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Sachsen:Weiße Rosen in Zwickau

Bundeskanzlerin Merkel besucht NSU-Gedenkort in Zwickau

Eine Rose für den getöteten Blumenhändler Enver Şimşek.

(Foto: Robert Michael/dpa)
  • Bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der NSU-Terrorgruppe hat Bundeskanzlerin Angela Merkel versprochen, alles zu tun, damit sich so etwas nicht wiederholt.
  • Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) forderte die Bevölkerung auf, gegen rechte Umtriebe im eigenen Umfeld vorzugehen.
  • Zwickau war der langjährige Wohnort des NSU-Terroristen. Ein Mahnmal war dort Anfang Oktober geschändet worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Mahnmal in Zwickau der Opfer der rechtsterroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gedacht. An der zum Gedenken an Enver Şimşek, dem ersten Opfer des NSU, neu gepflanzten Eiche im Zwickauer Schwanenteichpark legte Merkel am Montag eine weiße Rose nieder. Sie versprach im Beisein von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), "dass wir alles tun werden", damit sich "solche Dinge nicht wiederholen".

Der vorherige Gedenkbaum für den im Jahr 2000 in Nürnberg ermordeten Blumenhändler Şimşek war Anfang Oktober von Unbekannten gefällt worden. Am Sonntag war das neue Mahnmal in dem innerstädtischen Park in Zwickau eingeweiht worden. Es besteht nun aus insgesamt zehn Bäumen und Namenstafeln, die an die Opfer der Rechtsterroristen erinnern. Die Bundeskanzlerin rief in Zwickau auch zur Solidarität mit den Hinterbliebenen der Anschläge auf. Es sei "unsere Aufgabe", so Merkel, "dass diese Familien wieder ein gutes Leben in Deutschland führen können".

Eine Gruppe stört die Veranstaltung mit Sprechchören

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) forderte die Bevölkerung auf, gegen rechte Umtriebe im eigenen Umfeld vorzugehen. Im Freundes- und Bekanntenkreis fange es an, sagte Kretschmer: "Dort müssen wir widersprechen, wenn antisemitische, rechtsextremistische Thesen vertreten werden." Kretschmer forderte zudem ein klares Bekenntnis für demokratische Werte, auch mit Blick auf eine Gruppe von Protestierenden, die die Veranstaltung in einigen Hundert Metern Abstand mit "Merkel muss weg"-Rufen zu stören versuchte. In den letzten Monaten und Jahren habe man gesehen, wie aus Gedanken Worte und aus Worten Taten geworden seien. "Wir wollen für Anstand eintreten und denen die Grenze aufzeigen, die das anders sehen", sagte Kretschmer.

Auch Jakob Springfeld, Schüler eines Zwickauer Gymnasiums, legte mit Mitschülern eine weiße Rose am Gedenkbaum für Şimşek nieder. Springfeld, der die 12. Klasse besucht, sagte: "Wir hoffen, dass es nicht dabei bleibt, dass wir Bäume gepflanzt haben." Es gehe darum, die Diskussion weiterzuführen und Jugendlichen zu zeigen, "wie wichtig es ist, für die Demokratie einzustehen". Springfeld schlug vor, in Zwickau, dem langjährigen Wohnort der Terrorgruppe, ein NSU-Bildungs- und Dokumentationszentrum einzurichten. Der Schüler wolle so ein Signal aus der sächsischen Stadt senden: "Dass wir nicht nur ein Nazi-Problem haben, sondern dass wir auch dauerhaft für ein buntes Zwickau einstehen."

© SZ vom 05.11.2019/bepe
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