Auf der Couch

Genervt? Ach Quatsch, wer etwas auf sich hält, ist mindestens getriggert. Warum immer mehr Menschen wie Hobbypsychologen klingen - und warum das Betroffenen gar nichts bringt.

29. April 2022 - 8 Min. Lesezeit

Kürzlich griff mir ein Bekannter in meine mit dem Pulli verwurstelte Mantelkapuze, zog alles auseinander und entschuldigte sich. „Sorry, so was kann ich gar nicht sehen, das triggert mich.“ Mit korrekt positionierter Kapuze lief ich weiter und dachte an Margit, eine Frau, die ich bei einem gemeinsamen Aufenthalt in der stationären Psychiatrie kennengelernt habe und die deswegen hier anders heißt. Margit wurde auch ständig getriggert, doch bei ihr führte das dazu, dass sie von einem Moment auf den anderen nicht mehr ansprechbar war, sich in ihre eigene Welt zurückzog und erst nach Stunden oder Tagen wieder aus dieser sogenannten Dissoziation auftauchte. Irgendetwas so Unaussprechliches und Unaushaltbares hatte Margit erlebt, dass sich ihr Bewusstsein ausschaltete, wenn ein Trigger – eine heruntergefallene Salatschüssel zum Beispiel – diese Erinnerung auch nur antitschte.

Toxisch

Trigger ist ein Begriff aus der Traumatherapie, der gemeinsam mit vielen anderen Wörtern aus der Psychologie gerade in die Alltagssprache schwappt: Plötzlich sehen Menschen in ihren Beziehungen „dysfunktionale Dynamiken“ am Werk. In den Chef „projizieren“ sie ihren Vater hinein, und dem Kollegen „spiegeln“ sie seine Vermeidungsstrategien. Die neue Beziehung der Nachbarin? Ganz klar „toxisch“, und ihr Neuer überhaupt ein „Narzisst“ aus dem Lehrbuch. Nach einem Arbeitstag voller Übergriffigkeiten von allen Seiten kommuniziert dann auch die Partnerin zu Hause wieder nur „passiv-aggressiv“ und das eigene „innere Kind“ bricht dabei in Tränen aus. Ob’s eigentlich noch ganz gut geht – will man es wirklich noch wissen, wenn das die Antworten sind?

Auf der Couch

Genervt? Ach Quatsch, wer etwas auf sich hält, ist mindestens getriggert. Warum immer mehr Menschen wie Hobbypsychologen klingen - und warum das Betroffenen gar nichts bringt.

Kürzlich griff mir ein Bekannter in meine mit dem Pulli verwurstelte Mantelkapuze, zog alles auseinander und entschuldigte sich. „Sorry, so was kann ich gar nicht sehen, das triggert mich.“ Mit korrekt positionierter Kapuze lief ich weiter und dachte an Margit, eine Frau, die ich bei einem gemeinsamen Aufenthalt in der stationären Psychiatrie kennengelernt habe und die deswegen hier anders heißt. Margit wurde auch ständig getriggert, doch bei ihr führte das dazu, dass sie von einem Moment auf den anderen nicht mehr ansprechbar war, sich in ihre eigene Welt zurückzog und erst nach Stunden oder Tagen wieder aus dieser sogenannten Dissoziation auftauchte. Irgendetwas so Unaussprechliches und Unaushaltbares hatte Margit erlebt, dass sich ihr Bewusstsein ausschaltete, wenn ein Trigger – eine heruntergefallene Salatschüssel zum Beispiel – diese Erinnerung auch nur antitschte.

Toxisch

Trigger ist ein Begriff aus der Traumatherapie, der gemeinsam mit vielen anderen Wörtern aus der Psychologie gerade in die Alltagssprache schwappt: Plötzlich sehen Menschen in ihren Beziehungen „dysfunktionale Dynamiken“ am Werk. In den Chef „projizieren“ sie ihren Vater hinein, und dem Kollegen „spiegeln“ sie seine Vermeidungsstrategien. Die neue Beziehung der Nachbarin? Ganz klar „toxisch“, und ihr Neuer überhaupt ein „Narzisst“ aus dem Lehrbuch. Nach einem Arbeitstag voller Übergriffigkeiten von allen Seiten kommuniziert dann auch die Partnerin zu Hause wieder nur „passiv-aggressiv“ und das eigene „innere Kind“ bricht dabei in Tränen aus. Ob’s eigentlich noch ganz gut geht – will man es wirklich noch wissen, wenn das die Antworten sind?