Zeitumstellung:Die Stunde Europas

Den EU-Ländern droht wieder ein Flickenteppich aus Zeitzonen. Deshalb: Sommerzeit ganzjährig für alle!

Von Ann-Kathrin Eckardt

Wie der Beipackzettel eines umstrittenen Medikaments liest sich die Liste der möglichen Nebenwirkungen: Schlafrhythmusstörungen, Konzentrationsprobleme, Verdauungsstörungen, erhöhtes Risiko von Fehlgeburten, Herzinfarkten, Schlaganfällen. Das Medikament wurde in seiner jetzigen Form 1980 in Deutschland eingeführt, um den Energieverbrauch der Menschen zu senken. Sein heutiger Name: CEST, Central European Summer Time.

So gesehen ist das glasklare Votum bei einer EU-Umfrage zur Zeitumstellung gar nicht so verwunderlich: Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer sprachen sich gegen das ständige Hin und Her aus, eine große Mehrheit plädierte für eine ganzjährige Sommerzeit. Viel erstaunlicher ist jedoch eine andere Zahl: 4,6 Millionen Teilnehmer, Rekord! Bisher lag er bei 550 000.

Wer darin nach dem Flüchtlingsdesaster jedoch ein Indiz für eine einheitliche europäischen Stimme wähnt, der irrt. Drei Millionen Teilnehmer waren Deutsche. In vielen EU-Ländern spielt die Frage keine Rolle. Sollte die Kommission dem Votum folgen, droht wieder ein Flickenteppich aus Zeitzonen. Denn jeder Staat darf selbst entscheiden, wie er es gerne hätte. Die Gefahr, dass sich die 28, mal wieder, nicht einigen, ist groß. Deshalb: Sommerzeit ganzjährig für alle! Oder alles so lassen wie es ist.

© SZ vom 30.08.2018
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