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Zweiter Weltkrieg:Wie die Ardennenschlacht tobte

Deutscher Soldat bringt gefangene US-Soldaten nach hinten, 1945

Westfront zur Jahreswende 1944/45: Bei Kämpfen im Gebiet der Ardennen in Gefangenschaft geratene amerikanische Soldaten werden unter Bewachung hinter die Front geführt. Rechts am Bildrand steht ein deutscher Panzer.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Ende 1944 bricht Hitlers Ardennenoffensive zusammen, der letzte Versuch Nazi-Deutschlands, das Blatt noch einmal zu wenden. Die deutschen Anfangserfolge überraschen die Allierten - und die Gräuel der SS schockieren die Amerikaner.

Von Monschau im sehr westlichen Nordrhein-Westfalen bis zu dem Dorf La Gleize in den belgischen Ardennen fährt man eine gute Stunde. Es geht durch viel Wald und vorbei an Wiesen und Feldern auf manchmal recht kurvigen, engen Straßen. Wenn einem ein LKW entgegenkommt, muss man aufpassen. La Gleize liegt in einer bukolischen Landschaft, die einen an alles Mögliche, aber nicht an Krieg denken lässt.

Das ändert sich schlagartig, wenn man durch den Ort fährt. Eine Kurve nach der Kirche steht rechts an der Straße ein stählernes Monstrum, ein in Grün- und Brauntönen getarnter Panzer, auf dessen Turm in großen Ziffern die Zahl 213 zu lesen ist. Das Ungetüm ist gewissermaßen ein Zeitzeuge: ein Tiger II, der am 21. Dezember 1944 in La Gleize sein letzes Gefecht kämpfte.

Ein Mythos, vor allem in den USA

Bis zu dem Dorf stießen damals die Panzer und Grenadiere der Waffen-SS unter ihrem Kommandeur Obersturmbannführer Jochen Peiper vor. Dort wurden sie von US-Truppen eingekesselt, was den Beginn des Endes der Ardennen-Offensive im Winter 1944/45 bedeutete.

Anders als fast alles andere große Militärgerät aus der Ardennenschlacht blieb der Tiger erhalten; seit Jahrzehnten ist er Mahnmal und Anziehungspunkt für Geschichtstouristen zugleich. In dem kleinen Museum ein paar Schritte von dem Stahlungetüm entfernt lässt sich erahnen, was sich in den Dezember- und Januartagen vor 70 Jahren in den Ardennen abspielte.

Und jenseits aller Taktik und Strategie macht gerade auch der Tiger 213 noch heute deutlich, warum die Deutschen bei ihrer letzten großen Militäroperation im Westen, einem Versuch der Verzweiflung, scheitern mussten: Für die Kolonnen von Wehrmacht und Waffen-SS waren schon, ganz ohne die Gegenwehr der Amerikaner, die Straßen in den Ardennen zu eng, die Brücken zu wenig tragfähig, der Boden jenseits der engen Straßen zu nass und zu weich, die Spritvorräte zu gering - ein Tiger II, 67 Tonnen schwer, kam mit 860 Litern Tankinhalt keine 150 Kilometer weit.

Obwohl, oder vielleicht: weil die Ardennenoffensive von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, wurde sie vor allem in den USA zu einem Mythos. Für die Amerikaner war The Battle of the Bulge, die Ausbuchtungs-Schlacht, eine blutige Überraschung, weil man die Deutschen eigentlich schon für geschlagen hielt. Die Kapitulation zweier US-Infanterieregimenter am 19. Dezember in der Gegend von St. Vith, bei der sich fast 7000 Mann den Deutschen ergaben, gilt als die größte einzelne Niederlage der Amerikaner im Westen, seitdem sie am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet waren.

Die Verteidigung von Bastogne wiederum, das von den deutschen Angreifern zwischen dem 19. Dezember und dem 6. Januar mit großen Verlusten belagert, aber nie eingenommen wurde, ging als Heldengeschichte sogar in die Rockmusik ein: Bruce Springsteen nahm in seinem Song "No surrender", Keine Kapitulation, Bezug auf die Belagerung von Bastogne: Like soldiers in the winter's night / with a vow to defend / no retreat, no surrender (wie Soldaten in der Winternacht / mit dem Schwur zur Verteidigung / kein Rückzug, keine Kapitulation).

Mit Ausnahme der Invasion vom Juni 1944 gibt es über kein anderes Ereignis auf dem europäischen Kriegsschauplatz in den USA bis heute so viel Bücher, Filme und Artikel wie über die Battle of the Bulge. Das hat wohl auch damit zu tun, dass diese wochenlange Schlacht anfangs an manchen Orten für die Amerikaner so bedrohlich aussah, dass zumindest eine taktische Niederlage möglich zu sein schien.