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Yanis Varoufakis:Der Spitzenkandidat, der nicht ins Parlament will

Yanis Varoufakis Campaigns In Hanover

„Ich will debattieren“, sagt Yanis Varoufakis. Der Wahlkampf sei eine „großartige demokratische Übung“.

(Foto: Carsten Koall/Getty)
  • Der griechische Ökonomieprofessor Yanis Varoufakis ist EU-weit und in Deutschland Spitzenkandidat der europäischen Bewegung Diem25.
  • Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin beantwortet er im "Speed-Dating" Fragen von Journalisten und erklärt dabei, er selbst wolle nicht ins EU-Parlament einziehen, sondern "nur debattieren".
  • Er betont, dass er den EVP-Spitzenkandidaten Manfred Weber nicht unterstützt und steht deutschen Kandidaten für die EZB-Spitze skeptisch gegenüber.

Nigel Farage. Martin Sonneborn. Das EU-Parlament war immer schon Heimat politischer Selbstdarsteller. Fast sah es so aus, als würde ein weiterer hinzukommen: Yanis Varoufakis. Der seit der Finanzkrise weltbekannte griechische Ökonomieprofessor ist Spitzenkandidat der europäischen Bewegung "Democracy in Europe Movement 2025" (Diem25). Am Donnerstag sitzt er in einem Café in Berlin, noch drei Tage, dann wählen die Deutschen ihre Europaabgeordneten.

Varoufakis ist hier auf Stimmenfang, er hat sich einen zweiten Wohnsitz in Berlin besorgt und als Spitzenkandidat in Deutschland aufstellen lassen. Jetzt also der Endspurt. Er sitzt an einem Tischchen und veranstaltet Speed-dating mit Journalisten; 30 Minuten für jeden.

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Warum wollen Sie ins EU-Parlament? "Ich will nicht ins Europäische Parlament einziehen". Bitte? "Ich will nur debattieren und dazu nutze ich den Wahlkampf". Oh, hält er die Institution für eine lahme Ente? Ein charmantes Lächeln. "Die Wahlen zum Europaparlament sind eine großartige demokratische Übung, die viel wichtiger ist als das Parlament selbst". Er könne in Polen, Griechenland, Italien, Deutschland und überall über die systemische Krise in Europa reden, darüber, was geändert werden muss, um Europa demokratischer zu machen.

Nach der Wahl werde er den "neuen grünen Deal" seiner Bewegung im Plenum vorstellen und seinen Platz räumen, für sein großartiges Team. Braucht nicht jedes Team einen Kopf? "Ja, aber Führung ist nicht nur im EU-Parlament gefragt."

Sondern auch in der Heimat: Den einstigen Finanzminister, der nach sechs Monaten im Amt Mitte 2015 gehen musste, zieht es zurück nach Athen. Dort wird im Herbst gewählt, Varoufakis will seine Bewegung ins Parlament bringen und wieder mitmischen. "Wir werden nicht regieren, aber ins Parlament einziehen und von ganz unten anfangen."

Vorher kann er noch mitstimmen, wenn es darum geht, EU-Topjobs neu zu besetzen. Würden Sie Manfred Weber, den Spitzenkandidaten der EVP, zu der CDU und CSU gehören, als nächsten Präsidenten der EU-Kommission mitwählen? Varoufakis zögert keine Sekunde: "Weber kann ich nicht unterstützen". Warum? "Die EVP hat ihre finale Kundgebung in Kroatien abgehalten, mit einer nationalistischen Regierung. Sie haben Musik gespielt von Thompson, einer Band, der eine Verherrlichung des kroatischen Faschismus vorgeworfen wird." Der Grieche redet sich in Rage: "Mit Weber in Kroatien für Europa zu werben ist wie Haien Vegetarismus zu predigen."

Sollte ab Herbst ein Deutscher die Europäische Zentralbank führen? "Jens Weidmann?" Oder Klaus Regling? Oh nein, nicht Regling. Weidmann wäre kompetent. "Aber er hat einen großen Fehler gemacht, als er sich gegen Mario Draghi gestellt hat." Damals, als Draghi den berühmten Satz sagte, er werde für den Euro tun, was immer es koste. Diese Ankündigung habe den Euro gerettet, sagt Varoufakis. "Wäre Jens Weidmann 2012 Präsident der Europäischen Zentralbank gewesen, gebe es den Euro nicht mehr."

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