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Zwangsarbeit:Steht endlich auf!

Viel zu spät arbeiten deutsche Firmen ihre NS-Vergangenheit auf.

Früher war alles besser, so heißt es gerne. In Bezug auf die deutsche Wirtschaft ist das mindestens doppelt falsch. Zum einen haben etliche Unternehmen in der Nazi-Zeit Zwangsarbeiter ausgebeutet. Zum anderen haben sich die Täter und ihre Kinder dem Reden darüber lange versperrt, trotz des richtigen Drängens der 68er-Bewegung.

Vor 20 Jahren erst haben deutsche Unternehmen begonnen, auch öffentlich einzugestehen, dass da in ihren Zentralen völlig ehrlose Männer herrschten. 6500 deutsche Unternehmen zahlten insgesamt fünf Milliarden D-Mark in die NS-Zwangsarbeiter-Stiftung namens "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" ein. Und immer noch kommen Untaten ans Tageslicht, wird frisches Geld gezahlt. Für alles Aufarbeiten gilt: Besser spät als nie.

Was aber weiterhin ausgeblendet wird: Der heutige Erfolg früherer NS-Betriebe gründet auch auf dem Leid von Zwangsarbeitern. Deswegen stehen vor allem Traditionsfirmen mit Nazi-Historie dauerhaft in der höchsten moralischen Pflicht, dass sich derlei niemals wiederholen kann. Deswegen müssen reiche Erben wie angestellte Topmanager endlich zu den größten und lautesten Vorkämpfern werden für Demokratie, Menschenwürde und Gerechtigkeit. Europa, China, Afrika, Amerika - jeden Tag gibt es überall Anlass für aufrechte Haltung.