Zusammenhalt

Hilfe aus zweiter Reihe

In schweren Lebenskrisen sind Menschen auf die Unterstützung anderer angewiesen. Nicht nur der engste Kreis, auch Freunde, Kollegen oder Bekannte wollen helfen, wissen aber oft nicht genau, wie. Hier erzählen sieben Betroffene, was ihnen geholfen hat.

Protokolle von Georg Cadeggianini, Carolin Fries, Kyriaki Linoxylaki, Marlene Massen und Kiara Roller
23. Juli 2026 | Lesezeit: 9 Min.

„Is des dei Bua?“

Ralf, 66, verlor vor sechs Jahren seine Frau. Vor 15 Jahren nahm sich sein Sohn das Leben:

„Ich wollte nie Mitleid. Noch schlimmer aber war es, wenn die Leute mich gar nicht angesprochen haben. Einer ehemaligen Nachbarin bin ich nach dem Tod meiner Frau beim Spazierengehen begegnet, da sagte sie, sie habe sich nicht getraut, mich bei der Beerdigung anzusprechen. Wir unterhielten uns, und plötzlich fragte sie mich, ob sie mich umarmen dürfe. Damit hatte ich nicht gerechnet, das hat mich tief berührt. Genauso wie der Mann – wir fuhren morgens gewöhnlich mit demselben Zug zur Arbeit –, der sich am Bahnsteig erst abgewandt hatte und dann doch auf mich zukam. Er sagte gar nichts Besonderes, sprach mich einfach an.

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