Zukunft der Piratenpartei Vorsichtig sein oder draufhauen?

Lustvoll tut sie das, was Nerz sich verkneift: Ihre Meinung sagen. Zum Wirtschaftsprogramm zum Beispiel. "Ich bin ja sehr links", beginnt Schramm. Wie bitte, links? Lehnen Piraten nicht die Einteilung in links und rechts ab? Sie zuckt mit den Schultern. "Ich bin für eine Demokratisierung der Wirtschaft. Das ist eine klassische linke Forderung." Damit sei sie Teil des "radikalen" Flügels der Partei, sagt sie.

Bundesparteitag der Piraten in Bochum

Laptops, Stimmzettel und Strickzeug

Schramm gestikuliert, lacht laut. Erst vor wenigen Wochen ist sie von einem selbst für Piraten historisch lang anmutenden Shitstorm weggeweht worden. Davon merkt man nichts mehr.

Sie blickt zurück: "Die Vorstandsarbeit hat mir gut gefallen, ich glaube, dass ich in der Verwaltung einen guten Job gemacht habe. Das war mir wichtig zu beweisen", sagt sie. "Aber ich bin kein Berufspolitiker und möchte es auch nicht sein." Um sie herum sei ein "negativer Personenkult" entstanden, das vertrage sich nicht mit dem piratigen "Themen statt Köpfe". Schramm sagt: "Ich will nicht, dass die Leute Dinge mit meinem Kopf assoziieren. Da musste ich den Druck rausnehmen."

Inzwischen hat sie wieder ganz in ihre alte Rolle zurückgefunden - als Stachel im Fleisch der Partei. "Gerade stänkere ich wieder für eine Quote", sagt sie und klingt stolz dabei.

Der besonnene Nerz, die impulsive Schramm: Sie stehen in ihrer Unterschiedlichkeit für eine Entscheidung über den Weg der Partei, die noch lange nicht getroffen ist. Sollen sich die Piraten bis zu einem gewissen Maß an das politische System anpassen - oder konsequent die Regeln brechen? Sollen sie die Regeln des Spiels akzeptieren - oder tun, worauf sie Lust haben? Vermitteln oder provozieren? Vorsichtig sein oder draufhauen? All diese kleinen Fragen lassen sich zu einer großen zusammenfügen: Wie wollen die Piraten arbeiten?

An diesem Bundesparteitag zeigt sich dieses unterschiedliche Politkverständnis in einem Antrag: jenem über die Einführung einer ständigen Mitgliederversammlung. Geht es nach den Antragstellern, soll die Parteibasis künftig auch zwischen den Parteitagen online über Positionspapiere abstimmen dürfen - gerade in Hinblick auf einen möglichen Einzug der Partei in den Bundestag.