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Zentralafrikanische Republik:Jeder Fünfte flieht vor der Gewalt

Zentralafrikanische Republik: Mit Knüppeln und Pfeil und Bogen bewaffnete christliche Milizen nahe des Flughafens in Bangui

(Foto: AFP)

Verzweifelte Flüchtlinge kampieren sogar auf dem Flughafen: Nach fast einem Jahr Bürgerkrieg ist die Lage der Menschen in der Zentralafrikanischen Republik verheerend. Die Europäer überlegen derweil, ob sie die französische "Operation Sangaris" mit einer eigenen Mission unterstützen. Doch Berlin schmollt.

Eine solche Flüchtlingskatastrophe dürfte einmalig sein. Nicht im Busch oder einer entlegenen Wüste, sondern auf einem internationalen Flughafen kampieren rund 100.000 Menschen, unter Flugzeugwracks oder unter freiem Himmel. Sie sitzen auf dem Gras, teils direkt am Rande der Rollbahn, unübersehbar für jeden Staatschef oder Reporter, der hier einreist. Die meisten leben am Südrand des Terminals, in riesigen Zeltstädten. Es sind Bewohner der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui, die um ihr Leben fürchten. Und am Nordende des Flughafens, getrennt von den Flüchtlingen durch einen Stacheldrahtzaun, steht die französische Armee - die 1600 Mann starke "Operation Sangaris", die seit dem 5. Dezember in der Zentralafrikanischen Republik für Ordnung sorgen soll.

Das Flüchtlingslager ist innerhalb von nur einem Monat auf diese enorme Größe angewachsen, weil bei Kämpfen zwischen christlichen und muslimischen Milizen in dem scheiternden Staat allein seit Dezember 1000 Menschen getötet worden sind. So entfaltet sich eine Flüchtlingskatastrophe, die weltweit nur noch von Syrien übertroffen wird. Jeder fünfte Bürger des Landes ist bereits auf der Flucht, schätzten die UN, insgesamt eine Million Menschen.

Präsident "unfähig" und "machtlos"

Die alte Ordnung löste sich vor neun Monaten auf, als die überwiegend muslimische Séléka-Miliz die Regierung von Präsident François Bozizé stürzte. Eine neue Ordnung hat sich seither nicht eingestellt. Der neue Präsident von Sélékas Gnaden, Michel Djotodia, residiert in einem Militärlager in Bangui und hat kaum Einfluss, "unfähig" und "machtlos" hat ihn der Generalsekretär der Regionalorganisation Eccas deshalb am Donnerstag offen genannt, als die zehn Mitgliedsländer der Regionalorganisation in Tschad einen Krisengipfel abhielten. Politiker in einer solchen Lage sollten "den Platz frei machen für andere, die einen besseren Job machen können".

Die zehn Eccas-Partnerländer diskutierten auch darüber, was nach Djotodia kommen könnte. Etwa könnte der Premierminister beauftragt werden, die Staatsgeschäfte bis zu einem Wahltermin zu führen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf französische Diplomatenkreise. Doch besteht die Gefahr, dass so erst recht neue Machtkämpfe heraufbeschworen würden. Zwar sind auch bereits 4000 Soldaten der afrikanischen Eingreiftruppe Misca im Land. Aber zuletzt waren die muslimischen Truppen aus Tschad dem Vorwurf ausgesetzt, sie ergriffen Partei - ebenso wie die christlichen aus Burundi.