Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Zum Sehen
Serie
The End of an Era
„The End of an Era“ erzählt in sechs Folgen von Taylor Swifts gigantischer „Eras“-Tour, die 2024 zu Ende gegangen ist. 149 Shows hat die 36-Jährige auf fünf Kontinenten gespielt, vor insgesamt mehr als zehn Millionen Fans. Es geht darum, wie glücklich und freundlich Taylor Swift mit ihrem Team umgeht, und wie glücklich und freundlich ihr Team mit Taylor Swift umgeht, und wie glücklich und freundlich die Fans von Taylor Swift während der Tour mit Taylor Swift und ihrem Team umgegangen sind. Ist das langweilig? Wer das behauptet, hat sie nie live erlebt.
Film
Avatar
Noch ein „Avatar“-Film, muss das sein? Unbedingt. Zumal im neuen „Avatar“ die Hauptfigur inmitten all des riesig Erstaunlichen einfach ein rosa Menschenkind ist: Der Teenager Spider, tapfer gespielt von Jack Champion, der im zweiten Teil „The Way of Water“ von 2022 seine Wahlfamilie gefunden hatte unter den viel größeren, stärkeren, spirituelleren Ureinwohnern von Pandora. Der Regisseur James Cameron stellt in seinem opulenten Spektakel „Fire and Ash“ die wichtigste philosophische Frage der Gegenwart.
Doku-Serie
Der Anschlag
Verschwommen zeigen Handyaufnahmen einen Weihnachtsmarkt und dessen Beleuchtung, einen Tannenbaum. „Hallo, wir sind jetzt hier am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche. Eben ist ein Lkw auf den Weihnachtsmarkt gefahren“, sagt ein Mann, im Hintergrund sind Sirenen zu hören. Die Doku-Serie „Der Anschlag“ deckt nun Hintergründe des islamistischen Attentats am Berliner Breitscheidplatz auf. Die Produktion berührt und schockiert, denn gerade im Nachgang scheint vieles schiefgelaufen zu sein – die Dokumentation arbeitet das schonungslos auf.
Serie
Little Disasters
Der Status einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs ist nur bedingt einkommensabhängig. Jess etwa scheint alles zu haben, was dem Lebensglück zuträglich erscheint. Großes Haus in einem Londoner Luxusviertel, schicker Mann, der im Finanzbusiness arbeitet, süße Kinder. Diane Kruger spielt in der Paramount-Serie „Little Disasters“ eine von vier befreundeten Müttern – und darf heillos überfordert sein. Brillant.
Zum Lesen
Textsammlung
Luft zum Leben – Geschichten vom Übergang
Ein Buch wie ein Testament, so liest sich die neue Sammlung von Texten aller Art, die Helga Schubert jetzt im Alter von 85 Jahren vorlegt. Nicht ihres hohen Alters wegen, das die Autorin freimütig zur Sprache bringt, sondern wegen der im Vorwort formulierten Hoffnung, dieses Buch möge zu allen Generationen sprechen. Die Schriftstellerin hat den größten Teil ihres Lebens in der DDR verbracht, einem Staat, der von ihr nichts wissen wollte. Im Alter von 85 Jahren erlebt sie gerade eine sagenhafte Renaissance. Ihr Geheimnis ist bedachtes Weglassen, Konzentration auf das Anschaubare, Streben nach Fühlbarkeit.
Sachbuch
Das Verschwinden des Holocaust – Zum Wandel der Erinnerung
Der Holocaust war unvorstellbar, vom Grauen blieben sechs Millionen Tote, aber keine Bilder, die sich einprägten. Der Politikwissenschaftler Jan Gerber fürchtet, dass heute die „Erinnerungszeit des Holocaust im Vergehen begriffen“ sei. Er registriert den Verlust von entsprechenden Lehrstühlen, der zu Lücken in der Lehrerausbildung und der weitergehenden Forschung führen wird. Sein Essay handelt jedoch über weite Strecken davon, dass der Holocaust und die Erinnerung daran die meiste Zeit vergessen, verdrängt und verschwiegen wurde. Was muss geschehen, damit die Deutschen sich mit der Shoah auseinandersetzen?
Ethnografie
Die magische Welt
Ernesto de Martino betreibt beträchtlichen Aufwand, seiner Lehre ein empirisches Fundament zu verleihen. Immer wieder zitiert er Zeugen, die Menschen über glühende Steine haben gehen sehen, er beruft sich auf Wissenschaftler, die erlebten, wie Schamanen unglaubliche Dinge verrichteten, er setzt sich mit der zeitgenössischen Literatur zum magischen Denken auseinander. Der italienische Philosoph versuchte die Aufklärung zu vollenden, indem er in der Provinz magische Phänomene dokumentierte. Sein Werk „Die magische Welt“ erscheint nun erstmals auf Deutsch.
Zum Hören
Hörspiel
Dr. Dunning himself
Ein gewaltiger, irritierender Anfang ist das, wie er einem in Hörspielen kaum einmal zu Ohren kommt: Da brüllt ein Mann, dass er seine Erinnerung zurückhaben möchte, seine Kindheit. Und weil er beides nicht bekommt, stürzt er sich mit einer laufenden Kettensäge auf eine Ärztin. In dem spannenden Science-Fiction-Hörspiel „Dr. Dunning himself“ lassen sich die eigenen Erinnerungen designen. Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum gesellschaftlichen Zusammenbruch.
Podcast
Enden: Die Rückkehr
„Enden: Die Rückkehr“ taucht tief ein in Welt des Bio-Engineerings. Kritisch, aber offen und neugierig. Bereit, erst einmal zuzuhören, anstatt vorschnell zu urteilen. Die wissenschaftlichen und technischen Fragen sind groß, die finanziellen auch, die ethischen ohnehin. Sie werden diskutiert in diesem Podcast, können aber nur in Ansätzen beantwortet werden. „Enden“ traut sich an komplexe Fragen, bewahrt dabei einerseits den Überblick und lässt andererseits die Dinge auch mal für sich stehen. Selbst weiterzudenken, ist ausdrücklich erwünscht.