

Die vielen Gesichter des Markus Söder

Die vielen Gesichter des Markus Söder

Vielleicht war er ja etwas aus der Übung geraten, schließlich hatte sich Markus Söder vor seinem Faschingscomeback im Jahr 2023 länger nicht verkleidet. Also rätselten viele Zuseher der BR-Sendung "Fastnacht in Franken", wen der Ministerpräsident bitteschön darstellen wollte - Moses? Nicht ganz, wie Söder selbst aufklärte. Er habe sich als "Stammesältester, der Bayern durch die Krisen der Zeit führt" verkleidet, ließ er wissen. Aha. Auch Profis langen mal daneben. Vergangenes Jahr trat er dann als Kanzler an, Reichskanzler Otto von Bismarck. Und an diesem Freitag? Man wird sehen.
Söders Auftritt in Veitshöchheim hat sich in den Zehnerjahren zum Medienspektakel entwickelt. Als Marilyn Monroe, Shrek oder Edmund Stoiber lieferte er effektvolle Bilder – und befeuerte mit jedem Kostüm Spekulationen über die Botschaft dahinter, etwa im Machtkampf mit Horst Seehofer.
Ein Rückblick auf seine Kostümkarriere offenbart eine Entwicklung, die sich auch als politische Metamorphose verstehen lässt – vom harmlosen Teddy zum machtbewussten Herrscher.














2009
Alles Flocke
Jeder fängt mal klein an, und so war auch der damalige Umweltminister im Jahr 2009 noch lange kein Verkleidungsgenie. Statt eines aufwendigen Umstylings schlüpfte Söder in ein schlichtes Eisbären-Kostüm - in Anspielung auf das knuddelige Zootier, das in Söders Heimatstadt Nürnberg per Hand aufgepeppelt worden war. Mission: Publikumsliebling.
2010
Neuer Zauber
Während Kollegen wie Joachim Herrmann Jahr um Jahr im selben Kostüm auftauchten (als "schwarzer Sheriff") oder sich wie Horst Seehofer komplett verweigerten, liebt Söder das Spiel mit der Aufmerksamkeit - und verfeinerte schon im Folgejahr seinen Auftritt in Gestalt von Gandalf dem Weißen, dem Zauberer aus "Der Herr der Ringe". Ungeachtet der weißen Weste warf Seehofer Söder später einmal "Schmutzeleien" vor.
2011
Zunge raus
Söders Kostümparade geriet fortan immer knalliger. 2011 zog er in Veitshöchheim alle Blicke an, als er sich, Nietenhalsband inklusive, in ein Mitglied der Rockband Kiss verwandelte - und nicht nur dem als Casanova verkleideten ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein die Show stahl. Nur die rausgestreckte Zunge fehlte, aber die konnte man sich dazu denken.
2012
Pleite-Söder
Das Nietenhalsband blieb, Amt und Outfit wechselten. 2012 überraschte Markus Söder, zum Finanzminister befördert, als Punk mit Piercings und Irokesen-Frisur. Dank des T-Shirt-Spruchs "Hast Du mal nen Euro?" schaffte er es in Zeiten der EU-Griechenland-Krise sogar aufs Titelblatt des amerikanischen Wall Street Journals. Ein politisches Statement? Oft beließ es Söder bei Andeutungen.
2013
Markus Monroe
"Es ist besser, absolut lächerlich zu sein als total langweilig." Dieses Zitat wird der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Marilyn Monroe zugeschrieben. Ob sich Markus Söder im Februar 2013 in Veitshöchheim daran orientierte? Langeweile kann man dem CSU-Politiker zumindest selten vorwerfen. Für Scham ist auf dem Weg nach oben keine Zeit. Für aufwendige Masken umso mehr.
2014
Grüner Unhold
"Der Seehofer-Shrek" schrieb der Spiegel mal in Anspielung auf Söders schwieriges Verhältnis zu seinem damaligen Chef. Tatsächlich machte Seehofer aus seiner Abneigung gegen den aufstrebenden Kollegen nie ein Geheimnis. Ob Seehofer Söders Verkleidung als Oger - laut Wikipedia-Definition ein "menschenähnlicher Unhold" - aus der Seele gesprochen hat?
2015
Franken-Gandhi
"Ich bin der Franken-Gandhi", sagte Söder bei der Fastnacht 2015. "Ich bin geduldig und friedlich auf einem langen Weg unterwegs." Dass er dabei eher nicht eine Versöhnung mit Dauerrivale Seehofer im Sinn hatte, sondern dessen Job? Kann man an Fasching schon mal durchgehen lassen. Die braune Farbe im Gesicht würde man heute aber wohl nicht mehr verzeihen, Stichwort "Blackfacing".
2016
Der, äh, Dings
Im Jahr darauf mimte Söder den, äh, Dings ... Edmund Stoiber. Im Kostüm des ehemaligen Ministerpräsidenten gab der Finanz- und Heimatminister seine Ambitionen unverhohlen zu verstehen und machte deutlich, in wessen Erbfolge er sich sah. "Ich bin und war schon immer Stoiberianer." Anders als Ministerpräsident Seehofer, der Söders Show trocken kommentierte: "Stoiber ist ja auch Vergangenheit."
2017
CSU-Homer
Mit passendem Look trat auch stets Karin Baumüller-Söder an Söders Seite auf, 2017 als Marge aus den "Simpsons"-Cartoons. Ihr Gatte, verkleidet als Homer, zeigte sich im Vorjahr zur Landtagswahl 2018 in Wahlkampflaune. "Homer Simpson würde CSU wählen", meinte Söder. Könnte stimmen – schließlich arbeitet der wahre Homer in einem Atomkraftwerk, die der CSU-Homer gerne länger laufen lassen würde.
2018
Der Herrscher
Wenige Wochen vor seiner Vereidigung als Ministerpräsident gelang Markus Söder einmal mehr ein denkwürdiger Auftritt. Der designierte Regierungschef erschien als Prinzregent Luitpold, der das Königreich Bayern mehr als 25 Jahre lang regierte und beim Volk sehr beliebt war. Nach seiner Amtseinführung versprach Söder zwar, er wolle maximal zehn Jahre im Amt bleiben. Doch dieses Versprechen hat er inzwischen kassiert. Könige kennen keine Amtszeitbegrenzung.
2019
Der Staatsmann
In den Jahren darauf verzichtete der Verkleidungskünstler zunächst auf schrille Outfits, schließlich hatte er die letzte Stufe seiner Verwandlung nun erreicht. Und so erschien Söder seit 2019 wie Vorgänger Horst Seehofer im schwarzen Smoking zur Fastnacht - allein die Fliege brachte etwas Farbe ins Spiel.
2023
Wer bist du denn?
Im Wahljahr 2023 gab Söder sein Kostüm-Comeback, wer würde sich die günstige Publicity denn entgehen lassen? Nur die Verkleidung als Ältester des Bayern-Stammes sorgte für etwas Irritation. Manche hielten Söder fälschlicherweise für Moses, der laut Bibel das Meer spaltete. Auch dem CSU-Politiker unterstellten böse Zungen daraufhin ein gewisses Talent für Spaltung.
2024
Söder erscheint als Kanzler
Der Minister war schon bunter und auffälliger unterwegs - 2024 trug er Uniform und ließ sich in Reichskanzler Otto von Bismarck verwandeln. "Strauß hat immer gesagt, in schweren Zeiten müssen die Bayern die letzten Preußen sein", begründete Söder seine Kostümwahl mit Verweis auf den ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. So sei das gedacht, "dass wir Preußen von Bayern aus helfen", sagte Söder. Bismarck sei zudem ein starker, durchsetzungsfähiger Staatsmann gewesen.
2025
Söder gibt den King - of Rock'n'Roll
Elvis Presley hätte in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert - ob das der Grund war für Markus Söder, sich in einen weißen Glitzerfummel und eine Tollenperücke mit langen schwarzen Koteletten zu schmeißen? Die markante Sonnenbrille jedenfalls sitzt, die Frisur hält auch - und der jüngst gepflegte Bart im Ministerpräsidentengesicht musste der Rasierklinge weichen. Lange schon habe er als Elvis gehen wollen, ließ er verlauten. Schon seit frühester Jugend sei er Fan des Rock'n'Roll-Pioniers aus Memphis, Tennessee. Na dann, "It's Now or Never".

2009
Alles Flocke
Jeder fängt mal klein an, und so war auch der damalige Umweltminister im Jahr 2009 noch lange kein Verkleidungsgenie. Statt eines aufwendigen Umstylings schlüpfte Söder in ein schlichtes Eisbären-Kostüm - in Anspielung auf das knuddelige Zootier, das in Söders Heimatstadt Nürnberg per Hand aufgepeppelt worden war. Mission: Publikumsliebling.

2010
Neuer Zauber
Während Kollegen wie Joachim Herrmann Jahr um Jahr im selben Kostüm auftauchten (als "schwarzer Sheriff") oder sich wie Horst Seehofer komplett verweigerten, liebt Söder das Spiel mit der Aufmerksamkeit - und verfeinerte schon im Folgejahr seinen Auftritt in Gestalt von Gandalf dem Weißen, dem Zauberer aus "Der Herr der Ringe". Ungeachtet der weißen Weste warf Seehofer Söder später einmal "Schmutzeleien" vor.

2011
Zunge raus
Söders Kostümparade geriet fortan immer knalliger. 2011 zog er in Veitshöchheim alle Blicke an, als er sich, Nietenhalsband inklusive, in ein Mitglied der Rockband Kiss verwandelte - und nicht nur dem als Casanova verkleideten ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein die Show stahl. Nur die rausgestreckte Zunge fehlte, aber die konnte man sich dazu denken.

2012
Pleite-Söder
Das Nietenhalsband blieb, Amt und Outfit wechselten. 2012 überraschte Markus Söder, zum Finanzminister befördert, als Punk mit Piercings und Irokesen-Frisur. Dank des T-Shirt-Spruchs "Hast Du mal nen Euro?" schaffte er es in Zeiten der EU-Griechenland-Krise sogar aufs Titelblatt des amerikanischen Wall Street Journals. Ein politisches Statement? Oft beließ es Söder bei Andeutungen.

2013
Markus Monroe
"Es ist besser, absolut lächerlich zu sein als total langweilig." Dieses Zitat wird der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Marilyn Monroe zugeschrieben. Ob sich Markus Söder im Februar 2013 in Veitshöchheim daran orientierte? Langeweile kann man dem CSU-Politiker zumindest selten vorwerfen. Für Scham ist auf dem Weg nach oben keine Zeit. Für aufwendige Masken umso mehr.

2014
Grüner Unhold
"Der Seehofer-Shrek" schrieb der Spiegel mal in Anspielung auf Söders schwieriges Verhältnis zu seinem damaligen Chef. Tatsächlich machte Seehofer aus seiner Abneigung gegen den aufstrebenden Kollegen nie ein Geheimnis. Ob Seehofer Söders Verkleidung als Oger - laut Wikipedia-Definition ein "menschenähnlicher Unhold" - aus der Seele gesprochen hat?

2015
Franken-Gandhi
"Ich bin der Franken-Gandhi", sagte Söder bei der Fastnacht 2015. "Ich bin geduldig und friedlich auf einem langen Weg unterwegs." Dass er dabei eher nicht eine Versöhnung mit Dauerrivale Seehofer im Sinn hatte, sondern dessen Job? Kann man an Fasching schon mal durchgehen lassen. Die braune Farbe im Gesicht würde man heute aber wohl nicht mehr verzeihen, Stichwort "Blackfacing".

2016
Der, äh, Dings
Im Jahr darauf mimte Söder den, äh, Dings ... Edmund Stoiber. Im Kostüm des ehemaligen Ministerpräsidenten gab der Finanz- und Heimatminister seine Ambitionen unverhohlen zu verstehen und machte deutlich, in wessen Erbfolge er sich sah. "Ich bin und war schon immer Stoiberianer." Anders als Ministerpräsident Seehofer, der Söders Show trocken kommentierte: "Stoiber ist ja auch Vergangenheit."

2017
CSU-Homer
Mit passendem Look trat auch stets Karin Baumüller-Söder an Söders Seite auf, 2017 als Marge aus den "Simpsons"-Cartoons. Ihr Gatte, verkleidet als Homer, zeigte sich im Vorjahr zur Landtagswahl 2018 in Wahlkampflaune. "Homer Simpson würde CSU wählen", meinte Söder. Könnte stimmen – schließlich arbeitet der wahre Homer in einem Atomkraftwerk, die der CSU-Homer gerne länger laufen lassen würde.

2018
Der Herrscher
Wenige Wochen vor seiner Vereidigung als Ministerpräsident gelang Markus Söder einmal mehr ein denkwürdiger Auftritt. Der designierte Regierungschef erschien als Prinzregent Luitpold, der das Königreich Bayern mehr als 25 Jahre lang regierte und beim Volk sehr beliebt war. Nach seiner Amtseinführung versprach Söder zwar, er wolle maximal zehn Jahre im Amt bleiben. Doch dieses Versprechen hat er inzwischen kassiert. Könige kennen keine Amtszeitbegrenzung.

2019
Der Staatsmann
In den Jahren darauf verzichtete der Verkleidungskünstler zunächst auf schrille Outfits, schließlich hatte er die letzte Stufe seiner Verwandlung nun erreicht. Und so erschien Söder seit 2019 wie Vorgänger Horst Seehofer im schwarzen Smoking zur Fastnacht - allein die Fliege brachte etwas Farbe ins Spiel.

2023
Wer bist du denn?
Im Wahljahr 2023 gab Söder sein Kostüm-Comeback, wer würde sich die günstige Publicity denn entgehen lassen? Nur die Verkleidung als Ältester des Bayern-Stammes sorgte für etwas Irritation. Manche hielten Söder fälschlicherweise für Moses, der laut Bibel das Meer spaltete. Auch dem CSU-Politiker unterstellten böse Zungen daraufhin ein gewisses Talent für Spaltung.

2024
Söder erscheint als Kanzler
Der Minister war schon bunter und auffälliger unterwegs - 2024 trug er Uniform und ließ sich in Reichskanzler Otto von Bismarck verwandeln. "Strauß hat immer gesagt, in schweren Zeiten müssen die Bayern die letzten Preußen sein", begründete Söder seine Kostümwahl mit Verweis auf den ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. So sei das gedacht, "dass wir Preußen von Bayern aus helfen", sagte Söder. Bismarck sei zudem ein starker, durchsetzungsfähiger Staatsmann gewesen.

2025
Söder gibt den King - of Rock'n'Roll
Elvis Presley hätte in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert - ob das der Grund war für Markus Söder, sich in einen weißen Glitzerfummel und eine Tollenperücke mit langen schwarzen Koteletten zu schmeißen? Die markante Sonnenbrille jedenfalls sitzt, die Frisur hält auch - und der jüngst gepflegte Bart im Ministerpräsidentengesicht musste der Rasierklinge weichen. Lange schon habe er als Elvis gehen wollen, ließ er verlauten. Schon seit frühester Jugend sei er Fan des Rock'n'Roll-Pioniers aus Memphis, Tennessee. Na dann, "It's Now or Never".