In der islamischen Welt rufen die Äußerungen heftige Kritik hervor. Papst Benedikt, aber auch Vertreter des Vatikans müssen wiederholt klarstellen, dass sie die Werte des Islam keineswegs infrage stellen.

Während seiner Amtszeit bemüht sich der Papst immer wieder um eine Annäherung an die orthodoxe Kirche. Davon zeugen zum Beispiel Briefwechsel mit den Patriarchen von Moskau und Konstantinopel, die Eröffnung der ersten russisch-orthodoxen Kirche in Rom 2006 und nicht zuletzt die Entscheidung des Papstes, den seit dem fünften Jahrhundert geführten Ehrentitel „Patriarch des Abendlandes“ abzulegen. Die Wahl des neuen Patriarchen Kyrill I. bringt eine weitere Entspannung zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche mit sich.

Im Mai 2006 reist Papst Benedikt XVI. in die polnische Heimat seines Amtsvorgängers. Der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz wird in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen. Doch bei seiner Ansprache äußert er sich nur ausweichend zur Verantwortung der Deutschen für den Holocaust und stellt das deutsche Volk als „Opfer“ des Nazi-Regimes dar.

Im Mai 2009 bricht Papst Benedikt XVI. zu einer „Pilgerfahrt ins heilige Land“ auf. Er führt Gespräche mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu sowie mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und ruft zu einem Dialog der Religionen auf. Außerdem besucht er den Felsendom auf dem Tempelberg, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und die Klagemauer in Jerusalem.

Anfang 2010 werden in Deutschland Fälle sexuellen Missbrauchs öffentlich: Besonders in katholischen Einrichtungen wie Internaten soll es zu Übergriffen gekommen sein. Bis Ende März 2010 gibt es mehr als 250 registrierte Verdachtsfälle bei den Bistümern. Großteils sind es strafrechtlich bereits verjährte Taten aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Der Papst schweigt. Im März entschuldigt er sich in einem Hirtenbrief lediglich bei Opfern von sexueller Gewalt in Irland. In Deutschland trifft er sich erst 2011 am Rande eines Deutschlandbesuchs mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und Kirchenmitarbeiter.

Ein weiterer Skandal erschüttert im Februar 2012 den Vatikan: Interne Papiere sind an italienische Medien gelangt. In den veröffentlichten Dokumenten ist unter anderem von einem Mordkomplott gegen den Papst die Rede und von umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR. In der „Vatileaks-Affäre“ wird später der Kammerdiener von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, als Maulwurf entlarvt und zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Kurz vor Weihnachten 2012 begnadigt der Papst Gabriele.

2012 entscheidet sich Benedikt XVI., künftig auch in 140 Zeichen zu predigen. Er legt sich nicht nur einen Twitter-Kanal zu, sondern gleich mehrere, in verschiedenen Sprachen. Getwittert wird aus dem Vatikan seit dem 12. Dezember etwa auf Arabisch, Englisch und Lateinisch. Der erste deutsche Tweet Benedikts lautet: „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch.“

Am 11. Februar 2013 die riesige Überraschung: Benedikt erklärt seinen Rücktritt zum Ende des Monats. „Ich habe nicht mehr genug Kraft für mein Amt“, erklärt er. Am 13. März 2013 wählen die Kardinäle einen neuen Bischof von Rom, den Papst: Franziskus.

Fortan lebt der emeritierte Papst im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, wo er immer wieder auch Besucher empfängt: Im April 2017 zum Beispiel schaut der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) vorbei, um mit Benedikt auf dessen 90. Geburtstag anzustoßen. Auch Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein (dahinter) erhebt das Glas.

Öffentlich zu Wort meldet sich Benedikt nur noch selten. Noch seltener ist er in der Öffentlichkeit zu sehen. Im Juni 2020 verlässt er den Vatikan, um nach Regensburg zu reisen. Dort liegt sein Bruder Georg im Sterben. Die Strapazen der Reise sind Benedikt anzusehen; die Kirche lässt wissen, dass er sehr erschöpft sei. Aber dass er sich sehr gefreut habe, seinen Bruder zu sehen. Es ist Ratzingers letzter Besuch in der alten Heimat – es ist ein Abschied.

Team
Text Dimitri Taube
Bildredaktion Christine Kokot
Digitales Storytelling Christian Helten
Schlussredaktion Konstanze Oesterheld