
Als erster der drei Oberbürgermeister-Kandidaten kommt Clemens Baumgärtner zum Fotoshooting ins Hochhaus der SZ. Und er kommt als einziger allein, ganz ohne Berater. Dafür hat er einen Kleidersack dabei und eine Tragetasche aus Plastik. Diese ist klassisch in Weiß-Blau gehalten, allerdings nicht mit Werbung für seine CSU bedruckt, sondern für bayerische Chemie-Unternehmen.
Damit Baumgärtner nicht alles allein in den zweiten Stock zum Fotostudio schleppen muss, nimmt man ihm die Tasche ab, obwohl er sich zunächst ziert. Sofort sackt der Arm nach unten. Offensichtlich hat der CSU-Kandidat neben einem Paar Schuhen etwas Schweres dabei, mit dem er punkten will.
Damit Baumgärtner, Dieter Reiter (SPD) und Dominik Krause (Grüne) nicht völlig spontan reagieren müssen, bekamen sie die Fragen ein paar Tage vorher. Die Kandidaten sollen nicht überrumpelt werden. Als zweite Erleichterung durften sie Utensilien und Hilfsmittel mitbringen, um ihre Botschaften zu verdeutlichen.
Das Licht ist eingestellt, der Hintergrund steht. Als Baumgärtner das Studio betritt, wartet bereits SZ-Fotograf Johannes Simon. Nach ein bisschen Geplänkel zum Warmwerden geht es gleich los. Der Kandidat merkt schnell, dass es hier nicht anders abläuft als bei anderen Fotoshootings, etwa für die Kampagnenbilder zur Wahl: Bei der harten Arbeit gerät man schnell ins Schwitzen.

Wobei Baumgärtner sich bei ein paar Fragen im strengen Sinn nicht so ganz an das Prinzip des „Sagen Sie jetzt nichts“ hält, denn er hat beschriftete Zettel dabei, die er (mit-)sprechen lässt. Am Ende wird auch klar, was das Gewicht in der Tasche ausmacht.

Mit ähnlicher Ausrüstung reist auch Dominik Krause als zweiter Interview-Gast an – schließlich gibt es auch eine Frage zum Oktoberfest. Münchens Zweiter Bürgermeister hat ein kleines Team dabei, das ihm nicht nur die Hilfsmittel reicht, sondern auch kritisch seine Gesten kommentiert. Und ihn auch mal motiviert, wenn das konzentrierte In-die Kamera-Blicken nicht gleich den erhofften Effekt hat.
Der Grünen-Kandidat braucht seine Entourage aber auch, weil er seine Hilfsmittel gar nicht oder nur mit großer Mühe allein hätte schleppen können. Eines davon ist ziemlich sperrig – und es ist nicht das einzige Utensil aus dem Sport, das er nutzt.
Vor dem Shooting hat Krause lange überlegt, ob er bei einer Frage seine Lieblingskrimiserie verraten soll. Er hat sich schließlich dagegen entschieden.

Wie bei Baumgärtner wird sich Fotograf Johannes Simon immer wieder als Trainer vorgekommen sein, der aus seiner Mannschaft Höchstleistungen herauskitzeln muss.

Extra vorbereitet habe er sich nicht, sagt der Amtsinhaber. Anders als seine Konkurrenten hat er auch keinerlei Hilfsmittel mitgebracht, dafür zwei Mitarbeiterinnen.

Der Look des SPD-Politikers wurde über die Jahre übrigens immer legerer. 2014 kam er in weißem Hemd und Anzug zum Fotoshooting, 2020 in weißem Hemd, Sakko, Jeans und Lederschuhen. 2026 trägt er Pullover, eine modische Stoffjacke, Jeans und Sneakers.
Durch die ersten Fragen rauschen Model und Fotograf nur so durch. In der zweiten Hälfte probiert Reiter ein bisschen mehr aus, hüpft bei einer Antwort auch mal in die Luft.

Bei der Frage nach seinem schönsten Wiesn-Erlebnis macht Reiter erst die gleiche Geste wie Krause und Baumgärtner, nur ohne das entsprechende Werkzeug. Doch dann überlegt er noch mal und kommt darauf, dass der noch schönere Moment doch eigentlich der kurz nach dem Anzapfen ist.
Ganz abgesehen vom Riesenradfahren am letzten Tag, wenn alles geschafft ist. Aber das ist dann doch ein bisschen schwierig darzustellen vor dem grauen Hintergrund im Fotostudio.