

Bevor Heike Leupold das Badezimmer der alten Frau putzt, umarmt sie die 81-Jährige. „Ich mach’ wie immer, ja“, sagt sie nach der Begrüßung, nimmt sich Eimer und Lappen und fängt an, die Badewanne zu putzen. Es ist ein grauer Donnerstagvormittag, in der Küche läuft eine RTL-Dokusoap. Um den quadratischen Esstisch dort hätten bequem acht Personen Platz. Aber seit dem Tod ihres Mannes vor sieben Jahren lebt die alte Frau allein in der Wohnung im zweiten Stock des Sendlinger Mietshauses. Im holzvertäfelten Flur hängt ein Foto ihres Hundes an der Wand, der ist seit 25 Jahren tot. Und als Heike Leupold die Wohnung der 81-Jährigen nach einer Stunde wieder verlässt, ist nicht ganz klar, was mehr zählt: das geputzte Bad oder die Umarmung.