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Zeitgeschichte:Die andere Sicht

Das Jahr 1968 hat bekanntlich vieles verändert. Das hat die Erinnerungsorgie im vergangenen Jahr zum 50. Jubiläum erneut mit großer Wucht klargemacht. Nun versuchen Konservative, ihre Bilanz zu ziehen.

Das Jahr 1968 hat bekanntlich vieles verändert. Das hat die Erinnerungsorgie im vergangenen Jahr zum 50. Jubiläum erneut mit großer Wucht klargemacht. Aber es ist zudem schuld daran, dass die deutsche Gesellschaft nun "zum Nörglertum und zur Larmoyanz neigt". Schreibt Kurt Faltlhauser, ehemaliger Asta-Vorsitzender an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und späterer CSU-Minister, in einem kleinen Aufsatzband, der sich dezidiert gegen die Verherrlichung der teils gewaltsamer Studentenproteste und unkritische Einordnung der Ziele von 1968 wendet.

Die Vorsitzende der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, Ursula Männle, hat hier einige frühere CSU-Politiker wie Faltlhauser, Hans Maier und Peter Gauweiler, sowie konservative Publizisten wie Heinrich Oberreuter versammelt, die eine andere und nicht-linke Sicht darbieten sollen. Was die Aufsätze - leider zum Teil bereits anderswo und vor Jahren publiziert - interessant macht, sind die persönlichen Erinnerungen. Viele waren ebenfalls Studenten, aber eben beim RCDS und wurden in Auseinandersetzung mit den Aufrührern ebenfalls politisiert, nur eben für die CSU. Jenseits von Nörglertum und Larmoyanz, die hier einen starken Auftritt haben, wird die eigene Rolle bei einigen Protagonisten durchaus selbstkritisch reflektiert - was bei einigen Linksveteranen ja noch immer nicht der Fall ist.

Es gibt ein paar nette Anekdoten, wie etwa Gauweiler bei einem konservativen Sit-in Fritz Teufel einen Redebeitrag abrang, es gibt Erkenntnisse, welche Defizite der RCDS damals hatte, und wie sehr manchen noch heute die damals einsetzende Political Correctness betrübt. Die Deutungshoheit aber bekommt man mit so einem Bändchen eher nicht.

Ursula Männle (Hg.): Die 68er - konservativ. Reform statt Umsturz. Herder, Freiburg 2019. 160 Seiten, 18 Euro.