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Zukunft der Tea Party:Führung zeigen oder Außenseiter bleiben

Auch der wiedergewählte Senator Jim DeMint aus South Carolina warnt davor, sich im Kongress zu sehr anzupassen. Im Wall Street Journal rät er seinen frisch gewählten Kollegen, den Prinzipien der Tea Party treu zu bleiben. "Das Establishment wird versuchen, eure Stimmen zu kaufen, bevor es eure Philosophie von weniger Staat übernimmt", schreibt er.

Von DeMint wird erwartet, dass er den inoffiziellen Posten des Tea-Party-Sprechers im Senat übernimmt. Dieselbe Rolle im Repräsentantenhaus wird möglicherweise Michele Bachmann übernehmen, die dort bereits eine Tea-Party-Gruppierung gegründet hat. Bachmann hat auch schon ihren Anspruch auf eine der Führungspositionen im Repräsentantenhaus angemeldet.

Was wie eine weitere Stärkung des Tea-Party-Einflusses aussieht, könnte aber ein Stolperstein für die Bewegung sein. Sie ist die vergangenen zwei Jahre auf der Wutwelle geritten und hat sich als Gegenmodell zur Hauptstadt Washington inszeniert - übernimmt ihr Personal nun politische Posten, geht ihnen das Außenseiterargument für die nächste Wahl verloren.

Doch auch Totalopposition ist eine riskante Strategie für die neuen Kongressmitglieder. Ihre Anhänger geben in Umfragen an, was sie am meisten an Washington störe, sei, "dass dort nicht an Lösungen für unsere Probleme gearbeitet wird".

Zeigen die Tea-Party-Politiker tatsächlich den Willen zur Zusammenarbeit, sind Konflikte ebenfalls programmiert - und zwar schon, bevor sich Republikaner und Demokraten zusammensetzen. Für die Abschaffung der Steuerbehörde, wie sie Senator Rand Paul aus Kentucky fordert, oder die Streichung von Sozialhilfe, wie es ebenfalls einige der neuen Kongressmitglieder anstreben, gibt es nicht einmal im republikanischen Lager Mehrheiten.

Für die Demokraten und ihren Präsidenten Barack Obama sind das keine allzu schlechten Nachrichten. Zwar ist es auch für das Weiße Haus ein Problem, wenn in den nächsten zwei Jahren kaum Gesetzesvorhaben den Kongress passieren. Doch wenn Obama die Möglichkeit hat, die in sich und mit der Tea Party zerstrittenen Republikaner dafür verantwortlich zu machen - dann kann er sich bei diesen für seine Wiederwahl bedanken.

© sueddeutsche.de/mikö

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