bedeckt München 20°

Zehn Jahre Irak-Krieg:Beginn einer neuen Weltordnung

Als sie vor zehn Jahren den Irak angriffen, binnen weniger Tage nach Bagdad vorstießen und Saddam Hussein vertrieben, erlebten die USA ein kollektives Gefühl der Genugtuung. Heute hat sich Amerikas Politik von ihrem hyper-hegemonialen Augenblick weitgehend erholt. Aber um welchen Preis?

Frédéric Auguste Bartholdi wollte der Welt ein gewaltiges Bauwerk hinterlassen, die Figur einer Frau, modelliert nach dem Bild einer ägyptischen Bäuerin. Überlebensgroß sollte die Dame sein und die nördliche Einfahrt zum Suezkanal zieren wie ein Leuchtturm. Doch dem Khediven in Ägypten ging das Geld aus, und so wurde Bartholdis Monumentalbau an anderer Stelle errichtet, an der Hafeneinfahrt von New York. Dort steht die Freiheitsstatue noch heute.

Die wenigsten in Amerika werden diese Fußnote in der Geschichte ihres Nationalsymbols kennen. Dabei erzählt sie so wunderbar von der Jahrhunderte währenden Verquickung der USA mit dem Nahen Osten. Als das gerade gegründete Amerika seine Handelsschiffe durch Algier, Tunis und Tripolis bedroht sah, beschloss es den Aufbau einer Marine und kämpfte seinen ersten Krieg an den Küsten des Mittelmeers.

Und als der amerikanische Bürgerkrieg die Arbeit auf den Baumwollplantagen revolutioniert hatte und der Rohstoff teuer wurde, da entschied sich die britische Regierung 1882 zur Besetzung Ägyptens - mit allen Konsequenzen für den Niedergang des Osmanischen Reiches. Hier fließen sie also, die kräftigen Strömungen im Nahostkonflikt, die sich bis heute nicht umlenken lassen wollen.

Angriff auf den Irak - für die USA ein Gefühl der Genugtuung

Kultur-Romantik und geostrategische Sehnsüchte, Sendungsbewusstsein und die Verantwortung für das jüdische Volk, Handelsinteressen, Öl und Transportwege - die Motive für Amerikas Nahostpolitik haben sich bis heute so wenig geändert wie die Interessen. Beschränkt waren die USA jedenfalls nie auf den unmittelbaren Kernkonflikt im Heiligen Land, auf den Streit um Territorium und Staatlichkeit zwischen Israel und Palästinensern.

Endgültig herausgefordert waren die USA in ihrer Autorität, als der wahabitische Fanatismus in Gestalt von al-Qaida Amerika am 11. September 2001 angriff und wenige Kilometer von der Freiheitsstatue entfernt ins Herz des Landes traf.

Als vor zehn Jahren eine US-Streitmacht mit ein paar Alibi-Alliierten den Irak angriff, binnen weniger Tage nach Bagdad vorstieß und Saddam Hussein vertrieb, da erlebten die USA ein kollektives Gefühl der Genugtuung. Der Irak war die Rache für New York, so plump kann man das heute sagen. Denn natürlich gab es ein Bedürfnis nach einem Gegenschlag, nach einer Demonstration von Stärke. Die öffentliche Kriegsbegründung war im Vergleich dazu eher nebensächlich: Chemiewaffen, ein Atomprogramm, Saddam als lange gepflegtes Feindbild - nein, Amerika wollte seine Autorität wiederherstellen. Afghanistan reichte dazu nicht aus.