Ein Bild und seine Geschichte:Im Mai 1945 gingen die Helden von Iwo Jima auf Werbetour durch die USA

Iwo Jima - Markstein auf dem Weg zu Japans Niederlage

Ira Hayes (ganz rechts) betrachtet zusammen mit dem amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman (3. von rechts) und Finanzminister Henry Morgenthau (2. von links) im April 1945 ein Gemälde. Es zeigt, wie die amerikanische Flagge auf Iwo Jima gehisst wird, und wirbt für den Kauf amerikanischer Kriegsanleihen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch nicht nur das Foto, auch die abgebildeten Soldaten sollten auf Wunsch von Präsident Franklin D. Roosevelt in den USA für die Finanzierung des Krieges werben. Ira Hayes und die beiden anderen überlebenden Flagraisers wurden von der Front zurückgerufen. Am 20. April empfing sie Präsident Harry Truman (Roosevelt war eine Woche zuvor gestorben) im Weißen Haus.

Am 10. Mai hissten die Helden von Iwo Jima die eigens eingeflogene Originalflagge auf dem Kapitol in Washington, um den Sieg über Nazi-Deutschland zu feiern. Einen Tag später enthüllten sie eine Gipsnachbildung der Szene auf dem Times Square in New York. Von dort aus gingen die Überlebenden von Iwo Jima auf Werbetour, durch 42 Städte der USA.

Ira Hayes' Spitzname: Chief Falling Cloud

Ira Hayes war die ideale Figur, um zu einem amerikanischen Helden gemacht zu werden. Er war ein amerikanischer Ureinwohner vom Stamm der Pima, geboren wurde er in einem Reservat in Arizona. Mit 19 Jahren brach er die Schule ab und meldete sich freiwillig zu den Marines. Dort wurde er zum Fallschirmjäger ausgebildet. Sein Spitzname in der Truppe: Chief Falling Cloud, Häuptling Fallende Wolke.

Hayes verkörperte nicht nur den Sieg und den Durchhaltewillen der Nation. Er, der im Reservat geborene Indianer, sollte das Gesicht einer vielfältigen Gesellschaft sein, in der der Krieg alle Schranken verwischt.

Doch mit der Rolle als Posterboy der amerikanischen Kriegspropaganda kam Ira Hayes nicht zurecht. "Ich drehte durch bei dem Gedanken an alle meine guten Kameraden", soll er einmal gesagt haben. "Sie waren bessere Männer als ich und sie kommen nicht zurück. Schon gar nicht ins Weiße Haus, so wie ich." Keiner der sechs Flagraisers war älter als 25 Jahre, als das Foto geschossen wurde.

Nach dem Krieg kehrte Hayes als hochdekorierter, 23-jähriger Weltkriegsveteran in das Reservat in Arizona zurück. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Und er trank. 52 Mal soll er wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit festgenommen worden sein.

Auf die Frage, wie ihm der Trubel gefalle, antwortete Hayes: "Er gefällt mir nicht."

Hayes blieb ein Held, der keiner sein wollte. Touristen stöberten ihn im Reservat auf und fragten Hayes, ob er der Indianer sei, der in Iwo Jima die Flagge gehisst hatte. Er wurde auf Empfänge geladen, schüttelte die Hände von Humphrey Bogart und Lauren Bacall und spielte in dem Film "Sands of Iwo Jima" sich selbst. Zusammen mit den beiden anderen Überlebenden hisste er für die Kamera die Originalflagge, die auch diesmal eigens eingeflogen wurde. Die Hauptrolle spielte John Wayne.

Am November 1954 saß Hayes auf der Ehrentribüne, als neben dem Nationalfriedhof in Arlington, Virginia das Denkmal für die gefallenen Marines eingeweiht wurde: eine 24 Meter hohe Bronzenachbildung des Fotos von Joe Rosenthal. Ira Hayes' bronzenes Ebenbild maß wie das der anderen fünf Soldaten zehn Meter. Nach der Zeremonie fragte ein Reporter Hayes, wie ihm der Pomp und der Trubel gefalle. Hayes antwortete: "Er gefällt mir nicht."

Drei Monate später war Hayes tot. Er wurde nach einer durchzechten Nacht in der Nähe seiner Hütte gefunden. Hayes starb mit 32 Jahren, wahrscheinlich an Unterkühlung und einer Alkoholvergiftung. Am 2. Februar 1955 wurde Ira Hayes mit militärischen Ehren auf dem Nationalfriedhof in Arlington beigesetzt.

© sz.de/kjan
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