Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören

Bully vereint alte Freunde im Wilden Westen, Dakota Johnson muss sich zwischen zwei Männern entscheiden, und Max Goldt hat wieder ein Buch veröffentlicht. Neun Kulturtipps zum Wochenende.

21. August 2025

Zum Sehen

 Komödie

Das Kanu des Manitu

Im Kino

Im „Kanu des Manitu“ kehren die Helden aus dem „Schuh des Manitu“ zurück. Und seit dem Jahr 2001, in dem der erste Teil erschienen war, hat sich auch im Land der Apachen a bissl was verändert, an Gags mangelt es dem Film trotzdem nicht. Dieses Mal gibt es auch einen dickeren roten Faden als im ersten Teil. Eine sinistre Gaunerbande um den „Boss“ lockt Ranger und Abahachi in eine Falle. Das aber nur, um sie kurz später aus derselben zu befreien. Die beiden Blutsbrüder sollen die Bande dann zum sagenhaften, in einer Höhle versteckten Kanu des Manitu führen, das seinem Besitzer ewiges Leben bringen soll.

Serie

The Twisted Tale of Amanda Knox

Disney Plus

Amanda Knox wurde in Italien zwei Mal wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher verurteilt und zwei Mal freigesprochen. Auf Disney läuft nun „The Twisted Tale of Amanda Knox“, die Serienadaption ihres ersten Buches. Und die enthält auf einmal sogar zauberhafte Elemente, die an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ erinnern. Genau diesen Film haben Knox und ihr damaliger Freund Raffaele Sollecito an dem Abend geschaut, an dem Kercher ermordet wurde. Bekannt ist das, weil sich Knox und Sollecito bald als Tatverdächtige verantworten und dabei jedes Detail preisgeben mussten. Die Amélie-Elemente verschwinden im Laufe der Serie, wie auch Knox im wahren Leben ihre Leichtigkeit verlor, und weichen verstörenden Verhörszenen. Knox will damit die Hoheit über ihre Geschichte behalten, es ist einmal mehr sie, die damit in der Öffentlichkeit steht. Wer auch in diesem Fall zu kurz kommt: das Mordopfer Meredith Kercher.

Romantische Komödie

Was ist Liebe wert – Materialists

Im Kino

Die Liebe ist ein Geschäft, und zwar eines, das sich für Frauen meistens nicht lohnt, so nüchtern, so zynisch, so heteropessimistisch kann man das sehen. So sehen es zumindest die Internet-Nutzerinnen, die keine Lust mehr haben auf „mankeeping”, also die emotionale Arbeit, die Frauen an ihren männlichen Partnern leisten. In „Was ist Liebe wert – Materialists“ steht die Dating-Beraterin Lucy (Dakota Johnson) vor einer dieser Fragen: Möchte sie Harry (Pedro Pascal), den feministischen, „guten“ Mann, der gleichzeitig Millionär ist und ihr finanzielle Sicherheit bieten kann? Oder John (Chris Evans), der in einer chaotischen WG lebt und den sie „mankeepen” muss?

Zum Lesen

Essaysammlung

Aber?

Max Goldt

Es gibt viele Menschen, die sich beruflich normalerweise selbstbewusst äußern, weil sie Journalisten oder Autoren sind – es sind tatsächlich überwiegend Männer –, aber plötzlich auffallend bescheiden und unterwürfig werden, wenn sie es mit Max Goldt zu tun bekommen. Dieser hat nach 15 Jahren nun endlich wieder ein Buch veröffentlicht. Es bringt nicht viel, Max-Goldt-Texte zu paraphrasieren, und meistens vergisst man ihren Inhalt ziemlich schnell wieder. Auch die Meinungen sind nicht das Beste an dieser Textsammlung, um es vorsichtig zu sagen. Das liegt wahrscheinlich nicht an Max Goldt, der immer schon mit steilen Thesen experimentiert hat, sondern am Geräuschpegel der publizistischen Umwelt, in der es schon zu viele überartikulierte Meinungen gibt. Was sich einem ins Hirn schraubt, darin erfüllt auch der neue Band alle Erwartungen, ist seine Freiheit, sein Stil in der Sprache – man bräuchte dringend ein Wort wie das englische „Swagger“ dafür. „Aber?“ ist der Titel seines Auswahlbandes, der einzigartig und komisch ist, wie Goldt nur eh und je war. Aber? Nichts aber.

Sachbuch

Das violette Hündchen

Michael Maar

Literaturwissenschaftler Michael Maar begibt sich in seinem neuen Buch auf einen Erkundungsgang durch die Romanwelt des 19. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart. Er betrachtet dabei die bis heute unterschätzte Relevanz der Details, die Motivwahl, deren Funktion nicht auf den ersten Blick klar wird. Er betritt dabei auffällig oft finstere Nebenwege und erzählerische Obsessionen. Das Ziel: eine etwas andere Sozialgeschichte der Weltliteratur zu schreiben, die epochenübergreifend auf die Macht der Motivwelten setzt. Einen Fokus setzt er dabei auf den britischen Roman des 19. Jahrhunderts. Maars Essay gewinnt besonders an Tiefe, wenn er den ästhetischen Entspannungsraum verlässt und große psychosoziale Thesen wagt.

Roman

Gym

Verena Keßler

Egal ob Geschäftsführer oder Praktikant: An der Beinpresse sind wir alle gleich. Das Gym scheint ein Ort zu sein, der Leistung belohnt. Und genau an diesem Ort spielt Verena Keßlers dritter Roman „Gym“. Es soll ja Leute geben, die im Gym etwas kompensieren wollen. Keßlers Protagonistin erlebt die ultimative Midlife-Crisis, hat gleich Partner und den Job verloren. Für den Start in ein neues Leben als Fitnesstrainerin dient die Lüge, sie habe gerade erst entbunden. Deshalb also die noch nicht ganz optimierte Figur. Kein Problem für den Chef des Gyms, in dem sie von nun an arbeitet. Er ist schließlich stolzer Feminist. Nach den ersten Trainingserfolgen verfällt sie dem „Girlboss“-Feminismus, redet vom „Pre-Baby-Body“. Keßler beschreibt die Absurdität dieser Welt, ohne sich an einer konstruktiven Moralerzählung zu verheben. Und wer Literatur als Ganzkörpererfahrung will, kann während der Lektüre planken. Und wenn man dem Körper ein paar mehr Sekunden abringt, als der Geist es zulassen möchte, bleibt am Ende der Triumph eines guten Workouts. Ganz ähnlich wie beim Zuklappen des Romans.

Zum Hören

Hörspiel

Die Ästhetik des Widerstands – Variationen zu Peter Weiss

DLF Audiothek

Welche Rolle kann Kunst im Kampf gegen Unterdrückung spielen? Dieser Frage widmet sich der dreiteilige Hörspiel-Podcast „Die Ästhetik des Widerstands – Variationen zu Peter Weiss“ des Deutschlandfunks. Es basiert auf der gleichnamigen Romantrilogie, erschienen zwischen 1975 und 1981, die die Entwicklung des Ich-Erzählers zu einem politisch engagierten Künstler schildert. Das Hörspiel, inszeniert und erzählt von Fabian Saul, greift sowohl die Struktur des Werks auf als auch Romanhandlung mitsamt Debatten. Ein gutes Dutzend Autorinnen und Autoren haben sich beteiligt, unter ihnen Olga Grjasnowa, Theresia Enzensberger und Ghayath Almadhoun. Besonders Letzterer trägt dazu bei, dass das Stück so erbarmungslos wie relevant ist.

Podcast

Legion – Haus of Scam

ARD Audiothek

Scammer auf Dating-Plattformen und der Enkeltrick – spätestens seit den „Hallo Mama“-SMS kennt jeder diese Masche. Was jedoch weniger bekannt ist: Auch die Betrüger selbst sind oft Opfer. Der Podcast „Legion – House of Scam“ von Journalist und Host Khesrau Behroz recherchiert investigativ, wie sogenannte Scam-Fabriken in Thailand ein Milliardengeschäft machen. Dort arbeiten Menschen, die mit falschen Versprechungen ins Land gelockt wurden und nun in diesen Fabriken wie Gefangene festgehalten werden – um zu scammen. Die Journalisten sprechen mit ehemaligen Arbeitern, sind bei einer Razzia dabei. Und dringen vor in mafiöse Strukturen der Scam-Industrie, die besonders während der Corona-Pandemie rasant gewachsen ist.

Pop

Bite Me

Renée Rapp

Ein laszives Stöhnen, ein sanftes „Mhh“ - damit beginnt „Leave Me Alone“, die erste Single von Renée Rapps neuem Album „Bite Me“. Und so geht es weiter. Die junge Pop-Sängerin singt über Sex und Beziehungen, und zwar konsequent mit dem Female Gaze. Herausgekommen ist ein lautes Album, voll mit frechen, aufbegehrenden, funky Songs. Den internationalen Durchbruch hat Rapp im vergangenen Jahr geschafft, mit ihrer Rolle als Regina George in der Neuverfilmung des Klassikers „Mean Girls“. Und mit ihrer unverblümten Art, mit der sie in Talkshows über ihr Lesbischsein spricht. Jetzt kann man das auch anhören.

Text: Hanna Böcher, Monika Rathmann; Illustration: Sead Mujić; Editorial Design: Katharina Wutta; Digitales Storytelling: Carolin Gasteiger

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