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Zypern:Doppelter Druck

Die EU sollte mehr tun, als nur die Türkei zu bestrafen.

Noch wird kein Erdgas gefördert in den umstrittenen Gebieten bei Zypern. Die Anrainer des östlichen Mittelmeeres sind noch dabei, mit Forschungsschiffen und Probebohrungen ihre Ansprüche zu untermauern. Sie stecken auf hoher See ihre Claims ab, ähneln dabei in ihrer Hast und Sturheit den Touristen an den Stränden des Mittelmeeres, die mit ihren Handtüchern die besten Liegen für sich zu reservieren versuchen.

Dass die EU hier im Konflikt zwischen Zypern und der Türkei zu ihrem Mitglied hält, ist selbstverständlich. Sie bezieht ihre Stärke daraus, dass sie nach außen hin zusammenhält wie eine streitlustige Sippe - wer mit einem Mitglied Stress hat, hat ihn mit allen. Daher sind die verhängten Sanktionen gegen Ankara richtig.

Klug wäre es aber, wenn die EU-Staaten ihren Partnern in Zypern intern ebenfalls Druck machen würden. Ankara argumentiert nicht zu Unrecht, dass auch die Bewohner Nordzyperns Ansprüche auf einen Teil der Gasvorkommen haben, dass die Wiedervereinigung der Inselteile bislang auch am Süden scheitert. Die EU-Mitglieder sollten versuchen, ihre Solidarität mit Nikosia im Gasstreit als Hebel zu benutzen, um einem Ende der Teilung der Insel näher zu kommen. Der Nutzen wäre für alle weit höher als die Einnahmen aus dem zu erwartenden Geschäft mit dem Erdgas.

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