Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Zum Sehen
Coming of Age
Mädchen, Mädchen
Kaum ein Film hat das Erwachsenwerden junger Frauen so kultig erzählt wie „Mädchen, Mädchen“ von 2001. Inken (damals gespielt von Diana Amft) will endlich ihren ersten Orgasmus erleben und macht sich mit zwei Freundinnen auf die Suche nach der eigenen Sexualität. Nun, 24 Jahre später, bekommt die Geschichte um drei Freundinnen in der Pubertät ein Remake – und das klappt überraschend gut. Natürlich hat sich in der Zwischenzeit einiges getan, im Feminismus und dem gesellschaftlichen Bild von weiblicher Sexualität. Das merkt man dem Film auch an, die Charaktere haben mehr Tiefe, Mädchen wie Jungs. Und trotzdem ist Platz für ikonische Dialoge und Szenen aus dem Original. Neuauflage gelungen!
Abenteuer
Jurassic World: Die Wiedergeburt
Sie sind wieder da! Mit „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ geht das Dino-Action-Epos in eine neue Runde. Zora (gespielt von Scarlett Johannson) soll für einen aalglatten Pharma-Vertreter DNA-Proben von Dinosauriern sammeln. Also macht sie sich mit Kapitän Duncan (Mahershala Ali) und dem Paläontologen Henry (Jonathan Bailey) auf den Weg zu einer einsamen Insel, wo die Riesenviecher seit einem Unfall in einer Forschungsstation frei leben. Der Film erzählt von der Annäherung an eine unberührte Welt mit all ihrer Schönheit und all ihrem Schrecken. Und ist dabei auch technisch eine Wiedergeburt früherer Zeiten: Spezialeffekte werden sparsam eingesetzt, gedreht wurde im Stil des ersten Teils „Jurassic Park“, und auch das Drehbuch stammt, wie damals, von David Koepp. Endlich wieder ein klassischer Abenteuerfilm!
Drama-Serie
The Bear
In dieser vierten Staffel von „The Bear“ fehlt es an allem: Geld, Zeit, Ideenreichtum. Dabei wäre das genau jetzt so wichtig, denn das Restaurant von Chef Carmy Berzatto (Jeremy Allen White) steht kurz vor dem Aus. Nach einer vernichtenden Restaurantkritik bleiben ihm genau zwei Monate Zeit, um den Laden auf Vordermann zu bringen – sonst war’s das. Und in all dem Chaos fragt sich die Crew: Wofür machen wir das eigentlich? Die vierte Staffel schlägt einen anderen Ton an als die bisherigen, nachdenklicher, gefühliger. Die Hektik in der Küche weicht Vieraugengesprächen, es gibt ein paar unglaublich berührende Szenen. Besonders stark bleibt die Serie aber vor allem dann, wenn in der Küche die Crew zu werkeln anfängt. Dann schaffen sie Unglaubliches – auch für das Publikum.
Dokumentation
Nahost-Schwerpunkt
Mit Israel und Iran bekriegen sich aktuell zwei wichtige Nahost-Mächte. Wer versucht die Systeme zu verstehen, die da gerade aufeinandertreffen, wird in der Arte-Mediathek fündig. In der zweiteiligen Dokumentation „Irans heimliche Herrscher“ werden Aufstieg und das menschenverachtende Vorgehen der Iranischen Revolutionsgarde nachgezeichnet. Einen Einblick in den israelischen Geheimdienst liefert der Film „Im Inneren des Mossad“, in dem auch ehemalige Agenten mehr oder weniger offen sprechen. Verbunden werden die beiden Blickwinkel dann über das Weltgeschehen und die Bilder dazu: Was für den einen ein Erfolg ist, ist für den anderen eine Niederlage. Und auch, wenn in einer sich so rasend schnell entwickelnden Lage manche der Informationen veraltet, manche Militärs schon tot sind, so schaffen die Filme es doch, klarzumachen, wie die Schicksale dieser beiden Nationen auf tragische Weise miteinander verwoben sind.
Zum Lesen
Graphic Novel
Der Abgrund des Vergessens
In Spanien wurden Erinnerungen an die Franco-Diktatur lang verdrängt, auch die daran, dass selbst nach dem Bürgerkrieg noch Unschuldige exekutiert wurden. Genau von diesen Gräueln erzählt „Der Abgrund des Vergessens“. Erschießungskommandos, Totengräber, Verwitwete und Verwaiste. Die Graphic Novel tut weh, besonders den Spaniern selbst. Aber genau deshalb ist das Buch auch so lesenswert: Es beleuchtet, akribisch recherchiert und berührend gezeichnet, einen wichtigen Teil der spanischen Geschichte. Und gibt damit tausenden Getöteten, Angehörigen, Zurückgebliebenen eine Stimme. Ein wichtiger Teil europäischer Geschichte, erzählt an echten Schicksalen.
Essay
Die Verkrempelung der Welt
Unser Leben ist voll, viel zu voll mit Kram. Dieser Ansicht ist zumindest der Autor und Objekt-Theoretiker Gabriel Yoran – und macht seinem Ärger auf 185 Seiten Luft. Im Essay „Die Verkrempelung der Welt“ macht er dabei vor keinem noch so alltäglichen Gegenstand halt: Duschkopf, Kaffee-Vollautomat, Induktionsherd – alles Krempel. Doch natürlich bleibt es nicht beim bloßen (wenn auch sehr unterhaltsamen) Verteufeln der modernen Technik. Yoran blickt auch klug auf die moderne Marktwirtschaft, auf Krempel als Statussymbol, Geschäftsmodell. Einen Lösungsvorschlag bleibt der Autor zwar schuldig, aber auch das passt zur Ausweglosigkeit, die sein Text ausstrahlt – der übrigens definitiv kein Krempel ist. Im Gegenteil.
Zum Hören
Hörspiel
Mia Insomnia, Staffel 3
Was, wenn unsere Welt gar nicht die einzige ist? Sondern es noch eine andere Dimension gibt? So ist es in der Hörspielreihe „Mia Insomnia“ von Gregor Schmalzried: Da gibt es die „normale“ Realität, und eine zweite, die alle 23 Jahre untergeht und neu beginnt. Die meisten Menschen wissen nichts von der Existenz dieser anderen Welt – einige aber schon. Mia zum Beispiel, die in der ersten Hörspielstaffel entdeckt, dass ein Klon von ihr dort existiert und sie Teile der Erinnerungen dieses Klons in sich trägt. In der neuen Staffel muss sie nun dafür sorgen, dass der Weltuntergang im Paralleluniversum nicht zu früh eintritt, und gerät dabei selbst ins Visier einer scheinbar übernatürlichen Macht. Alles ganz schön kompliziert, aber auch philosophisch interessant und, vor allem: spannend.
Podcast
Männer weinen heimlich
Nach der Trennung von Marie Nasemann und Sebastian Tigges bangten viele Fans um den gemeinsamen Familienpodcast „Family Feelings“. Nun gibt es Entwarnung, die beiden machen weiter, aber nicht nur das: Sebastian Tigges startet auch sein eigenes Projekt. Im Podcast „Männer weinen heimlich“ spricht er mit Gästen über seine Paradethemen: Vatersein, Rollenbilder, Vorbildfunktion. Das ist zwar manchmal ziemlich banal, aber immer achtsam und reflektiert. Und manchmal auch überraschend – etwa, wenn es um den eigenen Garten geht.