Kinderbücher

Es war einmal zu Weihnachten

Was lesen im Advent? Kinderbuch-Empfehlungen für die gemütlichste Lesezeit des Jahres.

25. November 2022 - 5 Min. Lesezeit

Wenn es weihnachtet, in der Literatur, gerade in der für Kinder und Jugendliche, dann ist der pädagogische Zeigefinger meistens sehr schnell zur Stelle. Der Einfluss der großen Vorbilder ist einfach zu stark: Ebenezer Scrooge musste sich in Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte eine Alptraumnacht lang seinem Geiz und seiner Hartherzigkeit stellen, um am Morgen geläutert und freigiebig aufzuwachen. Und die Geschichte vom Jesuskind in der Krippe wird regelmäßig von Autoren in die Gegenwart geholt, damit man die Armen nicht vor verschlossenen Türen stehen lässt – wenigstens sinnbildlich.

Das ist alles schön und gut. Besonders originell ist es nicht. Zum Glück erscheinen auch immer wieder Bücher, die lustige, besondere, moderne Wege finden, von den Themen und Traditionen des Weihnachtsfests zu erzählen. Auf klassische Gemütlichkeit, auf Begegnungen mit dem Weihnachtsmann und ein bisschen weihnachtlichen Gemeinschaftssinn müssen die jungen Leser trotzdem nicht verzichten. Vier Empfehlungen für die gar nicht so stille Zeit, in der das Lesen aber besonders viel Spaß macht.

"Jemand müsste dem Nikolaus sagen, was er nicht gut macht, dachte Nico."

Nico kann Nikolaus nicht leiden. Jedes Jahr kommt da dieser fremde Mann im roten Mantel und er muss sich von ihm schimpfen und mahnen lassen. Artig soll er sein, sein Zimmer aufräumen und, auch das noch, Salat essen. Ausgerechnet Salat. Dabei will er Süßigkeiten essen, möglichst immer. Und am Schluss dieser unangenehmen Performance bekommt Nico dann absurderweise eine Tüte mit Schokolade in die Hand gedrückt. Dabei soll er doch gar nicht? Wer soll das bitte verstehen?

Dieses Jahr überlegt sich Nico etwas, um dieser blöden Tradition ein Ende zu setzen. Er dreht den Spieß um, zieht sich einen roten Bademantel an, schlüpft in Mamas Gummistiefel und macht sich auf den Weg zum Nikolaus – um ihm mal zu sagen, was er selbst alles nicht gut macht. Feedback vom Kunden quasi.

Lorenz Paulis’ herrlich antiautoritäre Geschichte ist schon 2000 zum ersten Mal erschienen. Nun hat der Autor sie für den Zürcher Atlantis-Verlag überarbeitet und an die witzigen neuen Illustrationen von Katja Gehrmann angepasst. Ihre Bilder sind ein bisschen cartoonesk, aber auch sehr stimmungsvoll, besonders wenn Nico im nachmittäglichen Dämmerlicht raus in den Wald geht.

Lorenz Pauli, Katja Gehrmann: Nico geht zum Nikolaus. Atlantis, Zürich 2022. 40 Seiten, 18 Euro. Ab 4 Jahren.

Nico kann Nikolaus nicht leiden. Jedes Jahr kommt da dieser fremde Mann im roten Mantel und er muss sich von ihm schimpfen und mahnen lassen. Artig soll er sein, sein Zimmer aufräumen und, auch das noch, Salat essen. Ausgerechnet Salat. Dabei will er Süßigkeiten essen, möglichst immer. Und am Schluss dieser unangenehmen Performance bekommt Nico dann absurderweise eine Tüte mit Schokolade in die Hand gedrückt. Dabei soll er doch gar nicht? Wer soll das bitte verstehen?

Dieses Jahr überlegt sich Nico etwas, um dieser blöden Tradition ein Ende zu setzen. Er dreht den Spieß um, zieht sich einen roten Bademantel an, schlüpft in Mamas Gummistiefel und macht sich auf den Weg zum Nikolaus – um ihm mal zu sagen, was er selbst alles nicht gut macht. Feedback vom Kunden quasi.

Lorenz Paulis’ herrlich antiautoritäre Geschichte ist schon 2000 zum ersten Mal erschienen. Nun hat der Autor sie für den Zürcher Atlantis-Verlag überarbeitet und an die witzigen neuen Illustrationen von Katja Gehrmann angepasst. Ihre Bilder sind ein bisschen cartoonesk, aber auch sehr stimmungsvoll, besonders wenn Nico im nachmittäglichen Dämmerlicht raus in den Wald geht.

Lorenz Pauli, Katja Gehrmann: Nico geht zum Nikolaus. Atlantis, Zürich 2022. 40 Seiten, 18 Euro. Ab 4 Jahren.

"Liebe Lucie, ist ja gut, ich antworte ja schon. Erklär mir doch mal: Wie kommst du bitte darauf, dass ich Santa bin?"

Dass Kinder Briefe an den Weihnachtsmann schreiben und der ihnen dann auf rührende, väterliche Weise antwortet, ist ein uralter Topos der Weihnachtsliteratur. Charlotte Inden greift ihn in ihrem Roman für Kinder auf, macht aber eine tolle, realistische und warmherzige Geschichte daraus, die wunderbar in die Gegenwart passt.

Die Erzählerin Lucie ist gerade mit ihrer fünfköpfigen Familie aus England in eine deutsche Universitätsstadt gezogen. Mal wieder ein Umzug, das heißt: eine neue Schule, neue Nachbarn und neue – beziehungsweise in Lucies Fall – keine neuen Freunde. Ihre Mutter ist Dozentin und noch Teil des akademischen Prekariats. Sie arbeitet sich kaputt, ohne zu wissen, ob sie nach diesem Semester wird bleiben können. Und Lucies Vater hat, auch wenn das lange unausgesprochen bleibt, Depressionen.

Lucie aber hat Hoffnung, dass bald alles gut wird, denn der alte Mann im Haus nebenan – groß, weißer Bart, Holzwerkstatt – ist ja wohl offensichtlich der Weihnachtsmann. Sie beginnt einen Briefwechsel mit ihm und es entsteht eine Freundschaft, auch mit seinem geheimnisvollen Enkel Ben. Nach und nach holt das die Familien aus ihrer Isolation.

Es folgen Bastelnachmittage, eine Schlittenfahrt und ein paar Überraschungen, die Charlotte Inden geschickt in ihre Erzählung webt. Ein liebevolles, modernes Buch, das nie kitschig gerät und das Thema psychische Krankheit ernsthaft, aber für Kinder gut verdaulich in seine Geschichte integriert.

Charlotte Inden: Dear Santa. Als der Weihnachtsmann plötzlich zurückschrieb. Hanser, München 2022. 176 Seiten, 16 Euro. Ab 8 Jahren.

Dass Kinder Briefe an den Weihnachtsmann schreiben und der ihnen dann auf rührende, väterliche Weise antwortet, ist ein uralter Topos der Weihnachtsliteratur. Charlotte Inden greift ihn in ihrem Roman für Kinder auf, macht aber eine tolle, realistische und warmherzige Geschichte daraus, die wunderbar in die Gegenwart passt.

Die Erzählerin Lucie ist gerade mit ihrer fünfköpfigen Familie aus England in eine deutsche Universitätsstadt gezogen. Mal wieder ein Umzug, das heißt: eine neue Schule, neue Nachbarn und neue – beziehungsweise in Lucies Fall – keine neuen Freunde. Ihre Mutter ist Dozentin und noch Teil des akademischen Prekariats. Sie arbeitet sich kaputt, ohne zu wissen, ob sie nach diesem Semester wird bleiben können. Und Lucies Vater hat, auch wenn das lange unausgesprochen bleibt, Depressionen.

Lucie aber hat Hoffnung, dass bald alles gut wird, denn der alte Mann im Haus nebenan – groß, weißer Bart, Holzwerkstatt – ist ja wohl offensichtlich der Weihnachtsmann. Sie beginnt einen Briefwechsel mit ihm und es entsteht eine Freundschaft, auch mit seinem geheimnisvollen Enkel Ben. Nach und nach holt das die Familien aus ihrer Isolation.

Es folgen Bastelnachmittage, eine Schlittenfahrt und ein paar Überraschungen, die Charlotte Inden geschickt in ihre Erzählung webt. Ein liebevolles, modernes Buch, das nie kitschig gerät und das Thema psychische Krankheit ernsthaft, aber für Kinder gut verdaulich in seine Geschichte integriert.

Charlotte Inden: Dear Santa. Als der Weihnachtsmann plötzlich zurückschrieb. Hanser, München 2022. 176 Seiten, 16 Euro. Ab 8 Jahren.

"Für Alva gibt es nichts Schöneres als den Advent. Und heute fängt er endlich an!"

Weihnachten ist toll. Aber Weihnachten in Norwegen ist bestimmt nochmal um einiges besser: mit Schneesicherheit, hübschen Holzhäusern und bärtigen Papas in warmen Strickpullovern. Außerdem glauben ja viele Menschen, dass am Polarkreis in Norwegen der Weihnachtsmann wohnt. Wo sonst also sollte man sich im Advent lieber hinträumen?

„Alva und der Adventszauber“ von der norwegischen Illustratorin Maren Tjelta Thu ist ein wimmeliges Bilderbuch voller Ideen. Für jeden Dezembertag bis Weihnachten hat Thu eine großformatige Doppelseite gestaltet, auf der die Leser eine kleine Aufgabe lösen können. Mal sollen sie die Katze von Alvas Familie in der gemütlichen Küche suchen, dann die Eier zählen, die beim Plätzchenbacken herumkullern oder die Bälle finden, die ein paar Dutzend Zwerge in der Werkstatt des Weihnachtsmanns für die Kinder als Geschenke verpacken.

Die Bilder sind klassische Weihnachtsidyllen mit Lichterketten, deren Schein sich im Schnee widerspiegelt, bunten Lebkuchenhäuschen und ganz viel skandinavisch-gemütlichem „Hygge“-Gefühl. Schön ist, dass die fröhlichen Kinder, die in der Dämmerung Schlitten fahren, trotzdem viele verschiedene Hautfarben haben.

Maren Tjelta Thu: Alva und der Adventszauber. Magellan, Bamberg 2022. 56 Seiten, 18 Euro. Ab 3 Jahren.

Weihnachten ist toll. Aber Weihnachten in Norwegen ist bestimmt nochmal um einiges besser: mit Schneesicherheit, hübschen Holzhäusern und bärtigen Papas in warmen Strickpullovern. Außerdem glauben ja viele Menschen, dass am Polarkreis in Norwegen der Weihnachtsmann wohnt. Wo sonst also sollte man sich im Advent lieber hinträumen?

„Alva und der Adventszauber“ von der norwegischen Illustratorin Maren Tjelta Thu ist ein wimmeliges Bilderbuch voller Ideen. Für jeden Dezembertag bis Weihnachten hat Thu eine großformatige Doppelseite gestaltet, auf der die Leser eine kleine Aufgabe lösen können. Mal sollen sie die Katze von Alvas Familie in der gemütlichen Küche suchen, dann die Eier zählen, die beim Plätzchenbacken herumkullern oder die Bälle finden, die ein paar Dutzend Zwerge in der Werkstatt des Weihnachtsmanns für die Kinder als Geschenke verpacken.

Die Bilder sind klassische Weihnachtsidyllen mit Lichterketten, deren Schein sich im Schnee widerspiegelt, bunten Lebkuchenhäuschen und ganz viel skandinavisch-gemütlichem „Hygge“-Gefühl. Schön ist, dass die fröhlichen Kinder, die in der Dämmerung Schlitten fahren, trotzdem viele verschiedene Hautfarben haben.

Maren Tjelta Thu: Alva und der Adventszauber. Magellan, Bamberg 2022. 56 Seiten, 18 Euro. Ab 3 Jahren.

"Es war einmal, im alten Persien, eine Frau mit Namen Naneh Sarma. Sie hatte lange Haare, weich wie Seide. Sie lebte hoch oben. Weit über den Wolken."

„Der erste Schnee“ ist eigentlich kein Weihnachtsbuch, wohl aber eines der schönsten Bücher über den Winter, die es gibt. Großformatig, auf feinem, mattem Papier gedruckt und voller herrlicher Bilder in zurückgenommenen Farben. Die Künstlerin Sylvie Bello tupft Landschaften so durchscheinend hin, dass es wirkt, als habe sich die Natur selbst wie zufällig kurz auf die Seiten gedrückt, um dann wieder zu verschwinden wie eine Schneewehe.

Die märchenhaft-mythische Geschichte, die hier erzählt wird, stammt von der iranischstämmigen Autorin Elham Asadi. Eine Frau mit langem Seidenhaar träumt darin vom Frühling, den jedes Jahr ein schöner Mann in die Stadt bringt. Sie will diesen Mann treffen, sie hofft, dass er zu ihr kommt und putzt dafür ihr Haus auf dem Berg so gründlich, dass aller Staub zur Erde fällt. Das ist der Schnee.

Auf den schönen Mann wartet die Frau vergeblich, jedes Jahr erneut. Aber besonders traurig macht sie das nicht. Wenn man weiß, worauf man wartet, dann ist schon das eine Form von Glück – und zwar eine, die hervorragend in den Advent hineinpasst.

Elham Asadi, Sylvie Bello: Der erste Schnee. Bohem, Zürich 2022. 32 Seiten, 29,95 Euro. Ab 4 Jahren.

„Der erste Schnee“ ist eigentlich kein Weihnachtsbuch, wohl aber eines der schönsten Bücher über den Winter, die es gibt. Großformatig, auf feinem, mattem Papier gedruckt und voller herrlicher Bilder in zurückgenommenen Farben. Die Künstlerin Sylvie Bello tupft Landschaften so durchscheinend hin, dass es wirkt, als habe sich die Natur selbst wie zufällig kurz auf die Seiten gedrückt, um dann wieder zu verschwinden wie eine Schneewehe.

Die märchenhaft-mythische Geschichte, die hier erzählt wird, stammt von der iranischstämmigen Autorin Elham Asadi. Eine Frau mit langem Seidenhaar träumt darin vom Frühling, den jedes Jahr ein schöner Mann in die Stadt bringt. Sie will diesen Mann treffen, sie hofft, dass er zu ihr kommt und putzt dafür ihr Haus auf dem Berg so gründlich, dass aller Staub zur Erde fällt. Das ist der Schnee.

Auf den schönen Mann wartet die Frau vergeblich, jedes Jahr erneut. Aber besonders traurig macht sie das nicht. Wenn man weiß, worauf man wartet, dann ist schon das eine Form von Glück – und zwar eine, die hervorragend in den Advent hineinpasst.

Elham Asadi, Sylvie Bello: Der erste Schnee. Bohem, Zürich 2022. 32 Seiten, 29,95 Euro. Ab 4 Jahren.

Team
Text Kathleen Hildebrand
Illustration Jessy Asmus
Digitales Storytelling Jessy Asmus und Kathleen Hildebrand