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Wowereit und die Berliner SPD:"Ich bereue nichts"

Parteitag Berliner SPD

Ein gerührter Klaus Wowereit bei seiner letzten großen Rede als Regierender Bürgermeister von Berlin.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Abschiedsfestspiele für den "lieben Klaus": Seit klar ist, dass er als Regierender Bürgermeister abtritt, wird Wowereit von der Berliner SPD euphorisch gefeiert. Nach seiner Parteitagsrede kämpft er mit den Tränen.

Einen ganzen Monat lang muss Klaus Wowereit Berlin noch regieren, aber er ist schon jetzt beim unerschütterlichen Stolz der großen Sängerin Edith Piaf angekommen. Sie wolle er zum Abschied zitieren, sagt er und ruft an diesem Samstag dem Parteitag der Berliner SPD lächelnd zu: "Ich bereue nichts".

Es sind die letzten drei Worte des Sozialdemokraten in seiner wohl letzten großen Rede vor seiner Partei. Im Berlin Congress Center, wenige Schritte vom Alexanderplatz entfernt, verabschiedet die SPD Wowereit nach mehr als 13 Jahren Regierungszeit und nominiert zugleich seinen Nachfolger Michael Müller. Er soll nach seinem klaren Sieg bei der im Oktober abgehaltenen Mitgliederbefragung am 11. Dezember zum neuen Regierenden Bürgermeister an der Spitze der Großen Koalition gewählt werden.

Erst mal aber inszeniert die SPD die Abschiedsfestspiele für Wowereit. Ende August kündigte er seinen Rückzug an, damals steckte die SPD, vor allem aber der Regierende Bürgermeister selbst, seit Monaten in einem Stimmungstief. Die Berliner Wähler wollten ihn nicht mehr. Seit mehr als einem Jahr zeigten die Umfragen das schon an, mit jedem Monat wurden die Zustimmungswerte schlechter.

Euphorische Dankesreden an jeder Ecke

Der kleinere Regierungspartner CDU überholte damals die SPD in den Umfragen. Nach Wowereits Rücktrittsankündigung brauchte es nur wenige Stunden, bis die Stimmung sich drehte. Seit klar ist, dass er sicher geht, bekommt Wowereit an jeder Ecke in Berlin euphorische Dankesreden zu hören - auch von jenen aus der SPD, die vorher ungeduldig auf seinen Rücktritt drängten.

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Auch die Umfragen haben sich gedreht, für Wowereit und für die Partei, sie liegt wieder vorn. So fällt es seinen Genossen leicht, ihn zu feiern. Schon nach einer Stunde rechnet der Landesvorsitzende Jan Stöß dem "lieben Klaus" vor: "Das war jetzt der dritte Beifall für dich, und es wird sicher nicht der letzte gewesen sein." Das Motto des Tages: Der Name Wowereit fällt und es wird geklatscht. Mehr noch, ein paar Mal springen die Genossen an diesem Tag auf, um Wowereit sehr, sehr, sehr lange im Stehen zu applaudieren. Er verharrt lange gerührt auf dem Podium, zwischendrin läuft er nach unten, um jemanden zu umarmen, so entweicht er, lächelnd und mit Tränen im Auge, kurz den Blicken und den Kameras. Der Saal klatscht weiter.

Wowereit wird mit einem Film verabschiedet, der Kinderbilder zeigt und noch einmal sein Bekenntnis vom Juni 2001, als er sich vor der SPD seine Homosexualität öffentlich machte. Auch für diesen Filmausschnitt mit den Worten "Ich bin schwul, und das ist auch gut so" gibt es Beifall.