Theater

Wahnsinn im endlosen Weiß

Theater-Abenteurer in den Expeditionsanzügen der Antarktisstation: Jan-Christoph Gockel, Julia Gräfner und Wolfram Koch (von links).
Theater-Abenteurer in den Expeditionsanzügen der Antarktisstation: Jan-Christoph Gockel, Julia Gräfner und Wolfram Koch (von links).
Theater-Abenteurer in den Expeditionsanzügen der Antarktisstation: Jan-Christoph Gockel, Julia Gräfner und Wolfram Koch (von links).

Was macht es mit dem menschlichen Geist, wenn draußen minus 80 Grad herrschen? Der Theaterregisseur Jan-Christoph Gockel wollte es am eigenen Leib erfahren: Tagebuch einer Expedition ans Ende der Welt für das Stück „Polaris“.

1. April 2026 | Lesezeit: 13 Min.
Im Oktober 2018 las Jan-Christoph Gockel, Hausregisseur und Mitglied der Künstlerischen Leitung der Münchner Kammerspiele, eine Meldung, die um die Welt ging: „Antarktisforscher sticht Kollegen nieder wegen angeblich verratener Enden von Büchern“, titelte etwa die Los Angeles Times. Auf der russischen Bellingshausen-Station in den South Shetland Islands der Antarktis hatte ein Ingenieur einen Schweißer mit dem Messer attackiert, weil dieser ihm die Enden von Büchern, die er aus der Stationsbibliothek auslieh, ungefragt spoilerte. Eine Idee nahm in Gockels Kopf Gestalt an: die extreme Isolation von Menschen im antarktischen Winter zu untersuchen und die Rolle, die Geschichten dort spielen, um den allzeit drohenden Lagerkoller in Schach zu halten. In Iris Laufenberg, der Intendantin des Deutschen Theaters in Berlin, mit der ihn eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet, fand er eine Partnerin für eine Recherchereise in die Antarktis und das daraus entstehende Theaterprojekt.

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