Die meisten Menschen sagen einem nicht ins Gesicht, wenn sie das, was man beruflich macht, spröde finden. Leider! Denn immer, wenn mein Gegenüber bei der Beschreibung meines Arbeitsalltags zwischen Ukraine-Krieg, Haushaltsdebatten und US-Irrsinn mit glasigem Blick in die Ferne starrt, ist er gekommen, mein Moment! Eine kleine Vorwarnung: Wenn Sie mit Pathos nichts anfangen können, lesen Sie nicht weiter.
In der Nachrichtenredaktion der Süddeutschen Zeitung arbeiten wir an nicht weniger als dem pulsierenden Herzen unserer Redaktion. Wir sind die Ersten, auf deren Bildschirmen die Agentur-Eilmeldungen aufscheinen, wenn Putin beschließt, die Ukraine zu überfallen, die, die sofort in die Tasten hauen, wenn die Regierungskoalition zerbricht, die, die Ihnen Wahlergebnisse in Sekundenschnelle auf Ihr Smartphone schicken und die einen Liveblog aufsetzen, wenn die Kugel eines Attentäters Trumps Kopf nur um Haaresbreite verfehlt.
Dann suchen wir nach zweiten Quellen, checken Informationen, funken unsere Korrespondenten an und versuchen, passende Worte zu finden, um das bis dahin Undenkbare verständlich, anspruchsvoll und unter Wahrung journalistischer Standards zu Ihnen auf die Bildschirme zu bringen. Und das im Schichtbetrieb am Expressdesk, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Unser ständiger Begleiter: das Ticken der Uhr. Und immer wieder auch: Adrenalin im Blut, Fokus im Kopf. Es ist eine Arbeit, die süchtig machen kann. Eine Arbeit, die auf manche banal wirkt, weil sie sich mit dem vermeintlich Basalsten befasst, was der Journalismus zu bieten hat. Und doch gibt sie den Takt vor, für alles, was folgt: hintergründige Analysen, mitreißende Reportagen, starke Meinungsstücke. All das schubst es an, dieses kleine, unscheinbare Ding: die Nachricht.
