Zapfenstreich für Guttenberg Plagiator im Fackelschein

Jetzt hat er Zeit für "Reue und Buße" - Karl-Theodor zu Guttenberg ist seit dem Zapfenstreich in dieser Nacht nur noch Ex-Verteidigungsminister. Er will unter die Autoren gehen. Mit eigenem Gedankengut.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Der Baron lächelt schelmisch als beim großen Zapfenstreich ihm zu Ehren die Klänge von Smoke on the Water den Bendlerblock erfüllen. Das alte Deep-Purple-Stück hatte sich Karl-Theodor zu Guttenberg gewünscht und die Kapelle hatte zwischenzeitlich etwas Mühe, den richtigen Ton zu treffen.

Guttenberg: Zapfenstreich in Berlin - die Bilder

Schall und Rauch

War die ganze Plagiatsaffäre also nicht mehr als etwas Rauch über dem Wasser? Vielleicht für Guttenberg. Und wenn es nach ihm und einigen andere ginge, soll der sich möglichst schnell verziehen.

Warme Worte zum Abschied

Sein Nachfolger Thomas de Maizière findet warme Worte für seinen Vorgänger bevor es hinausgeht auf den Exerzierplatz, der bereits vom Schein der Fackeln erleuchtet ist: "Was Sie in Ihrer Amtszeit geleistet haben, das wird den letzten Eindruck überdauern." Als wäre dem Freiherrn ein wohlwollender Platz in den Geschichtsbüchern schon gesichert. Und: "Wir sollten alle nicht so tun, als seien wir ohne Fehl und Tadel."

Guttenberg bedankt sich artig. Er ist zu Scherzen aufgelegt an diesem vorerst letzten Abend in dem Haus, von dem er sich "schmerzlich" verabschieden musste als Verteidigungsminister. Er wolle sich jetzt vielleicht hinsetzen, und "das eine oder andere in der Erinnerung" aufschreiben. Und setzt dann nach, es seien "eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde". Das habe er in den vergangenen Wochen gelernt.

Das lässt dann doch einige schmunzeln.

Erstmals spricht Guttenberg auch von "Reue und Buße". Dafür wolle er jetzt die Zeit nutzen. Wie immer das dann aussehen mag. Vielleicht wird er in seinen Memoiren die Dinge aufklären. Vor allem den für viele offensichtlichen Umstand, bei seiner Doktorarbeit nicht nur versehentlich, sondern vorsätzlich und geplant abgeschrieben und in großem Umfang Fußnoten und Quellennachweise nicht gesetzt zu haben. Das hat er bis heute nicht bestätigt.

Sie haben es irgendwie nicht einrichten können

Vielleicht ist das der Grund, weshalb das Bundeskabinett nur spärlich und die Fraktionschefs der Opposition gar nicht zugegen sind, als die Soldaten zum Zapfenstreich aufmarschieren. Sie haben es wohl irgendwie nicht einrichten können, dem Ex-Minister und nicht rechtskräftig überführten Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg die Ehre ihrer Anwesenheit zu geben bei dieser höchsten militärischen Ehre, die einem Zivilisten zuteil werden kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel immerhin ist da. Sie schüttelt Guttenberg noch die Hand, bevor der Baron und seine Frau Stephanie direkt nach der Zeremonie in eine schwarze S-Klasse-Limousine steigen und im Konvoi begleitet von Motorradstreifen der Feldjäger endgültig den Bendlerblock verlassen.

Norbert Lammert aber, der Bundestagspräsident, der Mann also, der im Zusammenhang mit Guttenbergs Plagiatsaffäre von einem "Sargnagel für die Demokratie" gesprochen hat, ist ebenso wenig da wie Forschungsministerin Annette Schavan (beide CDU). Die hatte sich in der Süddeutschen Zeitung "nicht nur heimlich" geschämt für Guttenberg und seine Lust, bei anderen abzukupfern.

Die CSU hat daraus dann eine Dolchstoß-Legende gestrickt. Als wären Lammert und Schavan es gewesen die Guttenberg den Rest gegeben hätten.