


Der spannendste Wettstreit um das Amt des Oberbürgermeisters seit Jahrzehnten hält die Stadt in Atem. Am Sonntag entscheiden die Münchnerinnen und Münchner in der Stichwahl, ob Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) oder sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) in den kommenden sechs Jahren regieren soll. Knapp sechs Prozentpunkte trennen die Bewerber. Reiter erhielt im ersten Wahlgang 35,6 Prozent, Krause 29,5 Prozent.
Überschattet wird der Wahlkampf von nicht genehmigten Nebentätigkeiten, die Oberbürgermeister Reiter für den FC Bayern ausgeübt hat. Seine Mandate als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats und als Mitglied des Aufsichtsrats hat er mittlerweile niedergelegt. Die 90 000 Euro an Vergütungen will er für zwei soziale Projekte spenden.
Seither kämpft Reiter in einem intensiven Straßenwahlkampf darum, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen – und verteilt Blumen. Sein Kontrahent Krause hält dagegen und versucht, eine so große Wechselstimmung in der Stadt zu entfachen, dass er Oberbürgermeister wird – und verteilt Brezn.
Ideen und Visionen der beiden Kandidaten spielen kaum eine Rolle. Deshalb hat die SZ beiden Bewerbern 14 Fragen zur Zukunft der Stadt gestellt und um kompakte Antworten mit gut 350 Zeichen gebeten.
Neubau im Norden


Mieten bei der Münchner Wohnen
Dieter Reiter:
„Ja, der Mietenstopp muss aus meiner Sicht bleiben. Wir setzen ein klares Zeichen gegen steigende Mieten und sorgen dafür, dass unsere städtischen Wohnungen bezahlbar bleiben – und zwar dauerhaft. Gleichzeitig wollen wir innovative Modelle prüfen, zum Beispiel einen Mietdeckel gekoppelt an soziale Kriterien.“
Dominik Krause:
„Der Mietenstopp läuft Ende des Jahres aus und wird evaluiert. Das Ergebnis will ich abwarten.“
Autos auf dem Gehsteig


Tempolimit auf dem Mittleren Ring
Dieter Reiter:
„Sobald es rechtlich möglich ist, setzen wir Tempo 50 wieder ein, weil wir alle Grenzwerte einhalten. Der Verkehr muss effizient und umweltverträglich sein. Gleichzeitig prüfen wir intelligente Maßnahmen wie smarte Ampeln oder emissionsarme Verkehrsleitsysteme, um Staus und Belastungen zu minimieren.“
Dominik Krause:
„Viele Leute nervt 30 auf der Landshuter Allee, und das kann ich auch verstehen. Für mich gilt: Überall, wo viele Kinder unterwegs sind, vor allem vor Kitas, Schulen, in reinen Wohnstraßen, sollte Tempo 30 gelten. Wenn es Luftreinhaltung und Lärmschutz zulassen, dann kann man Tempo 50 auf der Landshuter Allee wieder anordnen. Das ist auch die Rechtslage.“
Welches Verkehrsmittel stärken
Dieter Reiter:
„Von 100 Millionen Euro fließt der größte Teil in den ÖPNV, der das Rückgrat einer klimafreundlichen Stadt bildet. Rad- und Fußwege werden konsequent ausgebaut, und der Autoverkehr bekommt innovative, intelligente Lösungen – zum Beispiel durch digitale Parkraumbewirtschaftung und urbane Mobilitätsknoten.“
Dominik Krause:
„Unsere Verkehrsinfrastruktur muss mit dem Wachstum der Stadt Schritt halten. Priorität haben für mich Investitionen in den ÖPNV, etwa die U5 nach Freiham oder der Tramausbau. Neue Straßentunnel braucht die Stadt keine, aber natürlich müssen wir unser Straßennetz instand halten. Die Kosten für Radwege werden gerne dramatisiert, tatsächlich sind sie im Verhältnis zum Haushalt minimal.“
Grüne Sonnenstraße vs. BMW-Tunnel


Sparpotenzial in München
Dieter Reiter:
„Wir sparen dort, wo es Effizienzgewinne gibt: digitale Verwaltung, schlanke Bau- und Infrastrukturprojekte, intelligente Beschaffung. Außerdem setzen wir auf Partnerschaften mit Bund und Freistaat, damit die Stadt finanziell handlungsfähig bleibt.“
Dominik Krause:
„Durch den Einsatz von KI und Digitalisierung können wir effizienter werden. Ich will zudem als OB mit dem Freistaat über eine gemeinsame Lösung beim Gasteig sprechen, um dort Kosten zu sparen. Und wir müssen günstiger bauen. Der neue Bauturbo der Bundesregierung ermöglicht uns, Kosten zu sparen bei den aktuell oft überzogenen Vorgaben, etwa beim Lärmschutz.“
Jobs bei der Stadt
Dieter Reiter:
„Wir besetzen gezielt nach – etwa in Kitas, Schulen, Feuerwehr – und nutzen digitale Tools, um Verwaltung effizienter zu machen, ohne die Qualität der Dienstleistungen zu gefährden. Konkret heißt das: Wir haben konkrete Pläne, nur 40 Prozent der Stellen neu zu besetzen. So sichern wir eine moderne, leistungsfähige Verwaltung.“
Dominik Krause:
„Eine funktionierende Verwaltung ist die Voraussetzung für eine funktionierende Stadt. Wir brauchen deshalb auch weiterhin motivierte Kollegen in der Verwaltung. Wie viele es sein werden, hängt vom weiteren Wachstum der Stadt ab. Klar ist, dass wir in manchen Bereichen Personal aufstocken müssen, etwa bei Kinderbetreuung.“
Klimawandel
Dieter Reiter:
„Wir treiben seit über 25 Jahren die Energiewende voran: 100 Prozent Ökostrom, Ausbau von Geothermie und Fernwärme, CO₂-neutrale Stadtquartiere. Gleichzeitig stärken wir Klimaresilienz durch urbane Begrünung, nachhaltige Mobilität und das Schwammstadtprinzip, damit München auch für kommende Generationen lebenswert bleibt.“
Dominik Krause:
„Mit Geothermie dekarbonisieren wir die Fernwärme – und machen uns gleichzeitig unabhängig von Öl und Gas. Das ist aktuell wichtiger denn je, wenn man sich den Energiepreis-Schock durch den Iran-Krieg ansieht. Mit stadtweiten Baumpflanzungen arbeiten wir an der Klimaanpassung. Ein besonders großer Hebel ist der Verkehr, der ein Drittel der Emissionen verursacht.“
Kita-Kosten


Moderne Schule
Dieter Reiter:
„Unsere Schulen müssen zukunftsfähig, praxisnah und digital sein. Ich setze mich für neue pädagogische Konzepte ein, die Neugier und Kreativität fördern, statt Kinder unter unnötigen Prüfungsdruck zu stellen. Zum Beispiel unterstütze ich die Petition, die die Abschaffung von unangekündigten Exen fordert.“
Dominik Krause:
„Ja. Den Münchner Weg als pädagogisches Gesamtkonzept, der Chancengerechtigkeit, gute Lernbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt stellt, möchte ich fortsetzen. Aus Gesprächen mit Schülern, Lehrkräften und Eltern weiß ich, dass der Druck oft zu hoch ist. Der Ball liegt beim Freistaat. Wo wir Handlungsspielraum haben, nutzen wir ihn.“
Sparen an sozialen Hilfen


Gasteig sanieren – oder doch nicht?
Dieter Reiter:
„Der Gasteig wird zu einem modernen Kulturzentrum für die Zukunft – mit Konzertsaal, Bibliothek und VHS. Er zeigt, dass Kultur und Bildung zentrale Investitionen in unsere Stadt sind. Der vom Stadtrat beschlossene Weg ist richtig. Und: Man kann auch mal auf die Verwaltung und ihre Vorschläge vertrauen.“
Dominik Krause:
„Mit rund zwei Millionen Besuchern jährlich war der Gasteig vor der Schließung Europas größtes Kulturzentrum, die Stadtbibliothek und die VHS sind Publikumsmagneten. Ja, auch der Konzertsaal wird saniert. Hier wäre es das Beste, wenn der Freistaat mit an Bord kommt. Das schafft Synergien und spart Steuergelder – im Haushalt von Stadt und Freistaat.“
Bier auf der Wiesn

