Transparenz-Blog

Wie’s die SZ mit der KI hält

Künstliche Intelligenz macht den Journalismus besser, für die SZ ist sie ein hilfreiches Werkzeug. Sie ersetzt aber nicht die Neugier und Originalität der Autorinnen und Autoren.

23. Juli 2026 | Lesezeit: 3 Min.

Redaktionskonferenzen sind auch nur Sitzungen, bestenfalls machen sie den Journalismus aber besser. Zweimal wöchentlich diskutieren wir bei der Süddeutschen Zeitung im 25. Stock des SZ-Turms in Münchens Osten in großer Runde, was gut lief – und was nicht. Wir reden über die aktuellen Themen und eigene Recherchen, streiten über Formulierungen oder die Platzierung auf der Homepage. Uns eint dabei das Feuer für unseren Beruf und das Bemühen, eine handwerklich sorgfältige und abwechslungsreiche Süddeutsche zum Lesen, Hören, Sehen und Erleben zu machen. Wer die SZ liest oder ihre Podcasts hört, soll mehr erfahren als andere – und er soll durchaus auch unterhalten werden.

Am Montag ging es in unserer Redaktionskonferenz um Grundlegendes, um eine Herzensfrage des Autorenjournalismus gar: Wer schreibt für die SZ? Sind das einzig wir Redakteurinnen und Redakteure, oder darf uns die künstliche Intelligenz dabei helfen? Was ist in der SZ-Redaktion erlaubt? Was ist verboten?

Ohne künstliche Intelligenz hätte die SZ nicht die Panama Papers ans Licht bringen können

Es sind Fragen, die sich derzeit alle Medienhäuser stellen. Die KI verändert nicht nur unser Leben, sie revolutioniert auch den Journalismus. Die SZ hat mit diesen Technologien seit Jahren Erfahrung. Ihre Redaktion begegnet dem digitalen Wandel mit Initiative und Zuversicht. Ohne KI und Algorithmen hätte sie zum Beispiel die riesigen Datenmengen für die Panama Papers nicht verarbeiten können. KI hat die SZ schneller – und besser gemacht.

In der Redaktionskonferenz waren wir uns deshalb schnell einig, dass wir KI als nützliches Werkzeug noch stärker einsetzen wollen. Das gilt nicht nur für das Auswerten umfangreicher Datensätze und Dokumente für investigative Recherchen. Auch Interviews und andere Mitschnitte sollen nicht mehr zeitaufwendig abgehört und abgetippt werden. Wir lassen sie mit einem KI-Tool transkribieren. Damit ist das Gespräch selbstverständlich noch längst nicht bereit zur Publikation. Dramaturgie und sprachlicher Feinschliff beispielsweise bleiben Aufgabe des Interviewers, am Ende trägt sowieso immer der Redakteur, die Redakteurin die Verantwortung für den Text. KI-Transkriptionen oder KI-Übersetzungen fremdsprachiger Texte können aber eine Grundlage für die weitere Bearbeitung eines Artikels sein.

KI-Assistenten helfen der SZ-Redaktion beim Überprüfen von Fakten und Orthografie

KI-Assistenten unterstützen die Redaktion bei der Faktenprüfung und kontrollieren die Orthografie. Wir setzen die künstliche Intelligenz also inzwischen auch vermehrt als Unterstützung bei der Redigatur von Texten ein. Auch hier hat das letzte Wort aber der Mensch. Er bestimmt, welche Änderungsvorschläge übernommen werden, und überprüft Korrekturhinweise vor der Publikation nochmals selbst.

Doch zurück zum Schreiben, dem identitätsstiftenden Merkmal des Autorenjournalismus. Wo verlaufen da die Grenzen im Umgang mit KI? Die SZ-Redaktion hat darüber schon vor der großen Konferenz am Montag in mehreren Runden kontrovers diskutiert, und das ist nur konsequent: Die Süddeutsche versteht sich seit ihrer Gründung vor mehr als 80 Jahren als Autorenzeitung. Sie pflegt in ihrer Vielstimmigkeit einen klar erkennbaren Sound. Diesen SZ-Ton erachten wir als etwas Besonderes und wollen ihn auf allen Kanälen erfahrbar machen: so heiter wie möglich – und so ernst wie nötig. Warm gegenüber Menschen – und kühl in der Analyse. Selbst in schweren Zeiten bewahren wir uns so etwas Leichtigkeit.

Die Maschine darf die Journalisten im kreativen Schreibprozess nicht ersetzen

Wie passt dazu die KI? Die Maschine darf die Autorinnen und Autoren im kreativen Schreibprozess nicht ersetzen. Sie mag ein Sparringspartner bei Recherchen oder eine Hilfe zur Meinungsbildung sein, und sie mag dadurch Bücher oder das Gespräch mit Kollegen auf dem Redaktionsflur ergänzen. Die SZ-Autorinnen und -Autoren schreiben ihre Texte jedoch selbst. Auch Bilder oder Videos dürfen grundsätzlich nicht mit KI erstellt oder verändert werden.

Damit verschließt sich die Süddeutsche Zeitung nicht der Zukunft. Sie ist nicht Teil einer Postkutschen-Lobby, die das Automobil verbieten will. Wir nutzen entschlossen und optimistisch die Möglichkeiten von KI – und bewahren zugleich die Integrität unserer Autorentexte.

Die SZ-Redaktion hat immer wieder gezeigt, dass sie die traditionellen Qualitäten ihres Journalismus für eine neue Zeit in innovative Formate übersetzen kann. Sie wird weiterhin mit Chatbots und KI-Zusammenfassungen experimentieren – und dies transparent machen.

Journalismus lebt aber von Neugier, Originalität und Leidenschaft. Von Autorinnen und Autoren mit Rückgrat und Charakter, die diese unruhige Welt nicht vom Schreibtisch aus betrachten, sondern rausgehen, aufdecken, beschreiben und analysieren – mit Kopf, Herz und Verstand, und mit einem ganz eigenen Blick und Stil. Und sie lebt von Ihnen, liebe Abonnentinnen und Abonnenten, die Sie uns Ihr Vertrauen schenken. Wir werden auch weiterhin verantwortungsvoll damit umgehen.

Digitales Design: Lea Gardner; Illustration: Dirk Schmidt

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