Wenige Tage nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping Russlands Präsidenten Wladimir Putin in Peking empfangen. Vor der Großen Halle des Volkes begrüßte Xi den Kremlchef mit militärischen Ehren und rotem Teppich. Auf Bildern chinesischer Staatsmedien waren auch Kinder mit russischen und chinesischen Fähnchen zu sehen.
Beide Staatschefs haben sich in einer Erklärung für eine dauerhafte Lösung in Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgesprochen. „Die Seiten unterstützen alle Bemühungen, die zur Herstellung eines langfristigen und dauerhaften Friedens beitragen“, hieß es in einem der zwei zentralen Dokumente zu den Ergebnissen des Gipfeltreffens. Eine Lösung solle durch Verhandlungen und Dialog gefunden werden.
Einen Aufruf Chinas zur Beendigung des russischen Krieges gab es nicht. Vielmehr lobte Russland in dem Papier „die objektive und unvoreingenommene Haltung“ Pekings im Ukraine-Krieg. Und es findet sich eine von Moskau immer wieder benutzte Formulierung zur „Notwendigkeit einer vollständigen Beseitigung der ursprünglichen Ursachen der ukrainischen Krise“ in dem Dokument. Dazu zählt Moskau etwa den in der ukrainischen Verfassung angestrebten Nato-Beitritt Kiews.
Putin und Xi vereinbarten in dem Gipfeldokument auch, die militärische Zusammenarbeit der Streitkräfte beider Länder zu vertiefen. Ausgeweitet werden sollen etwa gemeinsame Militärmanöver sowie Luft- und Meerespatrouillen. Zudem soll gemeinsam auf „verschiedene Herausforderungen und Drohungen“ reagiert werden. Russland bekannte sich der Erklärung zufolge auch dazu, dass die nach Unabhängigkeit strebende Insel Taiwan ein Bestandteil Chinas sei.
Putin war am Vorabend in Peking gelandet. Im Mittelpunkt des Besuchs stehen Gespräche über die Beziehungen zwischen China und Russland sowie internationale und regionale Fragen. Nach russischen Angaben ist auch ein Treffen der beiden Präsidenten bei Tee geplant. Auch die Unterzeichnung zahlreicher bilateraler Dokumente ist vorgesehen. Insgesamt sollen rund 40 Vereinbarungen unterzeichnet werden.
Putins Besuch sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil Xi erst in der vergangenen Woche Trump in Peking empfangen hatte. Die Reise des russischen Präsidenten war nach Kreml-Angaben allerdings bereits zuvor geplant worden. Anlass ist auch der 25. Jahrestag des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Russland.
Putin lobt bei dem Treffen Chinas Rolle als Abnehmer von Russlands Gas- und Öllieferungen
Putin hob die Bedeutung seines Landes als verlässlicher Energielieferant in Krisenzeiten hervor. „Vor dem Hintergrund der Krise im Nahen Osten behält Russland weiterhin seine Rolle als zuverlässiger Lieferant von Rohstoffen bei, während China als verantwortungsbewusster Abnehmer dieser Rohstoffe auftritt“, sagte Putin zum Auftakt.
Russland ist nach Moskauer Regierungsangaben führender Energieexporteur für China: Im Jahr 2025 wurden 101 Millionen Tonnen Erdöl und 49 Milliarden Kubikmeter Erdgas über Pipelines und in Form von Flüssigerdgas geliefert. Russland will seine Lieferungen nach China weiter ausbauen. Seit Langem wird über die Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“ verhandelt, die russisches Gas über die Mongolei nach China bringen soll.
Trotz ungünstiger äußerer Faktoren zeige die wirtschaftliche Zusammenarbeit Russlands und Chinas eine gute Dynamik, sagte Putin. Im vergangenen Vierteljahrhundert sei der Handel beider Länder um das 30-Fache gewachsen und liege seit Jahren solide bei mehr als 200 Milliarden US-Dollar.
„Die Lokomotive in der russisch-chinesischen Zusammenarbeit ist die Kooperation im Energiebereich“, sagte Putin bei dem Treffen mit Xi. Priorität bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit hätten außerdem „große gemeinsame Projekte der Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen und natürlich im Bereich der Hochtechnologie“, sagte Putin.
Xi: Umfassender Waffenstillstand in Nahost dringend nötig
Mit Blick auf die Nahost- und Golfregion sagte Xi nach chinesischen Angaben, es sei ein umfassender Waffenstillstand dringend nötig, Verhandlungen seien besonders wichtig. Eine frühe Lösung des Konflikts könne helfen, Störungen der Energieversorgung, der Lieferketten und der internationalen Handelsordnung zu verringern.
Putin unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Russland und China in angespannten Zeiten. Die Beziehungen seien einer „der wichtigsten stabilisierenden Faktoren auf der internationalen Bühne“.
Xi sagte, die Welt stehe angesichts der veränderten internationalen Lage vor der Gefahr, zum Recht des Stärkeren zurückzufallen. Gerade China ist in den vergangenen Jahren vor allem im Südchinesischen Meer mit seinem aggressiven Vorgehen aufgefallen und hat sich bei seinen Nachbarn unbeliebt gemacht.
China unterstütze eine weitere Verlängerung des Vertrags über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit mit Russland, sagte Xi, und wolle die strategische Zusammenarbeit mit Moskau weiter entschlossen vorantreiben.
Begleitet wurde der Besuch von demonstrativ freundlichen Kommentaren in chinesischen Staatsmedien. Die staatsnahe Global Times schrieb, Xi und Putin würden den Kurs für die Beziehungen in einer neuen Phase vorgeben. Die Zeitung hob die „dauerhafte gute Nachbarschaft“ und verwies auf die mehr als 4200 Kilometer lange gemeinsame Grenze. Putin lud Xi auch zum Gegenbesuch 2027 nach Russland ein.


