Hoffnung in Zahlen

Die Nachrichtenlage ist düster. Höchste Zeit für ein paar Lichtblicke in den Daten. Diesmal: Der Boom einer Alternative zum Heizen mit fossilen Brennstoffen.

28. November 2022

Heizung

Die Wärmepumpe boomt

Die Preise für Heizöl und die Rechnung vom Gasversorger steigen in schwindelerregende Höhen, überhaupt soll Gas gespart werden. Das Thema Heizen stimmt in diesem Winter kaum jemanden optimistisch. Doch während noch immer in den meisten Kellern Gas- und Ölheizungen stehen, legt eine Alternative zum fossilen Heizen in Deutschland in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom hin: Die Wärmepumpe.

Seit 2020 steigen die Absatzzahlen von Wärmepumpen rasant an, trotz langen Lieferzeiten und fehlenden Fachkräften im Handwerk. Auf einem Gipfel mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bekräftigte der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) kürzlich: Wärmepumpen sollen in wenigen Jahren zur neuen Standardheizung werden.

Von derzeit 1,4 Millionen eingebauten Wärmepumpen will die Bundesregierung bis 2030 auf 6 Millionen kommen. Um das Ziel zu erreichen, müssen künftig jedes Jahr noch einmal deutlich mehr Wärmepumpen eingebaut werden als heute.

Während die Verkaufszahlen für Heizungswärmepumpen laut BWP-Statistik in den Jahren vor 2020 eher langsam stiegen, machten sie 2020 und 2021 zwei große Sprünge: Um knapp 40 und noch einmal knapp 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit bis zu 230.000 verkauften Heizungswärmepumpen. Allein im Vergleich von September 2022 zum Vorjahresmonat seien knapp 70 Prozent mehr verkauft worden.

Im kommenden Jahr dürfte die Zahl laut BWP noch einmal stark steigen und könnte 350 000 abgesetzte Wärmepumpen erreichen. Der Verband gibt sich zuversichtlich, das von der Politik vorgegebene Ziel von einer halben Million Wärmepumpen pro Jahr ab 2024 erreichen zu können.

Während die Verkaufszahlen für Heizungswärmepumpen laut BWP-Statistik in den Jahren vor 2020 eher langsam stiegen, machten sie 2020 und 2021 zwei große Sprünge: Um knapp 40 und noch einmal knapp 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit bis zu 230.000 verkauften Heizungswärmepumpen. Allein im Vergleich von September 2022 zum Vorjahresmonat seien knapp 70 Prozent mehr verkauft worden.

Im kommenden Jahr dürfte die Zahl laut BWP noch einmal stark steigen und könnte 350 000 abgesetzte Wärmepumpen erreichen. Der Verband gibt sich zuversichtlich, das von der Politik vorgegebene Ziel von einer halben Million Wärmepumpen pro Jahr ab 2024 erreichen zu können.

Statt aus fossilen Energieträgern ziehen Wärmepumpen die Heizenergie aus der Außenluft oder dem Boden. Dafür brauchen sie zwar zusätzlich Strom, doch den nutzen die Geräte im Vergleich zu anderen Heizungen sehr effizient. Im Haus kommt am Ende ein Vielfaches des eingesetzten Stroms als Wärmeenergie an. Und je erneuerbarer der Strom wird, desto klimafreundlicher sind auch Wärmepumpen. Zwar sind auch die Strompreise in der Energiekrise stark gestiegen – doch Bundesminister Habeck will dafür sorgen, dass diejenigen, die kürzlich auf Wärmepumpen umgestiegen sind, bei der geplanten Strompreisbremse nicht benachteiligt werden.

Bereits heute stehen laut dem Statistischen Bundesamt in der Mehrzahl der Neubauten Wärmepumpen statt konventioneller Heizungen, 2021 waren sie erstmals der am häufigsten verbaute Heizungstyp. Dafür winkt eine Förderung vom Staat, je nach Art der Anlage mehrere Zehntausend Euro. Gefördert werden nicht nur Wärmepumpen in Neubauten, sondern auch in Bestandsgebäuden. Dass für Wärmepumpen zwingend auch eine Fußbodenheizung eingebaut werden muss, stimmt laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme nicht: Auch ältere Gebäude mit normalen Heizkörpern können mit Wärmepumpen nachgerüstet werden.

Von Simon Koenigsdorff (Text) und Hanna Eiden (Grafik), November 2022

Klimaschutz

Wie rasch viele Treibhausgase eingespart werden können

Ja, es geht um Treibhausgase, aber trotzdem: nicht gleich wieder wegklicken. Nachrichten zu Emissionen sind selten gute, aber es gibt zwei bislang zu wenig beachtete Forschungsergebnisse, bei denen es anders ist.

Erstens: Wenn wir die Emissionen auf null senken, ist das eine klimapolitische Medizin, die unmittelbar wirkt. Die Menschheit und der Planet profitieren davon in relativ kurzer Zeit, weil damit der Temperaturanstieg weltweit rasch gebremst würde - anders als früher angenommen. Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen würde es nur drei bis fünf Jahre dauern, bis die positiven Auswirkungen eines – allerdings sehr rasch erfolgten – Treibhausgas-Stopps spürbar würden. Früher ging die Klimawissenschaft davon aus, dass die globale Temperatur angesichts der Trägheit der klimatischen Systeme noch Jahrzehnte weiter steigen würde. Diese Trägheit gibt es zwar, zumal sich CO2 anders als etwa Methan über einen sehr langen Zeitraum in der Atmosphäre halten kann. Aber wenn die Emissionen erst einmal gestoppt sind, wird sich bei der Lufttemperatur nicht mehr viel nach oben hin ändern. In der Folge können dann etwa auch die Ozeane keine – zumindest zusätzliche – Wärme mehr aufnehmen, und der gesamte Prozess käme allmählich zum Erliegen.

Die zweite gute Nachricht: Die globalen Treibhausgas-Emissionen zu stoppen, ist möglich, auch wenn die Zahl von annähernd 60 Milliarden Tonnen Treibhausgasen, die die Menschheit derzeit noch alljährlich in die Atmosphäre bläst, horrend hoch erscheint. Es gibt da eine Grafik aus den Berichten des Weltklimarats, die bislang zu wenig Beachtung fand. Der Klimaforscher Zeke Hausfather hat sie nicht nur als eine der wichtigsten in den jüngsten IPCC-Berichten bezeichnet, sondern auch als "low-hanging fruit diagram”. Gemeint ist damit: eine Übersicht, wie wir mit wenig Aufwand viel erreichen können, und das schon in den nächsten Jahren bis 2030.

Am meisten Potenzial liegt im Energiesektor beim Umstieg auf grüne Technologien, wenn also beispielsweise Kohlekraftwerke durch Solaranlagen und Windräder ersetzt würden:

Dann könnte man damit bis 2030 jeweils um die vier Milliarden Tonnen Treibhausgase einsparen – kostengünstig wäre das übrigens ebenfalls.

Der Weltklimarat sieht auch große Chancen darin, in der Industrie auf alternative Energieträger wie Strom aus erneuerbaren Energien zu setzen und natürlich auf Energieeffizienz ...

... das gilt beispielsweise auch beim Bau neuer Gebäude und bei der Einrichtung derselben, wo knapp beziehungsweise mehr als eine Milliarde Tonnen Treibhausgase gespart werden könnten.

Einen ebenfalls großen Beitrag würde im Verkehrssektor der Umstieg auf Biokraftstoffe oder öffentliche Verkehrsmittel leisten.

Noch entscheidender ist aber, wie der Mensch künftig Böden und Landflächen in Anspruch nimmt. Mit dem Schutz von Wäldern, Mooren oder anderen Ökosystemen und dem Speichern von CO2 bei der Bodenbewirtschaftung ließen sich je dreieinhalb bis vier Milliarden Tonnen Treibhausgase einsparen – ähnlich viel wie mit dem Umstieg auf Solar- und Windenergie.

Außerdem bietet die relativ unkomplizierte Umstellung auf eine klimafreundlichere Ernährung Einsparpotenziale von annähernd zwei Milliarden Tonnen.

Dann könnte man damit bis 2030 jeweils um die vier Milliarden Tonnen Treibhausgase einsparen – kostengünstig wäre das übrigens ebenfalls.

Der Weltklimarat sieht auch große Chancen darin, in der Industrie auf alternative Energieträger wie Strom aus erneuerbaren Energien zu setzen und natürlich auf Energieeffizienz ...

... das gilt beispielsweise auch beim Bau neuer Gebäude und bei der Einrichtung derselben, wo knapp beziehungsweise mehr als eine Milliarde Tonnen Treibhausgase gespart werden könnten.

Einen ebenfalls großen Beitrag würde im Verkehrssektor der Umstieg auf Biokraftstoffe oder öffentliche Verkehrsmittel leisten.

Noch entscheidender ist aber, wie der Mensch künftig Böden und Landflächen in Anspruch nimmt. Mit dem Schutz von Wäldern, Mooren oder anderen Ökosystemen und dem Speichern von CO2 bei der Bodenbewirtschaftung ließen sich je dreieinhalb bis vier Milliarden Tonnen Treibhausgase einsparen – ähnlich viel wie mit dem Umstieg auf Solar- und Windenergie.

Außerdem bietet die relativ unkomplizierte Umstellung auf eine klimafreundlichere Ernährung Einsparpotenziale von annähernd zwei Milliarden Tonnen.

Von Sabrina Ebitsch (Text) und Hanna Eiden (Grafik), September 2022

Gesundheit

Länger leben mit klimafreundlicher Ernährung

Stichwort klimafreundliche Ernährung: Eine Umstellung auf weniger Fleisch und weniger industriell verarbeitete Produkte schützt nicht nur Klima und Tiere, sondern hat nachweislich große Effekte auf die eigene Gesundheit und Lebenserwartung. Kurz gesagt: Wer klimafreundlich isst, ist gesünder und lebt länger. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Empfehlungen der Eat-Lancet-Kommission, einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern und Disziplinen zu gesunder und nachhaltiger Ernährung, genauer auf ihre Effekte hinsichtlich der Lebenserwartung untersucht hat.

Demnach ließen sich mit der sogenannten Planetary Health Diet nicht nur künftig zehn Milliarden Menschen ernähren, ohne den Planeten zu zerstören, und jährlich elf Millionen Tote aufgrund ungesunder Ernährung vermeiden. Auch jede und jeder Einzelne würde gesundheitlich davon profitieren. Je früher man damit anfängt, desto mehr Lebenszeit gewinnt man. Aber selbst Menschen im Rentenalter können ihre Lebenserwartung noch um Jahre erhöhen, wenn sie von bestimmten Lebensmittelgruppen mehr essen.

Den größten Einfluss haben dabei Hülsenfrüchte, Vollkorn und auch Nüsse, sie können die Lebenserwartung von knapp zwei beziehungsweise bis zu knapp zweieinhalb Jahre steigern.

Aber auch mehr Fisch, Obst und Gemüse auf dem Speiseplan haben einen – wenn auch deutlich geringeren – positiven Effekt.

Bei anderen Lebensmitteln geht es mehr ums Weglassen: Wenn weniger rotes und verarbeitetes Fleisch gegessen wird, wirkt sich das statistisch ebenfalls positiv auf die Lebenserwartung aus ...

… und auch weniger gesüßte Getränke wie Limonaden, weniger raffiniertes Getreide (im Gegensatz zum Vollkorn) und weniger Ei sind zu empfehlen.

Den größten Einfluss haben dabei Hülsenfrüchte, Vollkorn und auch Nüsse, sie können die Lebenserwartung von knapp zwei beziehungsweise bis zu knapp zweieinhalb Jahre steigern.

Aber auch mehr Fisch, Obst und Gemüse auf dem Speiseplan haben einen – wenn auch deutlich geringeren – positiven Effekt.

Bei anderen Lebensmitteln geht es mehr ums Weglassen: Wenn weniger rotes und verarbeitetes Fleisch gegessen wird, wirkt sich das statistisch ebenfalls positiv auf die Lebenserwartung aus ...

… und auch weniger gesüßte Getränke wie Limonaden, weniger raffiniertes Getreide (im Gegensatz zum Vollkorn) und weniger Ei sind zu empfehlen.

Ein typischer US-Amerikaner, der im Alter von 20 Jahren seine Ernährung entsprechend umstellt, könnte nach Einschätzung der Forschenden mehr als zehn Jahre länger leben. Selbst bei 60-Jährigen gehen die Autorinnen und Autoren noch von einer Steigerung der Lebenserwartung von acht bis neun Jahren aus, sogar bei 80-Jährigen noch von etwa drei Jahren.

Falls Sie nun Lust bekommen haben, die eigene Ernährung auch in diesem Sinne anzupassen – hier der empfohlene Speiseplan der Lancet-Kommission für einen Tag (Mengenangaben gerundet):

Kohlehydrate:
  • 300 Gramm Gemüse + 50 Gramm stärkehaltiges Gemüse wie Kartoffeln
  • 200 Gramm Obst
  • 230 Gramm Vollkorn
  • Proteine:
  • 250 Gramm Milchprodukte
  • 75 Gramm Hülsenfrüchte
  • 50 Gramm Nüsse
  • 30 Gramm Fisch
  • 30 Gramm Geflügel
  • 15 Gramm Rind- oder Schweinfleisch
  • 15 Gramm Ei
  • Fette:
  • 40 Gramm ungesättigte Fette z.B. aus Oliven-, Sonnenblumen oder Sojaöl
  • 12 Gramm gesättigte Fette z.B. aus Schmalz
  • Zucker:
  • 30 Gramm zugesetzte Süßungsmittel

Passende Rezepte dazu finden Sie hier.

Von Sabrina Ebitsch (Text) und Hanna Eiden (Grafik), September 2022

Gleichberechtigung

Frauen im Top-Management in Deutschland

In Vorständen großer Unternehmen in Deutschland sind noch sehr viel häufiger Männer als Frauen anzutreffen. Doch der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in der Privatwirtschaft ist zuletzt stark angestiegen.

Das zeigen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die seit 2006 im sogenannten "Managerinnen-Barometer" präsentiert werden. Damals lag der Anteil von Frauen in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen der Privatwirtschaft (ohne den Finanzsektor) bei 1,2 Prozent.

Bis 2020 stieg der Anteil über die Jahre hinweg auf 11,5 Prozent an. Und dann folgte ein großer Sprung. 14,7 Prozent Frauen waren 2021 in Vorständen der Top-200-Unternehmen in Deutschland vertreten. Es ist der mit Abstand höchste Wert seit 2006.

Das zeigen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die seit 2006 im sogenannten "Managerinnen-Barometer" präsentiert werden. Damals lag der Anteil von Frauen in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen der Privatwirtschaft (ohne den Finanzsektor) bei 1,2 Prozent.

Bis 2020 stieg der Anteil über die Jahre hinweg auf 11,5 Prozent an. Und dann folgte ein großer Sprung. 14,7 Prozent Frauen waren 2021 in Vorständen der Top-200-Unternehmen in Deutschland vertreten. Es ist der mit Abstand höchste Wert seit 2006.

"Natürlich kann man sagen: 15 Prozent, das ist immer noch nicht sehr viel. Aber im Vergleich dazu, von welch niedrigem Niveau wir gestartet sind, ist das ein großer Fortschritt", sagt Katharina Wrohlich, die am DIW die Forschungsgruppe Gender Economics leitet. Unter dem Begriff "Vorstand" fasst das DIW Vorstände und Geschäftsführungen zusammen. Auch Daten von Aufsichtsräten hat das Institut dokumentiert, worunter es Aufsichtsräte, Verwaltungsräte, Beiräte und Kuratorien zählt.

Warum gerade ein Blick auf die Vorstände lohnt, erklärt die Expertin so: "Die Vorstände, beziehungsweise die Geschäftsführungen, sind die Gremien, die die unternehmerischen Entscheidungen letztendlich treffen. Der Aufsichtsrat ist das Kontrollgremium, der beeinflusst nicht das operative Geschäft. Da, wo die Macht sitzt, im Sinne von täglichen Entscheidungen, das ist der Vorstand." Die Sichtbarkeit im Unternehmen und damit auch die Vorbildwirkung sei in Vorständen ebenfalls höher, so Wrohlich.

Eine Geschlechterquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte in börsennotierten sowie paritätisch mitbestimmten Unternehmen – also solchen, bei denen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gleich viele Sitze im Aufsichtsrat haben – gibt es schon seit ein paar Jahren. Das heißt, auch ein Aufsichtsrat, in dem 80 Prozent Frauen sitzen, wäre nicht erlaubt. Aber: "So einen Fall haben wir derzeit noch nicht", so die Expertin.

Für Vorstände existiert ein Gesetz, das für Besetzungen seit 1. August dieses Jahres gilt. Es gibt hier ein Mindestbeteiligungsgebot, das keinen Prozentsatz vorgibt, sondern besagt, dass mindestens eine Frau und mindestens ein Mann im Vorstand sitzen müssen. Das gilt für Unternehmen, die börsennotiert und paritätisch mitbestimmt sind und einen Vorstand mit mindestens vier Personen haben. Das sind in Deutschland nicht besonders viele, aber dafür einflussreiche Unternehmen, geht aus der Einschätzung von Katharina Wrohlich hervor, die außerdem einordnet: "Im Moment sieht es so aus, dass es mindestens eine Frau sein muss."

Auch wenn der Anstieg bei Frauen in Vorständen komplex sei, geht die Expertin davon aus, dass er mit der Ankündigung der Mindestbeteiligung zu tun hat. Weder Quote noch Beteiligungsgebot führen übrigens zu Entlassungen von Männern, beide beziehen sich lediglich auf Neubesetzungen.

Doch was hindert Frauen eigentlich daran, im Top-Management zu arbeiten? Laut Wrohlich gibt es viele Gründe. Speziell zu Vorstandspositionen sagt sie: "Die Erwerbskarrieren von Frauen und Männern, speziell in Deutschland, unterscheiden sich nach wie vor sehr stark." Frauen kehrten oft nach der Familiengründung länger nicht an den Arbeitsplatz zurück. Doch das sei noch gar nicht das Hauptproblem. Folgt eine (lange) Teilzeit, sei diese ein "Karrierekiller". Auch die Unternehmenskultur zählt die Expertin zu den Ursachen. Eine gläserne Decke durch explizite Diskriminierung gebe es nicht mehr häufig, geschlechterstereotype Zuschreibungen aber schon. So würden Eigenschaften, die in einer hohen Führungsposition erwartet werden – etwa Durchsetzungsstärke oder Risikofreude –, eher Männern zugeschrieben.

Der Frauenanteil in Vorständen großer Unternehmen steigt also. Für Wrohlich ist das Ziel aber gar nicht zwingend, dass genau gleich viele Männer wie Frauen in Vorständen sitzen: "Ob man wirklich sagen kann: Die Welt ist dann gut, wenn 50 Prozent Frauen im Vorstand sind, weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall wäre eine Welt gut, in der niemand mehr aufgrund geschlechterstereotyper Zuschreibungen oder unbewusster Vorurteile davon abgehalten wird, so eine Position zu erreichen."

Von: Christina Rebhahn-Roither (Text), Sarah Unterhitzenberger (Grafik), August 2022

Klima

Mehr Fortschritt als erwartet

Nein, es wird noch nicht genug getan für den Klimaschutz. Im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist eine Debatte um fossile Brennstoffe entbrannt, es wird über Abhängigkeiten und Embargos diskutiert. Dabei ist in puncto Klima klar: Es muss endlich eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas geben. Und doch hat sich klimapolitisch mehr bewegt, als noch vor wenigen Jahren vorstellbar war.

Der Weltklimarat IPCC hat die schlimmste aller Zukunftsversionen in seinem fünften Sachstandsbericht in den Jahren 2013 und 2014 als das "Weiter so wie bisher"-Szenario tituliert, auch RCP 8.5 genannt. Die Grundannahme dieses Szenarios: Die Menschheit ergreift keinerlei Maßnahmen gegen den Klimawandel, die Folge wäre eine Erwärmung von bis zu fünf Grad Celsius, verglichen mit der Zeit vor der Industrialisierung. Von diesem Szenario geht die Mehrheit der Klimawissenschaftler allerdings nicht mehr aus. Das liegt nicht nur an Konstruktionsfehlern des Modells, sondern auch an Fortschritten der Klimapolitik.

Die Klimakonferenz in Glasgow 2021 hat sich erneut zu dem Ziel bekannt, die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 auf 1,5 Grad zu begrenzen. Doch die Klimaschutzmaßnahmen, welche die einzelnen Staaten beschlossen haben, reichen dafür bei Weitem nicht aus. Beim Blick auf die prognostizierten CO₂-Emissionen und die Erwärmungsszenarien, die daraus resultieren, wird das noch einmal deutlich. Was aber auch zu erkennen ist: ein deutlicher Fortschritt verglichen mit Klimaschutzversprechungen, die einige Jahre zurückliegen.

Diese Zukunft zeichnete sich noch vor zehn Jahren ab: Mit den damaligen Klimaschutzversprechen der Staaten (weiße Linie) hätte sich die Erderhitzung kaum bremsen lassen, der globale Temperaturanstieg hätte bis zum Ende des Jahrhunderts 3,5 Grad betragen – nicht weit entfernt von den fünf Grad aus dem Worst-Case-Szenario RCP 8.5 (schwarze Linie) .

Was seitdem erreicht wurde, illustriert die lila leuchtende Fläche: Sie zeigt die zu erwartenden Emissionen, wenn man die bis Ende 2021 in Gesetze gegossenen oder schon umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen zugrunde legt – ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den Versprechen von 2012. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Erde um 2,7 Grad erwärmen.

Allerdings klafft zwischen den schon verabschiedeten Klima-Gesetzen und den in Glasgow selbsterklärten Klimazielen der Staaten (orangefarbener Bereich), die auf eine Erwärmung von 2,1 Grad hinauslaufen, noch immer eine Lücke.

Und für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels wären selbst diese selbstgesteckten Ziele nicht ausreichend. Die gelbe Fläche zeigt, wie sich die Emissionen dafür entwickeln müssten. Die Staaten müssten nachbessern, bei den Zielen, aber auch bei der Umsetzung derselben.

Diese Zukunft zeichnete sich noch vor zehn Jahren ab: Mit den damaligen Klimaschutzversprechen der Staaten (weiße Linie) hätte sich die Erderhitzung kaum bremsen lassen, der globale Temperaturanstieg hätte bis zum Ende des Jahrhunderts 3,5 Grad betragen – nicht weit entfernt von den fünf Grad aus dem Worst-Case-Szenario RCP 8.5 (schwarze Linie) .

Was seitdem erreicht wurde, illustriert die lila leuchtende Fläche: Sie zeigt die zu erwartenden Emissionen, wenn man die bis Ende 2021 in Gesetze gegossenen oder schon umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen zugrunde legt – ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den Versprechen von 2012. Bis zum Ende des Jahrhunderts würde sich die Erde um 2,7 Grad erwärmen.

Allerdings klafft zwischen den schon verabschiedeten Klima-Gesetzen und den in Glasgow selbsterklärten Klimazielen der Staaten (orangefarbener Bereich), die auf eine Erwärmung von 2,1 Grad hinauslaufen, noch immer eine Lücke.

Und für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels wären selbst diese selbstgesteckten Ziele nicht ausreichend. Die gelbe Fläche zeigt, wie sich die Emissionen dafür entwickeln müssten. Die Staaten müssten nachbessern, bei den Zielen, aber auch bei der Umsetzung derselben.

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts müssten die Emissionen sogar negativ werden, Kohlendioxid müsste der Atmosphäre wieder entzogen werden. Und die Länder müssten ihre politischen Versprechen auch tatsächlich einhalten. Nichtsdestotrotz zeigen die Zahlen: Veränderung ist möglich, und sie passiert.

Von: Sabrina Ebitsch, Christoph von Eichhorn, Sören Müller-Hansen, Sead Mujic (Grafik), April 2022

Gesellschaft

Menschen achten wieder mehr aufeinander

Dass eine Pandemie, die die Welt seit mehr als zwei Jahren in Atem hält, selten Positivschlagzeilen hervorbringt, mag auf der Hand liegen. Und doch versteckt sich zwischen Lockdowns, Krankheitsfällen und Einschränkungen auch eine erfreuliche Entwicklung: In Westeuropa, wozu in einer Umfrage des Instituts Gallup unter anderem Deutschland, Österreich und Dänemark zählen, ist im Zeitraum von 2006 bis 2021 ein deutlicher Anstieg von Aktivitäten im zivilgesellschaftlichen Bereich zu erkennen, insbesondere während der Pandemie.

In Deutschland wurde der erste Covid-19-Fall am 27. Januar 2020 nachgewiesen. Dieses Datum wurde in der folgenden Grafik als Pandemiebeginn markiert. Kurz danach steigen die Werte deutlich – und hier sind nicht die Krankheitswerte gemeint, sondern die Bereitschaft, zu spenden (donation), sich freiwillig zu engagieren (volunteering) und fremden Menschen zu helfen (helped a stranger). Die Linien stellen den Durchschnitt dessen dar, wie oft befragte Menschen angaben, die Aktivitäten ausgeführt zu haben. Hätten beispielsweise alle Befragen angegeben, im vergangenen Monat an eine Wohltätigkeitsorganisation gespendet zu haben, dann wäre der Wert hier eins.

Die drei Faktoren werden im World Happiness Report 2022 als "prosoziales Verhalten" bezeichnet und mit Daten der Gallup World Poll dargestellt. Sie haben unterschiedliche Verläufe, was sie jedoch eint, ist, dass sie allesamt während der Pandemie stark gestiegen sind, "oft mit bemerkenswerten Raten", wie es im Bericht heißt. Der Durchschnitt der drei Messgrößen wird im Bericht als "global benevolence", also "globale Wohltätigkeit" bezeichnet. Diese sei im Jahr 2021 um fast ein Viertel des Wertes vor der Pandemie angestiegen.

Das erbauliche Fazit im World Happiness Report: "Die Covid-19-Pandemie, die 2020 begann, hat 2021 zu einer Pandemie der Wohltätigkeit mit gleichmäßiger globaler Verteilung geführt."

Rupert Graf Strachwitz ist Direktor des Maecenata-Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft. Einen Anstieg im Engagement, wie ihn die Grafik für ganz Westeuropa zeigt, hat es laut dem Experten auch in Deutschland gegeben, "gar keine Frage". In den vergangenen Jahren hat Strachwitz hierzulande, aber auch in anderen Weltgegenden, eines immer wieder beobachtet: "Wenn Not am Mann ist, sind die Bürgerinnen und Bürger zur Stelle." Als Beispiele nennt er Naturkatastrophen oder die Ankunft von Geflüchteten.

Während der Corona-Pandemie sei dennoch ein Phänomen aufgetreten, das alles andere als positiv ist, so der Experte, nämlich der "Verlust an Gemeinschaft". Nichtsdestotrotz blickt er zuversichtlich in die Zukunft: "Meine Prognose wäre, dass das Gemeinsam-etwas-anpacken-wollen-Gefühl stärker ist."

Strachwitz geht davon aus, dass sich in Deutschland fast die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger, die das aufgrund ihres Alters, ihres Gesundheitszustandes oder anderer Umstände überhaupt können, zivilgesellschaftlich engagiert. Wirft man einen Blick in die Vergangenheit, so hat sich der Einsatz laut dem Institutsdirektor stark verlagert, "von den großen alten Organisationen hin zu den kleinen jungen Organisationen und von dem langfristigen Engagement in einer Organisation zu einem spontanen Engagement in wechselnden Organisationen oder auch einfach so, ohne Organisation".

Den Wert dieses Engagements könne man gar nicht hoch genug einschätzen. "Eine funktionierende Demokratie lebt entscheidend davon, dass es so ein Engagement gibt. Ohne Engagement keine Zivilgesellschaft, ohne Zivilgesellschaft keine Demokratie", sagt Strachwitz und ist sich sicher, dass dieses Engagement auch langfristig ansteigen wird.

Von: Christina Rebhahn-Roither (Text), Hanna Eiden (Grafik), Juli 2022

Gesundheit

Die Kindersterblich­keitsrate sinkt

Noch immer sterben jedes Jahr Kinder an Ursachen, die eigentlich vermeidbar wären. Und doch starben 2020 weniger als halb so viele unter Fünfjährige wie noch Anfang der 1990er-Jahre.

Das legen Schätzungen der Vereinten Nationen nahe. Die Kindersterblichkeitsrate – hier für unter Fünfjährige – gibt an, wie viele Mädchen und Jungen in diesem Alter schätzungsweise gestorben sind, jeweils auf ein Jahr und 1000 Lebendgeburten bezogen.

Das legen Schätzungen der Vereinten Nationen nahe. Die Kindersterblichkeitsrate – hier für unter Fünfjährige – gibt an, wie viele Mädchen und Jungen in diesem Alter schätzungsweise gestorben sind, jeweils auf ein Jahr und 1000 Lebendgeburten bezogen.

Die Unicef-Pressesprecherin für Deutschland, Ninja Charbonneau, betont bezüglich der Kindersterblichkeit, "dass es eben die Möglichkeit gibt, das zu ändern und auch noch weiter zu verbessern. Wir haben ja unfassbar viel erreicht, und daran sehen wir, dass die Maßnahmen, die bisher getroffen wurden in den letzten Jahrzehnten, Wirkung zeigen".

Zu vermeidbaren Todesfällen zählt sie zum Beispiel jene durch verschmutztes Trinkwasser. "Das ist kein Schicksal, das man einfach hinnehmen muss, weil man daran nichts ändern kann. Sondern in den meisten Fällen kann man etwas tun und könnte man diese Todesfälle, diese tragischen Fälle vermeiden. Und zwar durch relativ einfache Mittel." Und sie zählt, neben sauberem Trinkwasser, weitere auf: Impfungen, imprägnierte Moskitonetze, Ernährung, ein gutes Gesundheitssystem, das für Familien erreichbar und finanzierbar ist. Mit diesen simplen Maßnahmen ließe sich schon viel verbessern an der Gesamtsituation.

Sterben weniger Kinder an Krankheiten wie Malaria oder Lungenentzündung, nehmen wiederum anteilsmäßig Todesursachen zu, die die Geburt betreffen, erklärt Charbonneau. "Und es ist schwieriger, hier Fortschritte zu erzielen. Denn man braucht gut ausgebildete Personen und speziell ausgestattete Gesundheitsstationen, Geburtshäuser oder Krankenhäuser, um dafür zu sorgen, dass eine Geburt sicher und unter guten Bedingungen stattfindet." Oder auf den Punkt gebracht: "Das heißt, es ist mit anderen Worten ab einem bestimmten Punkt komplexer und damit auch teurer, Leben zu retten."

"Die Länder mit der höchsten Sterblichkeitsrate sind hauptsächlich Länder in Subsahara-Afrika. Und besonders betroffen sind fragile Staaten und/oder Länder, in denen Konflikte herrschen oder die von Naturkatastrophen betroffen sind", erklärt Charbonneau. Zu beachten ist grundsätzlich, dass es auch innerhalb von Regionen und Ländern Unterschiede geben kann, die Zahlen nicht aufzeigen.

Die niedrigste Kindersterblichkeitsrate verzeichnet im Vergleich der Weltregionen Westeuropa, gefolgt von Nordamerika und Europa inklusive Zentralasien.

"Die Länder mit der höchsten Sterblichkeitsrate sind hauptsächlich Länder in Subsahara-Afrika. Und besonders betroffen sind fragile Staaten und/oder Länder, in denen Konflikte herrschen oder die von Naturkatastrophen betroffen sind", erklärt Charbonneau. Zu beachten ist grundsätzlich, dass es auch innerhalb von Regionen und Ländern Unterschiede geben kann, die Zahlen nicht aufzeigen.

Die niedrigste Kindersterblichkeitsrate verzeichnet im Vergleich der Weltregionen Westeuropa, gefolgt von Nordamerika und Europa inklusive Zentralasien.

Und was ist mit der Pandemie? "Da ist die gute Nachricht, dass sich bisher, also ganz vorsichtig formuliert, die Befürchtungen, dass dadurch die Kindersterblichkeitsrate wieder stagnieren oder im schlimmsten Fall sogar stark steigen könnte, vorläufig nicht bestätigt haben." Das begründet sie damit, dass bisherige Daten darauf hindeuten, dass Coronavirus-Erkrankungen für Jüngere weniger gefährlich seien als für ältere Menschen.

Und doch schiebt Charbonneau einige Einschränkungen hinterher: Die aktuellsten Schätzungen beziehen sich auf das Jahr 2020, zusätzlich gibt es Datenlücken. Zur allgemeinen Datenlage sagt sie: "Anhand dessen, was man weiß und machen kann, sind das sehr valide Schätzungen, aber es bleiben eben Schätzungen und keine exakten Zahlen." Was zudem jetzt noch nicht absehbar sei, seien indirekte Folgen der Pandemie. Dazu zählt sie Wirtschaftskrisen, Armut, Ernährungskrisen und belastete Gesundheitssysteme. "All das kann natürlich auch mittelfristig noch mal große Auswirkungen auf das gesunde Aufwachsen der Kinder haben." Zum Thema Hunger ergänzt Charbonneau: "Seit Anfang des Jahres hat die sich weltweit zuspitzende Ernährungskrise dazu geführt, dass in 15 besonders gefährdeten Ländern zusätzlich 260 000 Kinder an schwerer akuter Mangelernährung leiden."

Obwohl auch noch eine Menge zu tun bleibe, ist die Sprecherin zuversichtlich: "Zumindest geht der Trend seit Jahrzehnten jetzt wirklich erfreulicherweise in die eine Richtung bei der Kindersterblichkeit, und das ist nach unten. Und wir gehen davon aus, dass sich das auch so weiterentwickeln wird." Ein wichtiger Fokus müsse allerdings in Zukunft auf der Region Subsahara-Afrika liegen.

Von: Christina Rebhahn-Roither (Text), Hanna Eiden (Grafik), Juli 2022

Team
Digitales Storytelling Christina Rebhahn-Roither, Sabrina Ebitsch
Digitales Design Lea Gardner