Eisbach-Chronologie

Das Katz-und-Maus-Spiel an der Welle

Seit Ende Oktober ist die Welle am Münchner Eisbach nach einer Flussreinigung verschwunden. Surfer und Behörden wollen sie wiederbeleben. Aber wie? Was bisher geschah – und worüber besonders heftig gestritten wurde.

19. April 2026 | Lesezeit: 5 Min.

1. November 2025

Nach der „Bachauskehr“ kommt das böse Erwachen: Die Eisbachwelle lässt sich nicht mehr surfen. Die erste Vermutung ist, dass schlicht nicht genug Wasser in dem Kanal ist, der von der Isar abgezweigt wird. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beauftragt das Baureferat, „sich das möglichst schnell anzuschauen und nachzujustieren“.

3. November

Der Pegel stimmt wieder – doch die Eisbachwelle bleibt verschwunden. Das Baureferat teilt mit, dass bei einer Begehung „keinerlei Beschädigung“ an der Welle festgestellt worden seien. Zum ersten Mal kommt der Verdacht auf, dass das Ausbaggern von Kies und das Entfernen der Moosschicht die Welle verschwinden ließ.

4. November

OB Reiter verspricht: „Wir tun alles, um die Welle so schnell wie möglich wiederherzustellen.“ Wie das gelingen kann? Dazu gibt es Gespräche zwischen dem Stadtoberhaupt, Baureferat, Wasserwirtschaftsamt, Stadtwerken und der Interessengemeinschaft Surfen in München e.V.

5. November

Es wird mehr Wasser als üblich in den Eisbach geleitet, um die Welle sozusagen mit einem „Kickstart“ zu reaktivieren. Das aber gelingt nicht.

7. November

Auf Instagram wird ein Video gepostet, das einen Surfer beim nächtlichen Ritt auf der Welle zeigt. Den Beitrag veröffentlicht der neu gegründete Surf Club München. Auf einem anderen Video ist zu sehen, was der Aktion voranging: Unbekannte hatten an Seilen ein Brett im Eisbach befestigt. Mit diesem baute sich die Welle wieder auf. Allerdings war die Aktion illegal, eine Allgemeinverfügung verbietet Einbauten in den Bach, für die zuvor keine Genehmigung eingeholt wurde.

12. November

Bei einem Treffen von Surfern, Baureferat, Referat für Klima- und Umweltschutz und Wasserwirtschaftsamt wird beschlossen, durch das Einbringen von Kies zu versuchen, die Talsohle anzuheben, damit sich die Welle wieder bildet. Hierzu sollen zunächst einige Vorversuche stattfinden, um zu ermitteln, welcher Aufbau bei einem Hauptversuch sinnvoll ist.

21. November

Bei einem ersten Vorversuch werden Bretter unterschiedlicher Länge im Bach platziert und hinter diese dann Kies unterschiedlicher Körnung geschüttet.

Solange die Bretter im Wasser sind, baut sich eine Welle auf. Werden die Bretter entfernt, verschwindet sie wieder.

4. Dezember

Die manipulierte Welle. Es wird bekannt, dass sich die Welle in der Vergangenheit nicht auf natürlichem Weg formte, sondern dass die Surfer über lange Zeit mit Einbauten nachgeholfen hatten.

23. Dezember

Das Referat für Klima- und Umweltschutz schickt den Surfern eine Liste an Forderungen, die aus seiner Sicht vor weiteren Versuchen zu erfüllen sind. Teile der Surfszene sind entsetzt und kündigen den Dialog mit der Stadt auf.

25. Dezember

Sportlerinnen und Sportler nutzen die Gelegenheit, um aufs Wasser zu gehen.

28. Dezember

Die Münchner Berufsfeuerwehr entfernt die Einbauten. Die Welle verschwindet wieder.

30. Dezember 2025

„Die waren da, um uns zu bespitzeln.“ Es wird bekannt, dass die Stadt die Surfer vor der „Bachauskehr“ von einem privaten Sicherheitsdienst beobachten ließ.

7. Januar 2026

OB Reiter kündigt nach der Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub weitere Gespräche zwischen Stadt und Surfern an. Reiter: „Ich will, dass im Frühjahr wieder gesurft werden kann.“

9. Januar

Ein Gespräch zwischen Reiter, den Surfern und den städtischen Stellen ergibt: Die Versuche zur Wiederherstellung sollen wieder aufgenommen werden.
9. Februar: Ein Holzbrett wurde in der Welle verlegt
9. Februar: Ein Holzbrett wurde in der Welle verlegt
9. Februar: Ein Holzbrett wurde in der Welle verlegt

4. Februar

An der Eisbachwelle werden die Vorversuche fortgesetzt. Surfer lassen eine brettartige Vorrichtung ins Wasser, woraufhin sich an dieser Stelle eine Welle aufbaut. „Das schaut zum Teil schon gar nicht so schlecht aus“, kommentiert der Oberbürgermeister nach einem Besuch am Eisbach die Szene auf einem Instagram-Video.

10. Februar

Ein weiterer Vorversuch findet am Eisbach statt.

11. Februar

An dem Ufer des Eisbachs, der am Haus der Kunst liegt (genannt „Holzseite“), baut sich ein Wellenkamm auf – ohne jeden Einbau im Fluss. Weil ein Ritt auf der halben Welle gefährlich ist, verbietet die Stadt München das Surfen generell. Angeblich erfolgt das nach Rücksprache mit den Vertretern der Surfer.

13. Februar

Der Surf Club München widerspricht der Darstellung der Stadt, dass die Sportlerinnen und Sportler dem Surfverbot zugestimmt hätten.

19. Februar

Ein weiterer Vorversuch findet am Eisbach statt.

27. Februar

Der geplante abschließende Vorversuch muss verschoben werden, weil der Wasserstand nicht ausreicht.

1. März

„Hier surft die Bürokratie“. Auf der Brücke über den Eisbach findet eine Demonstration statt. Gefordert wird eine schnelle Wiederherstellung des Surfspots. Auch CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner nimmt teil.

16. März

Dieter Reiter sagt in einem Duell mit seinem Stichwahl-Herausforderer Dominik Krause (Grüne) auf Radio Gong: „Wenn ein Einbau gefunden wird, der dazu führt, dass die Welle dauerhaft funktioniert, wird sie wieder freigegeben.“ Teile der Surfszene empfinden das als Hohn, weil aus ihrer Sicht klar ist, mit welchen Einbauten die Welle wiederbelebt werden könnte.

22. März

Dominik Krause wird zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Amtsantritt: 1. Mai.

26. März

Unbekannte bauen auf der in Flussrichtung betrachtet rechten Seite des Eisbachs (genannt „Steinseite“) ein Gitter ein. Durch die nicht genehmigte Aktion erhebt sich die Welle wieder.

27. März 2026

30. März 2026

Der designierte OB Krause verspricht, bis zu den Sommerferien solle die Welle wieder stehen und freigegeben werden. „Spätestens, hoffe ich“, so Krause.

3. April, Karfreitag

Die Auferstehung an den Ostertagen ist kein Wunder. Surf-Aktivisten haben erneut einen nicht genehmigten Einbau in den Fluss eingebracht: Ein Gitter – in gedeckten Farben nur schwer zu erkennen –, das an einem Seil auf der in Fließrichtung rechten Seite montiert ist. Für das Katz-und-Maus-Spiel mit der Stadt wählen die Surfer gerne Feiertage. 

5. April, Ostersonntag

Doch noch ein kleines Osterwunder am Sonntag: Zwar ist das Gitter wieder entfernt worden, doch an der sogenannten „Holzseite“ am Haus der Kunst bildet sich von selbst immer wieder einmal eine surfbare Welle. Oder zumindest eine halbe. Denn auf der „Steinseite“ rauscht Weißwasser, das nicht trägt.

16. April 2026

Zum Jahrestag des tödlichen Unglücks erklärt Dominik Krause (Grüne) als designierter neuer Oberbürgermeister: „Ich bin in diesen Tagen mit meinen Gedanken bei den Hinterbliebenen. Der tragische Unfall hat die rechtliche Situation an der Welle verändert.“ Daher sei die Stadt verpflichtet, die „gebotene Verkehrssicherheit“ an der Welle herzustellen. Die Versuche, wie die Welle dauerhaft stabil bleibt, werden fortgesetzt.

Text: René Hofmann; Digitales Storytelling: Katja Schnitzler; Redigatur: Tim Brack, Katja Schnitzler

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