Das Siegestor in München am Mittwoch, 11. August 1999, bei der totalen Sonnenfinsternis - die wegen Regens fast ins Wasser fiel.
Das Siegestor in München am Mittwoch, 11. August 1999, bei der totalen Sonnenfinsternis - die wegen Regens fast ins Wasser fiel.
Das Siegestor in München am Mittwoch, 11. August 1999, bei der totalen Sonnenfinsternis - die wegen Regens fast ins Wasser fiel.

Sonnenfinsternis über München

Hunderttausende haben mitgefiebert und in den Himmel geblickt: Eindrücke von der Sonnenfinsternis in München und Umgebung.

Von SZ-Autorinnen und -Autoren
12. August 2026 | Lesezeit: 4 Min.

Fast genau 27 Jahre nach der letzten totalen Sonnenfinsternis in Europa im August 1999 hofften die Münchnerinnen und Münchner am 12. August wieder: Bis zu 90 Prozent sollte die Sonne über der Landeshauptstadt verschattet sein – ein sehenswertes Spektakel, falls, ja falls erstens keine Wolken den Himmel verdecken und ...

... zweitens noch eine dringend nötige Schutzbrille für die Augen aufgetrieben werden konnte. Die "Sofi-Brillen" waren schon 1999 ein knappes Gut, doch Ehrengäste beim Sofi-Schauen in Oberpfaffenhofen wie der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (mit dezent zur Sofi passenden Krawatte) und Gattin Karin (ganz in Rot) waren damit versorgt.

Fast drei Jahrzehnte später stehen vor dem Deutschen Museum die Menschen am Mittwochmorgen in einer langen Schlange bis über die Ludwigsbrücke und ans andere Ufer an, um im Shop noch das Luxusgut der Stunde zu ergattern.

Ein weiteres knappes Gut: Platz an den schönsten Aussichtspunkten. Am Olympiaberg mit freiem Blick gen Westen ist der Gipfel am frühen Feierabend längst belegt. 

Und nicht nur der Gipfel. Losgehen soll es um 19.23 Uhr, dann schiebt sich aus Münchner Sicht der Mond langsam vor die Sonne, bevor er sie beim Höhepunkt um 20.15 Uhr beinahe ganz verdeckt. Zum Glück ist Mittwoch und nicht Tatort-Sonntag.

Auf dem Gipfel im Olympiapark herrscht ein wildes Gedränge um die Plätze, berichtet Redakteurin Lisa Bögl, die Stimmung ist aufgeregt, aber gut. 

Und: Es wird applaudiert, als sich der Mond ins Bild schiebt.

19.35 Uhr, Redakteur Tom Soyer berichtet: Während die Synth-Pop-Band "Lauraine" ihre Bass- und Drum-Beats gegen das gut gefüllte Theatron im Münchner Olympiapark schleudert, hat sich die Zone mit Sofi-Sicht drüben auf dem Olympiaberg längst gefüllt. "Tut sich schon was?", ruft die Sängerin von der Bühne, und arbeitet akustisch vor. Sound, Sound, Sound. Denn später wird es wahrscheinlich vorübergehend gespenstisch still werden, wenn der große Schatten sich über alles hier legt. 

Drüben, auf dem Hügel jenseits des Olympiasees verändert sich der belegte Teil der Wiese schon lange nicht mehr – die Leute dort drüben wissen offenbar sehr genau, wo man die Finsternis beobachten kann, und wo nicht mehr. 19.45 Uhr. Die Sängerin fragt gespannt ins Publikum, ob man schon was sehen könne, und lässt weitere zwei Songs losbrausen. Erst Synthi, dann Sofi.

Allerbeste Dachterrassen-Stimmung in der Rooftop-Bar Otto 25 im Werksviertel. 

Auf dem Kulturdachgarten des Gasteig stehen ergriffen staunend die Menschen. Den meisten reicht die Brille als Ausrüstung, ...

... während Hobby-Astronomen die Stufen aufs Gasteigdach mit mehr Gepäck hinaufgestiegen sind.

Den besten Blick hat man von weit oben – da freuen sich ausnahmsweise sogar Münchner über Hochhäuser, solange sie nicht im Sichtfeld stehen. Hier etwa der Feierabend-Blick im SZ-Hochhaus.

Vorsicht, Kitschalarm: Eine Taube hat einen großen Auftritt. 

Der Mond bedeckt die Sonne nun schon zu weiten Teilen, das ist auf der Terrasse vom Oliver Longline, der recht neuen Location bei den Tennisplätzen am Westpark, gut zu sehen, berichtet Redakteurin Lisa Sonnabend. Denn der Blick reicht frei über die angrenzenden Sportplätze und die Wirte haben vorgesorgt: Jeder Gast hat eine Brille bekommen, wie fürsorglich. Es sind immer mehr „Ohs“ zu hören, die Gäste stehen mit Spritz oder Bier in der Abendsonne.

In Unterföhring hat die Roof-Top-Bar am Kraftwerk im Hotel The K extra für diesen Abend geöffnet.

Der Himmel färbt sich immer mehr in Pfirsich-Farben. Die Stimmung ist für viele ergreifend, für manche sogar herzwärmend: Menschen umarmen sich – wie hier in der Ganghoferstraße im Westen der Stadt.

Brillenmangel macht erfinderisch: Eine geteilte Camera Obscura ermöglicht den gemeinsamen Sofi-Genuss in Trudering. Allerdings mit der Sonne im Rücken.

Die Begeisterung treibt manche Menschen auf die Dächer, hier im Westend sogar bis auf den Kamin.

Der Mond schiebt sich weiter voran.

Zur Freude der Sun-Watcher auf dem Kulturdachgarten.

Hier ist wirklich jeder Platz besetzt.

Einige Gäste sind sichtlich ergriffen.

Auch auf dem Land sind höhere und niedrigere Aussichtspunkte zu Sommerpicknickplätzen geworden, an Hängen und auf Hügeln treffen sich Freunde und Familien zum gemeinsamen Sofi-Schauen, wie hier auf dem Irschenberg (weitere Sonnenfinsternis-Bilder aus Bayern finden Sie hier).

Der Mond schiebt sich immer weiter und weiter ...

... und erhält abermals Applaus am Olympiaberg.

Die Eindrücke vom Olympiaberg von @szmuenchen:

Das Besondere an dieser partiellen Sonnenfinsternis: Sie fällt mit dem Sonnenuntergang zusammen. Um kurz vor halb neun senkt sich die Sonne dem Horizont entgegen – und der Mond verdeckt sie auf der linken Seite noch zu einem großen Teil. Eine Sonnensichel am glutroten Abendhimmel über München: ein seltenes Bild.

War es das für heute? Weitere Blicke in den Himmel könnten sich Mittwochnacht lohnen: Es sind zahlreiche Sternschnuppen zu sehen, da die Perseiden vorbeiziehen. Der Meteorschauer sorgt für besonders viele verglühende Wunsch-Erfüller. Die sind ohne Schutzbrille zu bewundern. 

Wer sie verpasst: Ein paar Perseiden-Nachzügler gibt es immer.

Sonnenfinsternis über München

Hunderttausende haben mitgefiebert und in den Himmel geblickt: Eindrücke von der Sonnenfinsternis in München und Umgebung.

Das Siegestor in München am Mittwoch, 11. August 1999, bei der totalen Sonnenfinsternis - die wegen Regens fast ins Wasser fiel.
Das Siegestor in München am Mittwoch, 11. August 1999, bei der totalen Sonnenfinsternis - die wegen Regens fast ins Wasser fiel.
Das Siegestor in München am Mittwoch, 11. August 1999, bei der totalen Sonnenfinsternis - die wegen Regens fast ins Wasser fiel.

Fast genau 27 Jahre nach der letzten totalen Sonnenfinsternis in Europa im August 1999 hofften die Münchnerinnen und Münchner am 12. August wieder: Bis zu 90 Prozent sollte die Sonne über der Landeshauptstadt verschattet sein – ein sehenswertes Spektakel, falls, ja falls erstens keine Wolken den Himmel verdecken und ...

... zweitens noch eine dringend nötige Schutzbrille für die Augen aufgetrieben werden konnte. Die "Sofi-Brillen" waren schon 1999 ein knappes Gut, doch Ehrengäste beim Sofi-Schauen in Oberpfaffenhofen wie der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber (mit dezent zur Sofi passenden Krawatte) und Gattin Karin (ganz in Rot) waren damit versorgt.

Fast drei Jahrzehnte später stehen vor dem Deutschen Museum die Menschen am Mittwochmorgen in einer langen Schlange bis über die Ludwigsbrücke und ans andere Ufer an, um im Shop noch das Luxusgut der Stunde zu ergattern.

Ein weiteres knappes Gut: Platz an den schönsten Aussichtspunkten. Am Olympiaberg mit freiem Blick gen Westen ist der Gipfel am frühen Feierabend längst belegt. 

Und nicht nur der Gipfel. Losgehen soll es um 19.23 Uhr, dann schiebt sich aus Münchner Sicht der Mond langsam vor die Sonne, bevor er sie beim Höhepunkt um 20.15 Uhr beinahe ganz verdeckt. Zum Glück ist Mittwoch und nicht Tatort-Sonntag.

Auf dem Gipfel im Olympiapark herrscht ein wildes Gedränge um die Plätze, berichtet Redakteurin Lisa Bögl, die Stimmung ist aufgeregt, aber gut. 

Und: Es wird applaudiert, als sich der Mond ins Bild schiebt.

19.35 Uhr, Redakteur Tom Soyer berichtet: Während die Synth-Pop-Band "Lauraine" ihre Bass- und Drum-Beats gegen das gut gefüllte Theatron im Münchner Olympiapark schleudert, hat sich die Zone mit Sofi-Sicht drüben auf dem Olympiaberg längst gefüllt. "Tut sich schon was?", ruft die Sängerin von der Bühne, und arbeitet akustisch vor. Sound, Sound, Sound. Denn später wird es wahrscheinlich vorübergehend gespenstisch still werden, wenn der große Schatten sich über alles hier legt. 

Drüben, auf dem Hügel jenseits des Olympiasees verändert sich der belegte Teil der Wiese schon lange nicht mehr – die Leute dort drüben wissen offenbar sehr genau, wo man die Finsternis beobachten kann, und wo nicht mehr. 19.45 Uhr. Die Sängerin fragt gespannt ins Publikum, ob man schon was sehen könne, und lässt weitere zwei Songs losbrausen. Erst Synthi, dann Sofi.

Allerbeste Dachterrassen-Stimmung in der Rooftop-Bar Otto 25 im Werksviertel. 

Auf dem Kulturdachgarten des Gasteig stehen ergriffen staunend die Menschen. Den meisten reicht die Brille als Ausrüstung, ...

... während Hobby-Astronomen die Stufen aufs Gasteigdach mit mehr Gepäck hinaufgestiegen sind.

Den besten Blick hat man von weit oben – da freuen sich ausnahmsweise sogar Münchner über Hochhäuser, solange sie nicht im Sichtfeld stehen. Hier etwa der Feierabend-Blick im SZ-Hochhaus.

Vorsicht, Kitschalarm: Eine Taube hat einen großen Auftritt. 

Der Mond bedeckt die Sonne nun schon zu weiten Teilen, das ist auf der Terrasse vom Oliver Longline, der recht neuen Location bei den Tennisplätzen am Westpark, gut zu sehen, berichtet Redakteurin Lisa Sonnabend. Denn der Blick reicht frei über die angrenzenden Sportplätze und die Wirte haben vorgesorgt: Jeder Gast hat eine Brille bekommen, wie fürsorglich. Es sind immer mehr „Ohs“ zu hören, die Gäste stehen mit Spritz oder Bier in der Abendsonne.

In Unterföhring hat die Roof-Top-Bar am Kraftwerk im Hotel The K extra für diesen Abend geöffnet.

Der Himmel färbt sich immer mehr in Pfirsich-Farben. Die Stimmung ist für viele ergreifend, für manche sogar herzwärmend: Menschen umarmen sich – wie hier in der Ganghoferstraße im Westen der Stadt.

Brillenmangel macht erfinderisch: Eine geteilte Camera Obscura ermöglicht den gemeinsamen Sofi-Genuss in Trudering. Allerdings mit der Sonne im Rücken.

Die Begeisterung treibt manche Menschen auf die Dächer, hier im Westend sogar bis auf den Kamin.

Der Mond schiebt sich weiter voran.

Zur Freude der Sun-Watcher auf dem Kulturdachgarten.

Hier ist wirklich jeder Platz besetzt.

Einige Gäste sind sichtlich ergriffen.

Auch auf dem Land sind höhere und niedrigere Aussichtspunkte zu Sommerpicknickplätzen geworden, an Hängen und auf Hügeln treffen sich Freunde und Familien zum gemeinsamen Sofi-Schauen, wie hier auf dem Irschenberg (weitere Sonnenfinsternis-Bilder aus Bayern finden Sie hier).

Der Mond schiebt sich immer weiter und weiter ...

... und erhält abermals Applaus am Olympiaberg.

Die Eindrücke vom Olympiaberg von @szmuenchen:

Das Besondere an dieser partiellen Sonnenfinsternis: Sie fällt mit dem Sonnenuntergang zusammen. Um kurz vor halb neun senkt sich die Sonne dem Horizont entgegen – und der Mond verdeckt sie auf der linken Seite noch zu einem großen Teil. Eine Sonnensichel am glutroten Abendhimmel über München: ein seltenes Bild.

War es das für heute? Weitere Blicke in den Himmel könnten sich Mittwochnacht lohnen: Es sind zahlreiche Sternschnuppen zu sehen, da die Perseiden vorbeiziehen. Der Meteorschauer sorgt für besonders viele verglühende Wunsch-Erfüller. Die sind ohne Schutzbrille zu bewundern. 

Wer sie verpasst: Ein paar Perseiden-Nachzügler gibt es immer.

Foto & Video: Lisa Bögl, René Hofmann, Stephan Rumpf, Johannes Simon, Tom Soyer, Thomas Kirchner, Sabine Wejsada, Sabine Buchwald, Philipp Saul, Bildagenturen; Digitales Storytelling: Katja Schnitzler; Redaktion: René Hofmann, Katja Schnitzler; Texte: Katja Schnitzler, Tom Soyer, Lisa Sonnabend, Lisa Bögl, René Hofmann, Thomas Kirchner

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