
Wisch und weg

Erst verschwimmt die Sicht, dann verschwimmen die Gedanken. Es gibt hier nichts zu tun in diesem Kokon aus Blech.

Draußen zischt es, brummt es, rauscht es. Drinnen erklingt alles wie gedämpft. Im Schummerlicht erscheint die Welt weit weg.

Mit der Einfahrt in die Waschstraße liegt nicht nur der Gang im Leerlauf, auch der Tag pausiert einige kostbare Minuten lang.

Das Wasser rinnt die Karosserie herunter, hüllt sie in einen Schleier aus Schaum. Man ergibt sich dem Rhythmus der Maschine.

So entschleunigend, dieses Dahingleiten auf den gemächlich vorwärts zuckelnden Schienen.

Die Düsen sprühen, die Borsten schrubben, der Blick geht ins Leere. Geräte, die Dinge säubern, haben oft eine seltsam beruhigende Wirkung.

Das monotone Brummen und Summen der Waschmaschine etwa: Geborgenheit.

Auch das wohlige Gefühl, eine unangenehme Aufgabe nicht selbst übernehmen zu müssen.

In der Waschstraße zu sitzen ist wie die Spülmaschine anzustellen und selbst darin zu verschwinden. Es hat etwas Kathartisches, zu betrachten, wie der Dreck weggespült wird.

Warum gibt es überhaupt Autowaschanlagen, in denen man nicht im Wagen sitzen bleiben darf? Wer lehnt so ein Zeitgeschenk ab?

Langsam ist die Waschstraße und doch ein Express zugleich. Sie ist ein Eskapismus-Express.