SZ Gute Werke

Einmal Micky Maus persönlich treffen

Mathenachhilfe, mit der Familie einen Fahrradausflug machen oder zum Friseur gehen: Wer in Armut lebt, für den wird das zum innigsten Herzenswunsch, was für andere selbstverständlich ist.

Von Sabine Buchwald, Johanna Feckl, Karin Kampwerth und Claudia Klein (Illustration)
26. Dezember 2025 | Lesezeit: 9 Min.

Weihnachten ist vorüber, die Geschenke sind ausgetauscht, viele Erwartungen vielleicht erfüllt. Doch sicher nicht bei allen Menschen. Wem das Geld kaum bis zum Monatsende für Lebensmittel reicht, ist ohnehin nicht gewohnt, Wünsche zu formulieren. Das heißt aber nicht, dass diejenigen keine Bedürfnisse hätten. 

Die folgenden Geschichten handeln von Menschen, deren Leben von Schicksalsschlägen oder Krankheiten bestimmt wird. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden alle Namen geändert. Wir haben nachgefragt, was sie brauchen oder ihnen Freude machen würde. Auch mit nur einem kleinen Beitrag können Sie helfen, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen.

Mathenachhilfe und ein Jugendfahrrad

Was kann ein Elfjähriger alles aushalten? Wer die Geschichte von Oliver liest, der ist zunächst einmal fassungslos. Oliver kam 2014 zwei Monate zu früh auf die Welt. Ein kleiner zarter Bub, der besonders viel Pflege und Zuneigung von seiner Mama benötigt hätte. Doch Alicia S. konnte sich nicht kümmern. Die junge Mutter erlitt kurz nach der Geburt einen schweren Schlaganfall, mit gerade mal 29 Jahren. Die Folge war ein völliger Sprachverlust. An der Erkrankung zerbrach die Beziehung zu Olivers Vater.

Doch Alicia S. kämpfte sich ins Leben zurück, konnte sogar wieder arbeiten. Seit zwei Jahren wird sie auch von ihrer Mutter unterstützt, die nun mit in der Zweizimmerwohnung lebt. Oliver macht beiden viel Freude, seit einem Jahr geht er aufs Gymnasium.

Im vergangenen Juni wurde das fragile Familienglück aber erneut auf eine harte Probe gestellt. Alicia S. erlitt zwei weitere Schlaganfälle. Seitdem kann sie sich, wenn überhaupt, nur sehr schwer mit einem Rollator bewegen, braucht rund um die Uhr Hilfe von ihrer Mutter. Weil diese mit den nötigen Behördengängen etwa für Pflegegeld überfordert ist, gibt es seit Anfang November eine gesetzliche Betreuerin. Diese hat jedoch noch keinen Kontakt zu Alicia S. aufgenommen.

Oliver hilft Mutter und Großmutter, so gut er kann. Unterstützt bei Arztbesuchen, liest Behördenbriefe vor. Eine große Freude würde ihm ein Fahrrad bereiten, weil sein altes längst zu klein für ihn ist. Und da wäre noch ein Wunsch: Nachhilfe. Denn Oliver will gut in der Schule sein. Die Situation zu Hause belastet ihn sehr, weswegen er in diesem Jahr nicht so gut in Mathe mitgekommen ist. (kmp)

Fahrräder für Auszeiten in der Natur

In ihrer alten Heimat in der Ukraine war ein Einfamilienhaus umgeben von Wäldern und Wiesen ihr Zuhause. Vater Ivan N., 51, arbeitete als Förster, seine Frau Kateryna, 49, war Schuldirektorin, und schließlich noch Tochter Yulia, 25. Dann kam der russische Angriffskrieg. 35 Kilometer bis zur Front, das war kein sicheres Leben mehr. Die täglichen Bombardierungen aus Russland zwangen die Familie, ihr Hab und Gut aufzugeben und zu flüchten.

Spuren hinterließ der Krieg trotzdem. Bei Yulia haben Ärzte eine Angststörung diagnostiziert, sie nimmt Antidepressiva, um den Alltag zu überstehen, und ist in Therapie. Mutter Kateryna besiegte vor 18 Jahren eine Krebserkrankung, ist seitdem auf Schilddrüsenmedikamente angewiesen. Auch Vater Ivan ist krank, in der Ukraine konnte er zuletzt seiner schwer körperlichen Arbeit als Förster nur noch bedingt nachgehen. In Deutschland ist er zwar in Behandlung, doch sein Zustand verschlechtert sich stetig.

Trotz all der Einschränkungen und psychischen Belastungen, meistert die Familie ihren neuen Alltag außerordentlich gut. Tochter Yulia ist sogar so sprachbegabt, dass sie ohne Deutschkurs direkt die B1-Prüfung gemacht hat – ein solches Sprachniveau hat man an einem bayerischen Gymnasium nach vier bis fünf Schuljahren erreicht.

Doch für Auszeiten vom Alltag in der Natur, dort, wo sich die Familie am wohlsten fühlen, herunterkommen und die traumatische Flucht besser verarbeiten könnten, dafür fehlen drei Fahrräder. (fejo)

MVV-Jahrestickets für die Söhne

Fünf Jahre ist es her, dass Zahra L. Afghanistan verlassen musste. Bei ihrem Mann waren weder sie noch die zwei Söhne sicher. Doch weil das Geld nicht ausreichte, musste die Mutter eine schwierige Entscheidung treffen: Einen ihrer Söhne gab sie in die Obhut einer sehr guten Freundin, dort war er in Sicherheit vor ihrem Mann, mit dem anderen floh sie nach Deutschland.

Die Trennung von ihrem jüngsten Sohn war für die 47-Jährige schrecklich. Zwei Jahre sollte es dauern, ehe der Junge mithilfe des Vaters von Zahra L. nachkommen konnte – endlich, nach einem langen und emotional kräftezehrenden Weg ist die dreiköpfige Familie vereint.

Schon in Afghanistan hatte sich Zahra L. selbständig Englisch beigebracht, aktuell besucht sie einen Sprachkurs, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Allerdings findet der Kurs nachmittags statt, sodass die alleinerziehende Mutter auf eine Betreuung ihrer Söhne angewiesen ist. Eine solche ist an der nächstgelegenen Grundschule nicht möglich. Also besuchen die Jungs eine andere, weiter entfernt gelegene Schule mit Nachmittagsbetreuung.

Für die Fahrtkosten muss Zahra L. jedoch selbst aufkommen. Mittel, die die Bürgergeldempfängerin nicht hat. Wenn sie zwei MVV-Jahrestickets für ihre Söhne kaufen könnte, würde das die finanzielle Situation der Familie immerhin über zwölf Monate hinweg deutlich entspannen. (fejo)

Ein Friseurbesuch und neue Kleidung

Wenn sich Nada S. an ihr früheres Leben erinnert, dann ist da viel Freude. Sie spricht mehrere Sprachen und ist als Sängerin in der Welt herumgekommen, wie die heute 67-Jährige erzählt. Doch dann zerstörte die Liebe alles. Ihr Mann war Alkoholiker, häufte Schulden an, die Nada S. mit abtragen muss, auch wenn sie längst geschieden ist. Dem falschen Mann vertraut zu haben, schützt eben nicht vor Verantwortung.

Seit zwei Jahren befindet sie sich nun in Privatinsolvenz, um wenigstens einen Teil der Schulden abzutragen. Ihre Arbeit als Reinigungskraft kann sie jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Diabetes, Bluthochdruck und ständige Schmerzen durch Gelenkarthrose lassen sie immer wieder mit ihrem Schicksal hadern.

Sie lebt von einer kleinen Rente von 103 Euro und erhält aufstockend Grundsicherung, abzüglich der Raten für die Schulden. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, ihre Familie in Belgrad zu besuchen. Trotz ihrer kläglichen finanziellen Situation schafft sie es, monatlich einen kleinen Betrag für die Reise zurückzulegen.

Doch sie will ihren Angehörigen nicht als Bittstellerin unter die Augen treten, weshalb es für sie ein großes Glück wäre, vorher noch einmal zum Friseur zu gehen und sich ein paar neue Schuhe und ein neues Kleid zu kaufen. (kmp)

Eine schöne Grabstätte für die Eltern

Markus S. hat gelernt, mit seiner Gehbehinderung zu leben. Sie begleitet ihn seit seiner Kindheit. Als er acht Jahre alt war, wurde er schwer krank, seine Eltern bangten tagelang um sein Leben. Er hatte damals plötzlich Fieber und starke Schmerzen in den Hüftgelenken bekommen. Die Ärzte stellten eine Coxitis Tuberkulose bei ihm fest, die Tuberkulose-Bakterien hatten sich in seinen Hüften festgesetzt.

Markus S. überstand die Infektion, aber seitdem sind seine Hüften auf beiden Seiten versteift. Er ist auf Gehhilfen angewiesen. Der nun 78-Jährige lebt allein, von seiner ersten Frau ist er schon lange geschieden. Seine zweite Lebenspartnerin erstickte vor 15 Jahren bei einem epileptischen Anfall. Markus S. leidet inzwischen auch an Arthrose im rechten Knie und er hat ein Lymphödem, weshalb er Kompressionsstrümpfe trägt.

Obwohl es ihm zunehmend schwerer fällt, arbeitet er regelmäßig als Taxifahrer, um seine Altersgrundsicherung aufzubessern. Als er noch jünger war, betrieb er einen Lebensmittelladen und war nie auf finanzielle Hilfe angewiesen. Das Leben in München sei sehr teuer geworden, findet er. Viel könne er sich jetzt nicht mehr leisten.

Gerne würde Markus S. das Grab seiner Eltern schöner machen. Sie waren für ihn die wichtigsten Menschen auf der Welt. Er selbst kann sich kaum bücken, um Blumen zu pflanzen und wünscht sich so sehr eine professionelle Betreuung der Grabstätte. (bub)

Eine Reise ins Disneyland 

Ausschlaggebend war die politische Situation in Iran, die Familie K. vor einigen Jahren dazu brachte, über eine Flucht nachzudenken. Doch entscheidend war dann die schwere Erkrankung des ältesten Sohnes. Saman ist in diesem Jahr 18 geworden. Er leidet unter einer besonders schweren Form von Epidermolysis bullosa, im Volksmund auch Schmetterlingskrankheit genannt.

Dabei handelt es sich um eine seltene, genetisch bedingte Krankheit, bei der die Haut durch kleinste Berührungen oder Reibung extrem empfindlich ist und Blasen bildet, ähnlich wie Schmetterlingsflügel. Eine Cousine von Saman ist bereits mit 14 Jahren daran gestorben.

Die Pflege mit dem Verbinden der offenen Hautstellen nimmt täglich mehrere Stunden in Anspruch, seine Mutter und die ältere Schwester, 21, übernehmen das. Die zwei kleineren Geschwister gehen in den Kindergarten, der Vater, eigentlich Bauingenieur von Beruf, arbeitet als Taxifahrer. Saman selbst besucht die Bayerische Landesschule für Körperbehinderte. Doch vor lauter Schmerzen kann er oft nicht am Unterricht teilnehmen.

Was ihm hilft, seine Krankheit kurzzeitig zu vergessen, sind Fantasiereisen in die Welt der Comics. Saman ist großer Disney-Fan, sein Herzenswunsch wäre ein Besuch im Disneyland in Paris. (kmp)

Ein Erwachsenen-Dreirad für die Arztbesuche

Erstmals mit der Corona-Pandemie hat die breite Öffentlichkeit das Fatigue-Syndrom wahrgenommen. Ein tiefer Erschöpfungszustand von Körper und Geist, der im Ruhezustand nicht wirklich besser wird, und meist bei Krebs-Patienten oder Menschen auftreten kann, die eine schwere Virusinfektion hinter sich haben. Weil es aber nicht leicht zu diagnostizieren ist, tun sich Krankenkassen mit Leistungen schwer.

So ergeht es auch Hannelore K.: Die 56-Jährige kann aufgrund einer chronischen Fatigue nicht mehr arbeiten, bezieht wegen der wenigen Jahre, die sie eingezahlt hat, aber nur eine kleine Arbeitsunfähigkeitsrente und aufstockende Sozialhilfe. Für notwendige Therapien fehlen ihr die Mittel, für die Auseinandersetzung mit der Krankenkasse die Kraft. Aufgrund der starken Schmerzen, die mit der Erkrankung einhergehen, kann sie sich selbst mit Rollator nicht lange auf den Füßen halten.

Helfen würde ihr ein Dreirad für Erwachsene mit Elektro-Antrieb. Damit könnte sie zumindest wieder selbstbestimmt einkaufen gehen und ihre Arzttermine leichter wahrnehmen. Für ein Rad ohne Antriebshilfe reicht die körperliche Energie nicht mehr. (kmp)

Vier Quadratmeter Laminat verlegen

Unter dem Dach zu leben kann gemütlich sein, ohne Aufzug aber auch sehr beschwerlich. Für Thomas R. war sein Zuhause im obersten Stock lange kein großes Problem. Jetzt aber ist es ihm zum Gefängnis geworden. Er kann seine Wohnung kaum noch verlassen. Er ist an Multiple Sklerose erkrankt, kurz: MS. Zudem hat er eine Herzinsuffizienz, offene Beine, die wegen seiner Diabetes kaum noch verheilen.

Die Beine werden über eine Wundmanagerin versorgt, was nicht immer optimal klappt. Ein Sozialdienst bringt Thomas R. Essen vorbei. Die Mitarbeiter gehören zu seinen wenigen Kontakten zur Außenwelt. Die vielen Krankheiten haben Thomas R. isoliert. Dabei mag er Menschen um sich rum, früher hatte er viele Kontakte. Angehörige aber hat er keine. Ein befreundetes Ehepaar hilft dem Rentner, die wichtigsten Formalitäten zu erledigen. Zuletzt war sein Kater ihm der liebste Freund. Thomas R. musste ihn einschläfern lassen. Das war sehr schmerzlich für ihn, emotional wie finanziell.

Seine Rente ist knapp, nach Abzug der Miete bleibt nicht mehr viel zum Leben. Gerne würde er in eine Sozialwohnung ziehen, aber die Wartelisten in München dafür sind bekanntlich lang.

Im Schlafzimmer von Thomas R. stapelt sich Laminat, den er gerne verlegen lassen möchte. Es sind nur vier Quadratmeter, die man austauschen müsste. Aber Handwerker kann sich Thomas R. nicht leisten. Und was er sich sonst noch wünscht: einmal wieder gut zu essen, leckeres Fleisch, frisches Gemüse, vielleicht aus einer Restaurantküche. (bub)

Sicher online spenden können Sie unter www.sz-gutewerke.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:

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IBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28
BIC: HYVEDEMMXXX

Text: Sabine Buchwald, Johanna Feckl, Karin Kampwerth; Illustration: Claudia Klein; Digitales Storytelling: Johanna Feckl

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