Bayern:Ermittlungen gegen Bahnmitarbeiter

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Bayern: Die umgekippten Wagen wurden zerteilt und auf Tiefladern abtransportiert.

Die umgekippten Wagen wurden zerteilt und auf Tiefladern abtransportiert.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen interessiert sich die Staatsanwaltschaft auch für geplante Arbeiten auf der Strecke.

Von Matthias Köpf, München

Nach dem tödlichen Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen, bei dem am Freitag fünf Menschen ums Leben gekommen sind, hat die Staatsanwaltschaft in München II Ermittlungsverfahren gegen drei Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Es handele sich dabei bisher nur um einen Anfangsverdacht, sagte eine Sprecherin am Dienstag.

Ermittlungen wie diese gehören nach Zugunglücken zur Routine. Sie richten sich in der Regel zunächst gegen Lokführer und Fahrdienstleiter. Nach dem Unglück vom Freitag deutete bisher aber wenig auf menschliches Versagen oder schuldhaftes Verhalten des Lokführers oder des Fahrdienstleiters hin. Stattdessen sind schnell mögliche technische Ursachen wie Defekte an Rädern, Fahrgestellen oder den Schienen in den Blick geraten. In diesem Zusammenhang könnten die Ermittlungen gegen den dritten DB-Mitarbeiter stehen, bei dem es sich nach SZ-Informationen um eine Person handelt, die innerhalb des Bahnkonzerns Verantwortung für den Zustand der Strecke trägt. Die Deutsche Bahn, die sich dazu aktuell nicht äußert, hatte vor einiger Zeit in einer sogenannten Baustelleninformation angekündigt, in wenigen Wochen an zwei Stellen in der Nähe des Unglücksorts Gleise zu erneuern oder deren Lage nachzujustieren. Auch solche "Gleislageberichtigungen" gelten bei der Bahn aber als nahezu alltäglich.

Während die Behörden keine weiteren Details zu ihren Ermittlungen nennen, hat die Polizei am Dienstag einige Angaben zu den fünf Todesopfern präzisiert. Demnach sind bei dem Unfall ein 13 Jahre alter Jugendlicher aus dem Raum Garmisch-Partenkirchen und vier Frauen umgekommen. Zwei 30 und 39 Jahre alte Frauen stammen aus der Ukraine, sie waren mit ihren Kindern vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. Eine getötete 51-Jährige kommt aus Wiesbaden, eine 70 Jahre alte Frau aus dem Landkreis München. Den Zustand einer 34 Jahre alten Verletzten beschrieb die Polizei auch am Dienstag noch als "kritisch". Insgesamt wurden nach jüngster Zählung mehr als 40 Menschen verletzt, 15 davon schwer. Die Polizei hat nach eigenen Angaben 140 Fahrgäste des Zuges registriert, Vermisste gebe es in diesem Zusammenhang nicht mehr.

Vier der fünf Waggons des komplett entgleisten Regionalzugs wurden inzwischen abtransportiert. Den vordersten, wieder aufs Gleis gesetzten Doppelstockwagen mit dem Führerstand hat eine Lok abgeschleppt. Schwere Kräne hoben die drei folgenden Waggons aus dem Graben, in den sie vom Bahndamm gekippt waren, ein Bagger zerteilte sie für den Abtransport auf Tiefladern. Nur der letzte Waggon und die Lok, die den Unglückszug Richtung München geschoben hatte, stehen weiterhin auf dem Bahndamm. Der Zugverkehr wird noch für längere Zeit unterbrochen sein. Die A95, die am Freitag schon weit nördlich von Garmisch-Partenkirchen gesperrt worden war, ist seit Dienstag wieder frei. Am Samstag soll es in Garmisch-Partenkirchen einen Gedenkgottesdienst für die Toten mit dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx und dem evangelischen Regionalbischof Christian Kopp geben.

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