
Wenn das Universum es gut mit einem meint, kann etwas höchst Prägnantes auch mal im Handumdrehen entstehen. So im Jahr 1887, als der Buchhalter Frank M. Robinson in Schönschrift den Namen eines neuen Erfrischungsgetränks niederschrieb. Oder im Jahr 1971, als die Studentin Carolyn Davidson schnell mal ein paar Entwürfe für eine neue Sportartikelfirma machte, die ein Dozent an ihrer Uni gegründet hatte. Die Logos von Coca-Cola und Nike waren die Folgen.
Auch ist es schwer vorstellbar, dass Albrecht Dürer sich, so wie heutige Marketingprofis, mit Kundenstromanalysen oder Fokusgruppendiskussionen beschäftigte, ehe er das »D« seines Nachnamens unter das »A« seines Vornamens setzte und so sein Monogramm kreierte, bis heute eines der berühmtesten Markenzeichen der Kunstwelt.
Ähnliches gelang der Londoner Grafikerin Stephanie Nash, die 1986 bei der Plattenfirma Island Records den Auftrag bekam, einen Schriftzug für die Rap-Gruppe Run-DMC zu entwerfen. Es war kein Logo im eigentlichen Sinn, denn zu der New Yorker Band, die damals schon zwei erfolgreiche Alben veröffentlicht hatte, und ihrem Management hatte Nash keinen Kontakt – anfangs ging es nur darum, den Namen möglichst einprägsam auf ein T-Shirt zu schreiben. Als Grafikerin gefiel Nash vor allem die »typografische« Natur, wie sie später mal erklärte, der Rapmusik: »Große, bedeutungsschwere, wuchtige Worte, die mit einer Kraft vorgetragen wurden, wie ich sie noch nie gehört hatte.«
Diese Empfindungen sind gut erkennbar in ihrem Entwurf, der damals, soweit man weiß, ausgesprochen zügig entstand: Die Worte RUN und DMC stehen zweizeilig übereinander, sechs Buchstaben in der Schrift Franklin Gothic, eingerahmt von zwei roten Balken oben und unten. Den Bindestrich und die Pünktchen, die auf den ersten beiden Albumcovern noch zum Bandnamen Run-D.M.C. gehörten, ließ Nash dabei einfach weg.
Seitdem hat das Logo ein erstaunliches Eigenleben entwickelt. Anfangs tauchte es auf T-Shirts, Maxi-Singles und anderen Veröffentlichungen von Run-DMC auf, allerdings nie auf einem regulären Albumcover. Seit ungefähr zehn Jahren sieht man es in abgewandelter Form auf Plakaten, Aufklebern und politischen T-Shirts. Die oberen drei Buchstaben werden dabei oft durch »FCK«, also »Fuck«, ersetzt, darunter steht, was man ablehnt: Fußballvereine, die Polizei oder eine politische Partei.

Das Logo wird von links außen bis rechts außen verwendet, quer durch
die politischen Lager und in vielen verschiedenen Ländern. Auch viele Nonsens-Varianten sind bekannt.
Eine Webseite hat mehr als sechzig verschiedene Versionen des Logos aufgelistet, und da sind noch nicht einmal alle dabei, die hier zu sehen sind.
Es ist anzunehmen, dass es damit nun noch lange nicht vorbei ist: Auf der Webseite fontmeme.com
findet man einen Generator, mit dem jeder seine eigene Variante des
Run-DMC-Logos erstellen kann. Dauert nur wenige Sekunden.
