Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Zum Sehen
Film
Das Verschwinden des Josef Mengele
Ein Mann verschwindet im Gewirr falscher Namen, unter denen er auftritt. Mal ist er Helmut, Gregor oder Peter oder Pedro, ausgestattet mit diversen Pässen und Identitäten, mit denen er Grenzen überschreitet in Lateinamerika, Argentinien, Paraguay, Brasilien. Gejagt von den deutschen Ermittlungsbehörden und den Agenten des israelischen Mossad, vor allem aber von der eigenen Vergangenheit. „Das Verschwinden des Josef Mengele“, Kirill Serebrennikows Studie des Auschwitz-Lagerarztes, ist ein schillernder Ausflug in die Kälte.
Serie
The Iris Affair
Die Codespezialistin Iris Nixon (Niamh Algar) ist in ein ziemlich beängstigendes Schlamassel hineingestolpert. Cameron Beck (Tom Hollander) hat sie engagiert, um ihm bei der Aktivierung einer Superintelligenz namens Charlie zu helfen, von der er behauptet, sie werde die Rettung der Menschheit sein. Iris ist sich da bald nicht mehr so sicher: Was, wenn das Ding der Menschheit eher Untergang verheißt? Sie klaut das Notebook mit der Aktivierungssequenz und haut ab auf eine sehr malerische, aber auch recht brutale Hetzjagd durch Italien, wo sich Beck in einem Hightech-Bunker verschanzt hat.
Dokuserie
Mr. Scorsese
Martin Scorsese, Jahrgang 1942, ist ein intensiver Erzähler, er sitzt vor der Kamera, weißhaarig, ein wenig verhutzelt, die Augen manchmal staunend gerundet, manchmal zu Schlitzen verzogen, dazu ein verschmitztes Grinsen – ein grandioser Selbstdarsteller. Die neue AppleTV+-Serie „Mr. Scorsese“ – ein Filmporträt von Rebecca Miller – skizziert detailliert das wilde Auf und Ab im Leben und in der Karriere eines der wichtigsten Filmemacher Amerikas der vergangenen Jahrzehnte, des dynamischsten und ehrgeizigsten.
Zum Lesen
Sachbuch
In einem neuen Land
Für sein Debüt „In einem neuen Land – Eine deutsche Reportage“ reiste August Modersohn quer durch Deutschland, die baden-württembergische Stadt Pforzheim ist einer von vielen Stopps. 35 Jahre nach dem Mauerfall will der Journalist eine Bestandsaufnahme wagen, wie sich das Land seitdem entwickelt hat. Inhaltlich fokussiert er sich in jedem Kapitel auf den politischen Rechtsruck. Irritierend ist jedoch, dass er bei der Recherche den größten Umbruch der vergangenen Jahrzehnte komplett außer Acht lässt: die Digitalisierung.
Comic
Asterix in Lusitanien
Der neue „Asterix“-Band spielt selbstverständlich wie gewohnt „im Jahre 50 v. Chr“. Aber auch an den Galliern geht das Silicon Valley nicht spurlos vorbei. Da gibt es etwa den Römer Marcus Zuckergus, der „sämtliche Informationspapyri der römischen Welt kontrolliert“; und auch ein gewisser „Elonmus“ wird erwähnt. Die Kulisse der neuen Abenteuer ist eins der wenigen europäischen Länder, die die Gallier noch nicht bereist haben, und es ist natürlich ebenfalls von den Römern besetzt. „Asterix in Lusitanien“ (also: im antiken Portugal) ist der 41. Band der Reihe.
Geschichtensammlung
Neues von den Unerwünschten
Unter allen, die seit 1901 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurden, war und ist Jean-Marie Gustave Le Clézio, Preisträger des Jahres 2008, gewiss einer der Fleißigsten. Sein jüngstes Werk, ein Band mit acht Erzählungen, von denen einige schon zwei oder drei Jahrzehnte alt sind, trägt in der deutschen Version den moralischen Impetus bereits im Titel: „Neues von den Unerwünschten“. Liest man die Geschichten als gefühlvolle Reportagen (angeblich gehen sie alle auf reale Ereignisse oder Begegnungen zurück), entsteht ein stimmiges Bild – solange man keine literaturkritischen Maßstäbe daran anlegt.
Zum Hören
Pop
Deadbeat
Das Album „Deadbeat“ ist eine Mischung aus Tame-Impala-Mustern und Techno-Beats, perfekt an und zwischen die Harmonien gesetzt. Und natürlich passt das Ganze auch deshalb so gut zusammen, weil es da noch dieses eine essenzielle Element gibt, neben dem Sound der Instrumente, das sich seit jeher bei dem Projekt durchzieht: Man erkennt immer die Stimme von Kevin Parker, die er mittels Hall und Echo wie Chemtrails über die Songs legt. Oft an der Grenze zur Kopfstimme, nahe am späten John Lennon, leicht verzerrt.
Podcast
Geschichten aus der Geschichte
In diesem Podcast erlebt man Geschichte mal ein bisschen anders. Auf humorvolle Art erzählen die beiden Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer abseitige Anekdoten. Eine kleine Geschichte des Pandas, über den Goldenen Schemel im heutigen Ghana oder die Erfindung des Kugelschreibers? Alles „Geschichten aus der Geschichte“. Was die einzelnen Folgen glaubhaft und sympathisch macht, ist, dass der eine vorab nie weiß, was ihm der andere erzählen wird. Dopplungen gab es bislang kaum. Meßner und Hemmer erzählen im SZ-Interview, wie ihr Podcast zu einer der beliebtesten deutschsprachigen Independent-Produktionen werden konnte.
Rock
Am Fenster
Im Juni 1981 standen im griechischen Norden, an der bulgarischen Grenze, vier junge Typen aus Ostberlin. Sie hatten soeben Griechenland betreten und wussten nicht weiter. Niemand war gekommen, um sie abzuholen. Sie waren einen Tag zu früh, das war ihnen nicht klar. Und dass sie hier in diesem Land Stars waren, das wussten sie auch nicht. Einen Zehner Westmark bei den griechischen Grenzern in Drachmen getauscht, ab in die Telefonzelle, ein paar Anrufe, warten. So begann die Griechenland-Tournee der Band City aus der Deutschen Demokratischen Republik.