Chronologie
Dieter Reiter und der FC Bayern
Freitag, 31. März 2017
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird in den Verwaltungsbeirat des FC Bayern München e.V. berufen. Dieses Gremium soll das Präsidium in allen wichtigen Angelegenheiten des Vereins beraten, es wird für die Dauer von jeweils drei Jahren bestellt.
Samstag, 7. Februar 2026
Der FC Bayern teilt mit, dass Dieter Reiter, 67, den Vorsitz des Verwaltungsbeirats vom 84 Jahre alten Edmund Stoiber übernimmt. Der ehemalige bayerische CSU-Ministerpräsident hatte das Gremium von 1992 an geleitet.
Mittwoch, 18. Februar
Die Abendzeitung berichtet am Aschermittwoch als erstes Medium, dass Dieter Reiter auch im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG den Platz von Edmund Stoiber einnimmt. In der Vereinssatzung heißt es dazu unter Paragraf 17, Absatz 5: „Der Vorsitzende des Verwaltungsbeirats gehört als geborenes Mitglied dem Aufsichtsrat der Gesellschaft an.“ Noch am selben Tag reagiert Dieter Reiter auf die Frage nach möglichen Interessenkonflikten.
In einer Mitteilung erklärt er, er nehme die Funktionen im Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat des FC Bayern „als Privatperson, Dieter Reiter, wahr. Sie sind nicht an mein Amt als Oberbürgermeister geknüpft. (...) Insoweit erübrigen sich weitere Fragen. Eine Interessenkollision mit meinem derzeitigen Mandat als Oberbürgermeister gibt es nicht“.
Mittwoch, 25. Februar
Nach den Faschingsferien bringt die ÖDP eine Anfrage an den OB in den Stadtrat ein. Die Oppositionspartei sieht durchaus eine Gefahr von Interessenkonflikten und möchte Auskunft haben über die rechtliche Prüfung der Mandate, die Anzeige- und Genehmigungspflichten sowie die Höhe einer möglichen Aufwandsentschädigung. „Die Münchnerinnen und Münchner haben ein Recht darauf zu erfahren, wie eng Amt und wirtschaftliche Interessen hier tatsächlich miteinander verknüpft sind“, sagt der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff.
Ende Februar/Anfang März 2026
Vor der letzten Vollversammlung des Stadtrats vor den Kommunalwahlen drängen immer mehr Fraktionen im Stadtrat den Oberbürgermeister zur Aufklärung. Selbst die Grünen, Koalitionspartner von Reiters SPD im Rathaus, fordern Transparenz, vor allem zur Vergütung als Aufsichtsrat. Hinzu kommt die Frage, ob sich Reiter seine Engagements beim deutschen Fußball-Rekordmeister nicht vorher vom Stadtrat hätte genehmigen lassen müssen.
Beamtenrechtler weisen darauf hin, dass alle Nebentätigkeiten genehmigt werden müssen, sofern die Vergütung eine Gesamtsumme von 10 000 Euro überschreitet. Reiter lässt wissen, dass er die Rechtsabteilung des Rathauses beauftragt habe, „die rechtlichen Gegebenheiten zu klären“. Der Stadtrat werde bis Mai über die Einschätzung informiert.
Mittwoch, 4. März
In der Vollversammlung stellen ÖDP und Linke Dringlichkeitsanträge, damit das Thema auf die Tagesordnung kommt. Eine Stadtratsmehrheit aus SPD, CSU/Freie Wähler sowie FDP/Bayernpartei lehnt das ab. In der Debatte um die Dringlichkeit der Anträge behauptet Reiter zunächst, er sei noch gar kein Mitglied des FC-Bayern-Aufsichtsrats, an einer Sitzung habe er kürzlich nur als „Gast“ teilgenommen. Linken-Fraktionschef Stefan Jagel hält ihm daraufhin einen auf den 23. Februar datierten Auszug aus dem Handelsregister vor, woraufhin Reiter entgegnet, die aktualisierte Liste der Aufsichtsratsmitglieder liege noch gar nicht beim Amtsgericht.
Zur Frage nach der Vergütung sagt Reiter, er wisse nicht, ob und in welcher Höhe ein Aufsichtsrat des FC Bayern für seine Tätigkeit entschädigt werde.
ÖDP-Chef Ruff wirft Reiter nach der Sitzung in einer schriftlichen Erklärung vor: „Er hat heute alle belogen.“
Der FC Bayern gibt an, dass Dieter Reiter von der Hauptversammlung der AG als Aufsichtsrat bestätigt worden sei und als solcher bereits am 23. Februar an einer Sitzung teilgenommen habe. Am Abend schreibt der OB, er sei bei besagter Sitzung des FC-Bayern-Kontrollgremiums „tatsächlich – entgegen meiner Annahme – schon reguläres Aufsichtsratsmitglied“ gewesen. Vorwürfe, er habe „wissentlich die Unwahrheit gesagt“, weise er aber „mit aller Schärfe zurück“.
Donnerstag, 5. März
Die Linke-Fraktion stellt eine Anfrage zu Reiters Vergütung als Verwaltungsbeirat; außerdem will sie wissen, ob der Stadtrat diese Nebentätigkeit genehmigt habe. Am Nachmittag teilt Reiter mit, als Verwaltungsbeirat seit Ende 2021 jährlich 20 000 Euro vom FC Bayern bekommen zu haben. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass wegen der Höhe dieser Einkünfte eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre.
Abgesehen davon könne er sich „kaum vorstellen, dass der Stadtrat eine solche Tätigkeit unterbunden hätte“. Linke und ÖDP fordern den OB zum Rücktritt auf.
Freitag, 6. März
Die Regierung von Oberbayern teilt mit, mögliche Dienstverstöße von Reiter zu prüfen. Zudem wird bekannt, dass Reiter erst Anfang Februar Mitarbeitende der Stadtverwaltung auf den „Vollzug der Nebentätigkeitsbestimmungen“ hingewiesen hatte: Jede und jeder solle angeben, wenn „insgesamt mehr als 10 387,40 Euro“ geflossen seien.
Sonntag, 8. März
Dieter Reiter erzielt bei der OB-Wahl mit 35,6 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis eines SPD-Kandidaten seit dem Zweiten Weltkrieg. Er muss am 22. März in die Stichwahl gegen Dominik Krause von den Grünen. Zu seinen Parteifreunden und -freundinnen sagte Reiter zunächst: „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht.“ Später am Abend räumte er ein: „Ich habe so viele Fehler gemacht wie in den zwölf Jahren vorher nicht.“ Er könne da nur sagen: „Sorry, tut mir leid, Entschuldigung.“
Mittwoch, 11. März
Dieter Reiter schreibt in einer Pressemitteilung, er werde von seinen Posten beim FC Bayern zurücktreten. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen. Ich hoffe sehr, dass das durch diese Entscheidung deutlich wird.“
Sonntag, 22. März
Die Münchnerinnen und Münchner wählen den Grünen Dominik Krause mit 56,4 Prozent zum neuen Oberbürgermeister. Reiter erhält nur 43,6 Prozent, er sagt: „Ich hab' es verbockt, es war meine Schuld“. Und tritt sogleich ab: „Das war der letzte Tag meiner politischen Karriere.“