

41 Jahre ist es her, dass ein paar Kumpels aus der örtlichen Blaskapelle spontan den Faschingsball der DJK Windischeschenbach kaperten.
Sie zogen ein paar alte, ausrangierte Feuerwehruniformen an, schnappten sich die Leihinstrumente aus ihrem Proberaum, marschierten in den voll besetzten Saal und musizierten und sangen auf der Bühne einfach drauflos.
20 Jahre ist es her, dass die inzwischen als „Altneihauser Feierwehrkapell'n“ firmierende Combo aus der Oberpfalz zum ersten Mal beim TV-Quotenhit Fastnacht in Franken auftrat, wo sie seither zu den Publikumslieblingen gehört.
Zum letzten Mal werden die Altneihauser bei der Fernseh-Prunksitzung am 6. Februar in den Veitshöchheimer Mainfrankensälen die schrägen Feuerwehrler aus der Oberpfalz geben, mit angerußten Visagen, schiefen Helmen und schwarz (geschminkten) Zähnen. Dafür hat man sich immer viel Mühe gegeben.
Derb, aber herzlich, mit mal eleganten, mal grotesken Valentinaden angesiedelt zwischen Blödelei, Spott und Satire geht es bevorzugt, aber nicht ausschließlich gegen die Franken.
Norbert Neugirg bestätigte der SZ den Abschied und erließ eigens einen „letzten Befehl“, selbstverständlich in Reimform:


„Da verändern sich die Relationen.“
Auch einige Musiker sind in die Jahre gekommen und für alle sei es immer anstrengender und schwieriger geworden, Privat- und Berufsleben mit den Proben und Auftritten als Feierwehrkapell’n in Einklang zu bringen.
Neugirg war stets der einzige Profi im Team, der von seiner künstlerischen Arbeit als Komiker, Buchautor, Kolumnist und Moderator, aber auch dem Management der Band und einer von ihm mitgegründeten Ticketagentur lebte. Für alle anderen Musiker waren und sind die Altneihauser lediglich Hobby. „Wir sind einfach in die Jahre gekommen“, sagt Neugirg.
Ein großer Einschnitt und Tiefschlag war Ende 2020 der Tod von Christian Höllerer, ihrem „Ideengeber, Fotograf, Webmaster, Bühnenkollegen, Regisseur und Koordinator für das BR-Fernsehen“, wie die Band in einem Nachruf schrieb.
Seitdem schraubte die Feierwehrkapell’n die Zahl ihrer Auftritte merklich zurück. „Bis auf Weiteres kann die Kapelle keine Engagements mehr annehmen“, heißt es schon länger auf ihrer Internetseite.
Als bislang letzter Auftritt ist dort ein Gastspiel in einem Würzburger Hospiz im Februar 2025 verzeichnet. In Spitzenjahren seien es bis zu 80 im Jahr gewesen, sagt Norbert Neugirg.
In Zukunft werde man allenfalls „ab und zu noch bei privaten Feiern oder kleineren Firmenfesten auftreten, wobei wir immer abwägen müssen, ob wir eine spielfähige Besetzung zusammenbekommen.“
Der Humor des Oberpfälzers sei „eher grob und bissig und trocken“, hat Neugirg einmal gesagt, „er haut seine Sprüche einfach so ansatzlos raus“.
2018 sorgte das für einen heftigen Proteststurm im Nachgang der Veitshöchheimer TV-Fastnacht, wo sich die Altneihauser bei einem vermeintlichen Gag über Alter und Aussehen von Frankreichs Präsidentengattin Brigitte Macron ziemlich im Ton vergriffen hatten.
Fastnachtverband und BR hielten dennoch an ihnen fest.
2022 fehlten die Oberpfälzer pandemiebedingt in Veitshöchheim, weil sie wegen der Lockdown-Vorschriften in den Wochen vorher nicht ausreichend hatten gemeinsam proben können.
„Sie haben die Sendung 20 Jahre lang bereichert und tolle Programmpunkte geliefert“, sagt Frankens Fastnacht-Präsident Marco Anderlik.
„Deswegen hätten wir uns gewünscht, dass wir noch viele Jahre zusammenarbeiten, aber wir akzeptieren natürlich ihre Beweggründe.“ Anja Miller, Leiterin des für die Sendung zuständigen Studio Franken des BR, macht die Entscheidung „wehmütig, weil die Altneihauser Feierwehr über die Jahre ein ganz besonderer Teil der fränkischen Fastnachtfamilie geworden ist.“
2027 feiert die Fastnacht in Franken ihren 40. Geburtstag. Wer dann die Altneihauser ersetzen wird, steht noch nicht fest.