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Zum Tod von Peter Struck:Einst ausgemustert, dann Verteidigungsminister

Doch dann musste er doch ins Kabinett, nachdem Gerhard Schröder 2002 Verteidigungsminister Rudolf Scharping entlassen hatte. Ausgerechnet Struck, der wegen Augenproblemen ausgemustert worden war. Ausgerechnet Struck ließ sich von Gerhard Schröder in die Pflicht nehmen, der ihn Jahre vorher mal als Mittelmaß tituliert hatte. Aber Struck war loyal. Und Schröder wusste es zu schätzen. Nur einmal hat der Minister den Kanzler hinters Licht geführt, als er ihm (und auch der Öffentlichkeit) ausrichten ließ, sein Schlaganfall sei nur ein Kreislaufkollaps gewesen.

Als Verteidigungsminister entließ er ohne viel Federlesens suspekte Traditionalisten aus der Bundeswehr, was ihm Respekt verschaffte. Vor allem aber prägte er den Satz, Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt. Er selbst hat sich stets gewundert, dass man ihm diese Doktrin einfach durchgehen ließ.

In der großen Koalition wurde Struck wieder Fraktionschef. Er musste den Laden im ungeliebten Bündnis mit der Union zusammenhalten. Mit seinem Kollegen Volker Kauder entstand eine Freundschaft. Mit Angela Merkel nicht, dafür aber eine Beziehung zweier Politiker mit offenem Visier. Er schätze an Merkel, dass man mit ihr "richtig heftig" streiten könne. "Aber danach war Schwamm drüber und gut."

Peter Struck hat einige Male aufgehört, aber er hat nie ganz losgelassen. Man könnte auch sagen, es hat ihn nicht losgelassen. Struck hat Ämter abgegeben und Mandate, aber er wollte nicht aufhören zu arbeiten, nicht aufhören, politisch zu arbeiten, wenn auch nicht mehr als Politiker. Erst am vergangenen Montag wurde Struck mit 69 Jahren erneut zum Vorsitzenden der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gewählt.

Er hatte über all die Jahrzehnte einen Schlaganfall und zwei Herzinfarkte. Der Mann hätte sich auch mal schonen können, ja müssen. Aber das wollte er nicht. Einem dritten Herzinfarkt ist er am Mittwoch erlegen.