bedeckt München

Yanis Varoufakis:Linker Posterboy

Yanis Varoufakis beim Verlassen des Finanzministeriums in Athen

Bei den Medien ist Varoufakis durchaus beliebt - schließlich ist er nie um ein schneidiges Zitat verlegen.

(Foto: Bloomberg)

Yanis Varoufakis dürfte sich ab sofort nur um seine persönlichen Bilanzen kümmern. Während der Ex-Finanzminister zum Helden der europäischen Linken wird, regiert daheim nackte Tristesse.

Porträt von Christiane Schlötzer und Cerstin Gammelin

Immer sprungbereit in ein anderes Leben

Warum haben sie den Mann zuletzt nur immer mit diesem Motorradhelm auf dem Kopf gezeigt? Als sei er schon auf der Flucht. Die Augen knapp unter dem Visier, zu schmalen Schlitzen zusammengepresst. Der Mund verdeckt, so als könnte er gar nichts mehr sagen. 20 Interviews hat der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis an diesem letzten Wochenende seiner Amtszeit gegeben, und immer wieder haben die griechischen Medien dieses Foto dazugestellt.

Als sei der Grieche Yanis Varoufakis jederzeit bereit, seine schwere Yamaha XJR 1300 - eine 90er-Stilikone des japanischen Motorradherstellers - zu besteigen und abzudüsen in eine Welt, die größer, cooler und auch etwas schicker ist als das kleine, frustrierte Griechenland.

"Mann ohne Sinn und Verstand'"

Wolfgang Schäuble mochte den Mann nicht - bei dem strengen und stockseriösen Verzichtsethiker aus dem Breisgau ging stets sofort der Hallodri-Alarm los. Varoufakis sei völlig überschätzt, sagte Schäuble. Als der Deutsche wütend wurde, weil sie in Athen wieder mal neue Nazi-Poster von ihm aufgehängt hatten, sagte er: Varoufakis sei ein Mann ohne Sinn und Verstand.

Varoufakis selbst gab sich unterdessen als Freigeist mit ungeheurer Chuzpe, der sich nicht um Meinungen anderer schert. Er fuhr eben nicht nur zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds nach Washington. Sondern auch mal eben weiter nach New York. Dort sitzen seine Verleger, die sein Buch "And The Weak Suffer What They Must? - Europe's Crisis and America's Economic Future" veröffentlichen werden. Es soll im Januar rauskommen, die Werbemaschine läuft nun an. Der Zeitpunkt ist perfekt.

Zeit genug für die großen Bühnen

Im Januar nämlich werden die griechischen Bürger womöglich furchtbar leiden unter dem Austritt aus der Euro-Zone. Perfekt also der Titel. Ebenso womöglich aber ist Griechenland dann auch noch in der Gemeinschaft - für den Fall fordert Varoufakis dann Reformen. Nach seinem Rücktritt wird Varoufakis Zeit genug haben, um über die großen Bühnen zu touren.

Den Unterhändlern in Brüssel, die sich in täglicher Schwarzbrot-Arbeit durch unverständliche Excel-Tabellen in griechischer Sprache kämpfen mussten, ging Varoufakis, der sich für diese Tabellen nicht interessierte, gehörig auf die Nerven. "Statt Buchschreiben sollte er mal einen ordentlichen Reformplan schreiben", machte Chefunterhändler Thomas Wieser seinem Ärger Luft. Dazu kam es dann aber bekanntlich nicht mehr.

Das ganze Porträt mit SZplus lesen:

© SZ.de//sry
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema