Zuwanderungsdebatte:Auswanderungswelle der Mediziner

Mediziner, die diese Praxis ablehnen, gehen ins Ausland - nach Zahlen des Ärzteverbandes seit 2007 mindestens 13.000. Allein in Deutschland sind mittlerweile gut 2900 rumänische Ärzte registriert. Bulgarische Mediziner sind ähnlich ausreisewillig. Nach einer Umfrage der Medizinischen Universität von Sofia planen mehr als vier Fünftel der neuen Ärzte auszuwandern.

Rumänien und Bulgarien verlieren dadurch Milliarden, die zuvor in die Ausbildung der Ärzte gesteckt wurden. Freilich überweisen die Auswanderer auch Geld in die Heimat. In Bulgarien waren es 2013 fast 1,5 Milliarden Euro, knapp drei Prozent der Wirtschaftsleistung; in Rumänien rund drei Milliarden Euro, das entspricht zwei Prozent der Wirtschaftsleistung.

Das Geld fließt nicht nur in den Konsum, sondern auch in eine bessere Erziehung der zu Hause gebliebenen Kinder oder den Aufbau kleiner Geschäfte. Die ebenfalls stark alternden Gesellschaften Bulgariens und Rumäniens zahlen einen hohen Preis, wenn viele der Leistungsfähigsten gehen.

Nicht nur die Krankenhäuser verlieren Fachkräfte. Auch Baufirmen oder Textilfabriken, Sägewerke oder Hotels haben in Rumänien und Bulgarien mittlerweile die größten Probleme europaweit, Personal zu finden. Das ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung Manpower.

Schwarzer Humor in Sofia

Die Regierung in Bukarest versucht schon seit 2008, ausgewanderte Rumänen zur Heimkehr zu bewegen. etwa mit Jobmessen. Der Erfolg ist mäßig. Die Abwanderung der Besten nimmt nach Ansicht der Forscherin Eva Militaru sogar zu, es gebe eine "vierte Auswanderungswelle". Sofias Tageszeitung 24 Stunden berichtete im Oktober über eine Umfrage, wonach 27 Prozent der Bulgaren bereit seien, ihr Land zu verlassen.

Einer anderen Erhebung zufolge überlegen 200 000 Bulgaren (knapp fünf Prozent der Gesamtbevölkerung), ihr Glück nach dem 1. Januar in anderen EU-Ländern zu versuchen. 85 Prozent dieser Auswanderungswilligen sind unter 40, drei Viertel haben Abitur oder Hochschulabschluss. Gehen sie wirklich, profitieren ihre neuen Aufnahmeländer.

In Sofia, so scherzen junge Bulgaren mit schwarzem Humor, gebe es zwei Wege aus der Krise - Terminal 1 und Terminal 2 des Flughafens.

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