Bundeswehr

„Gorch Fock“ sticht unter neuem Kommando in See

Zwei tragische Unglücke von Kadettinnen, fast sechs Jahre Instandsetzungsarbeiten: Das Segelschulschiff der Marine hat eine lange, aber auch bewegte Geschichte. Jetzt verlässt es seinen Heimathafen in Kiel für eine sechswöchige Reise.

8. August 2022 - 2 Min. Lesezeit

Leinen los! Das Segelschulschiff Gorch Fock ist am Montagmorgen zu seiner ersten Ausbildungsreise unter neuem Kommando aufgebrochen. Die Verantwortung hat seit Ende März Kapitän Andreas-Peter Graf von Kielmansegg, 55.

Gegen zehn Uhr hat die Gorch Fock ihren Kieler Heimathafen in Richtung Osten verlassen, sie wird Ende September zurückerwartet. Bei der Reise sind auch erstmals seit Jahren wieder mehr als 100 Kadetten an Bord.

Im Rahmen ihrer „Seemännischen Basisausbildung“ werden sie erste Erfahrungen auf dem Dreimaster sammeln und das grundlegende Handwerk auf See erlernen, bevor es für die Offiziersanwärter an die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München in den akademischen Teil ihrer Ausbildung geht.

Seit der Indienststellung der Gorch Fock im Dezember 1958 wurden auf den Planken des Segelschulschiffs etwa 15 000 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter ausgebildet.

In gut 50 Jahren gab es dabei nur eine geringe Zahl tödlicher Unfälle. Dann ereigneten sich jedoch zwei folgenreiche Unglücke in kurzer Zeit: Im September 2008 ging die 18 Jahre alte Kadettin Jenny Böken, die hier im Bild zu sehen ist, über Bord, im November 2010 stürzte die 25-jährige Kadettin Sarah Lena Seele aus der Takelage. Es entbrannten heftige Diskussionen über die Bedingungen auf der Gorch Fock.

Der Ausbildungsbetrieb wurde unterbrochen. Erst im November 2012 durfte das Segelschulschiff unter dem neuen Kapitän Helge Risch und mit einem modernisierten Ausbildungskonzept wieder mit Kadetten an Bord in See stechen.

Auf ihrem aktuellen Törn ist eine Teilnahme an der „Hanse Sail“ in Rostock geplant, dort soll die Gorch Fock am Mittwochnachmittag einlaufen. Anschließend stehen noch Hafenaufenthalte im polnischen Stettin und finnischen Helsinki auf dem Programm.

Nach jahrelanger Sanierung hatte die Marine die Gorch Fock erst im vergangenen Jahr zurückbekommen. Die Reparaturkosten stiegen von zunächst geplanten zehn auf 135 Millionen Euro. Im Oktober 2021 kehrte das generalüberholte Schiff in seinen Heimathafen Kiel zurück.

Bei der Sanierung der Gorch Fock gab es gleich mehrere Rückschläge: Im Oktober 2016 wurde ein erster Baustopp verhängt, nachdem bei den Instandsetzungsarbeiten weitere Schäden festgestellt wurden. Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen entschied im Januar 2017, die Sanierung fortzuführen, auch wenn die geschätzten Kosten auf 75 Millionen Euro gestiegen waren.

Wegen Korruptions- und Untreuevorwürfen gegen die Elsflether Werft wurden die Arbeiten im Dezember 2018 vom Verteidigungsministerium erneut ausgesetzt. Als diese in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 2019 Insolvenz anmeldete, konnten die Arbeiten nur weitergehen, weil die Lürssen-Werft übernahm.

Im Verlauf all ihrer Ausbildungsreisen besuchte die Gorch Fock bisher etwa 390 Häfen in knapp 60 Ländern auf fünf Kontinenten. Dabei legte sie mehr als 750 000 Seemeilen zurück, was umgerechnet etwa 35 Erdumrundungen entspricht.

Bundeswehr

„Gorch Fock“ sticht unter neuem Kommando in See

Zwei tragische Unglücke von Kadettinnen, fast sechs Jahre Instandsetzungsarbeiten: Das Segelschulschiff der Marine hat eine lange, aber auch bewegte Geschichte. Jetzt verlässt es seinen Heimathafen in Kiel für eine sechswöchige Reise.

Leinen los! Das Segelschulschiff Gorch Fock ist am Montagmorgen zu seiner ersten Ausbildungsreise unter neuem Kommando aufgebrochen. Die Verantwortung hat seit Ende März Kapitän Andreas-Peter Graf von Kielmansegg, 55.

Gegen zehn Uhr hat die Gorch Fock ihren Kieler Heimathafen in Richtung Osten verlassen, sie wird Ende September zurückerwartet. Bei der Reise sind auch erstmals seit Jahren wieder mehr als 100 Kadetten an Bord.

Im Rahmen ihrer „Seemännischen Basisausbildung“ werden sie erste Erfahrungen auf dem Dreimaster sammeln und das grundlegende Handwerk auf See erlernen, bevor es für die Offiziersanwärter an die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München in den akademischen Teil ihrer Ausbildung geht.

Seit der Indienststellung der Gorch Fock im Dezember 1958 wurden auf den Planken des Segelschulschiffs etwa 15 000 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter ausgebildet.

In gut 50 Jahren gab es dabei nur eine geringe Zahl tödlicher Unfälle. Dann ereigneten sich jedoch zwei folgenreiche Unglücke in kurzer Zeit: Im September 2008 ging die 18 Jahre alte Kadettin Jenny Böken, die hier im Bild zu sehen ist, über Bord, im November 2010 stürzte die 25-jährige Kadettin Sarah Lena Seele aus der Takelage. Es entbrannten heftige Diskussionen über die Bedingungen auf der Gorch Fock.

Der Ausbildungsbetrieb wurde unterbrochen. Erst im November 2012 durfte das Segelschulschiff unter dem neuen Kapitän Helge Risch und mit einem modernisierten Ausbildungskonzept wieder mit Kadetten an Bord in See stechen.

Auf ihrem aktuellen Törn ist eine Teilnahme an der „Hanse Sail“ in Rostock geplant, dort soll die Gorch Fock am Mittwochnachmittag einlaufen. Anschließend stehen noch Hafenaufenthalte im polnischen Stettin und finnischen Helsinki auf dem Programm.

Nach jahrelanger Sanierung hatte die Marine die Gorch Fock erst im vergangenen Jahr zurückbekommen. Die Reparaturkosten stiegen von zunächst geplanten zehn auf 135 Millionen Euro. Im Oktober 2021 kehrte das generalüberholte Schiff in seinen Heimathafen Kiel zurück.

Bei der Sanierung der Gorch Fock gab es gleich mehrere Rückschläge: Im Oktober 2016 wurde ein erster Baustopp verhängt, nachdem bei den Instandsetzungsarbeiten weitere Schäden festgestellt wurden. Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen entschied im Januar 2017, die Sanierung fortzuführen, auch wenn die geschätzten Kosten auf 75 Millionen Euro gestiegen waren.

Wegen Korruptions- und Untreuevorwürfen gegen die Elsflether Werft wurden die Arbeiten im Dezember 2018 vom Verteidigungsministerium erneut ausgesetzt. Als diese in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 2019 Insolvenz anmeldete, konnten die Arbeiten nur weitergehen, weil die Lürssen-Werft übernahm.

Im Verlauf all ihrer Ausbildungsreisen besuchte die Gorch Fock bisher etwa 390 Häfen in knapp 60 Ländern auf fünf Kontinenten. Dabei legte sie mehr als 750 000 Seemeilen zurück, was umgerechnet etwa 35 Erdumrundungen entspricht.
Team
Text Celine Chorus
Digitales Storytelling Celine Chorus