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Premier Monti:Italien will den Sanierer behalten

Auf ihn konzentrieren sich die Hoffnungen der Berlusconi-Gegner trotz seines angekündigten Rücktritts: Premier Mario Monti (hier in Rom mit dem Petersdom im Hintergrund). 

(Foto: AFP)

Wird Silvio Berlusconi jetzt tatsächlich die Chance erhalten, in Italien noch einmal Chaos anzurichten? Vielen bereitet das Sorgen. Sie hoffen, dass Premier Monti trotz seiner Rücktrittsankündigung nach der Wahl doch noch irgendwie weitermacht. Dafür gibt es mehrere Pläne.

"Einen schönen Tag noch" - mehr konnten die Reporter Mario Monti nicht entlocken, die ihn beim Sonntagsspaziergang in Mailand verfolgt hatten, um herauszufinden, was ganz Europa dringend wissen möchte: Wird der Mann, der als Regierungschef Italien und die EU in den vergangenen 13 Monaten vor dem drohenden Staatsbankrott seines Landes bewahrt hat, nächstes Jahr aus der Politik verschwinden? Oder kann man weiterhin auf ihn setzen?

In Italien überschlagen sich die Spekulationen, und bei den Staatschefs Europas vertiefen sich die Sorgenfalten bei der Aussicht, dass Ex-Premier Silvio Berlusconi wieder Chaos anrichten könnte.

Mario Monti selbst, dem aufgeregte Gesten wesensfremd sind, hat sich nach der Ankündigung seines Rücktritts erst einmal einen Tag Ruhe gegönnt. Das Privatleben der Familie Monti ist so unspektakulär und bürgerlich, dass Italiens Klatschpresse es längst resigniert als für sie uninteressant bezeichnet hat. In Mailand besuchte der praktizierende Katholik Monti also mit seiner Frau die Sonntagsmesse in der Kirche San Piero in Sala und schlenderte anschließend mit Tochter Federica noch ein bisschen durchs Viertel. Dabei wirkte er gelassen, fast ein wenig befreit. Zu Hause soll währenddessen das Telefon heiß gelaufen sein.

Für den Wirtschaftsprofessor, der in der Regel ein paar Schritte vorausdenkt und möglichst sämtliche Einflussfaktoren einkalkuliert, gibt es jetzt eine Reihe von Optionen. Doch darüber wird er persönlich wohl kein Wort verlieren, im komplizierten italienischen Politikspiel gibt es viele Gründe, seine Absichten nicht frei heraus publik zu machen. Zudem weiß er, dass jedes seiner Worte präzise gewogen und seziert werden wird. Noch kein klares Resultat solcher Untersuchungen liegt vor für das, was er sagte, als er Staatspräsident Giorgio Napolitano von seinem Rücktrittsentschluss informierte - er fühle sich jetzt politisch freier. Ob Monti damit nur sein Regierungshandeln in den verbleibenden zwei, drei Wochen gemeint hat, wird weiter gerätselt. Denn kategorisch ausgeschlossen haben soll er es beim Präsidenten jedenfalls nicht, dass er doch eine politische Aufgabe übernehmen wird.

Staatspräsident Napolitano würde Monti gerne als Nachfolger sehen

Sicher ist nur: Die meisten Italiener wollen, dass Mario Monti weiter daran arbeiten soll, Italien zu sanieren. Ungewöhnlich deutlich hat sich zum Beispiel der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz geäußert. Auch wenn Kardinal Angelo Bagnasco weder den Namen Montis noch den von Berlusconi aussprach, war klar, was er sich wünscht: "Die Opfer, die in einem Jahr gebracht worden sind, darf man nicht dem Verderben überlassen", sagte der Kardinal, und: "Wenn jemand glaubt, er könne sich irgendwie einrichten, während das Haus brennt, ist das unverantwortlich."

Theoretisch könnte Monti als Regierungschef der Kandidat einer Partei oder einer Wahlliste werden. Er könnte auch wieder als parteiloser Regierungschef vom Parlament gewählt werden, wenn dort kein anderer Kandidat eine Mehrheit bekommt oder aber ausreichend viele Abgeordnete sich auf ihn verständigen. Als Minister könnte er dann in die nächste Regierung berufen werden, aber er gilt auch als Kandidat für das höchste Staatsamt: Die Amtszeit von Präsident Giorgio Napolitano endet Mitte Mai 2013, und Napolitano gehört wohl zu denen, die Monti nicht ungern als seinen Nachfolger sehen würden.

Und genau deshalb ist die Lage so unübersichtlich und jede seiner Bewegungen so heikel, denn nicht alle Optionen sind miteinander zu verbinden. Die christdemokratische Partei UDC des umtriebigen Pierferdinando Casini arbeitet schon seit Monaten darauf hin, dass Mario Monti der Kandidat für das Amt des Premierministers wird. Luca di Montezemolo, Verwaltungsratsvorsitzender von Ferrari, trommelt für eine Wahlliste, auf der Monti ganz oben stehen soll. Und noch ein Mann mit bekanntem Namen hat Großes vor. Der in größtem Krach aus Berlusconis Partei geschiedene Präsident des Abgeordnetenhauses, Gianfranco Fini, will Monti mit seiner kleinen Partei FLI unterstützen. Es ist ein gemäßigtes, liberal-konservatives Lager, das darauf hofft, dass Monti endlich Ja sagt.