Wohnungsbau:Stadt, Land, Beton

Die Wohnungsnot darf nicht da-zu führen, das Land zuzupflas-tern.

Von Michael Bauchmüller

München, Köln oder Hamburg - wer in diesen Städten schon einmal eine Wohnung gesucht hat, der weiß, wie sich Knappheit anfühlt. Die Mieten hoch, die Zimmer klein - wenn sich überhaupt eine Wohnung findet. Nicht wenige werden zu Pendlern, weil sich in den großen Städten nichts findet. Denn wo die Wirtschaft boomt, wird der Wohnraum knapp. So gesehen, spricht schon einiges dafür, rasch neue Häuser zu bauen. Jedenfalls dort, wo sie fehlen.

Änderungen am Baurecht sollen die Sache erleichtern, der Bundestag hat sie am Donnerstag verabschiedet. Doch nicht nur die Schaffung neuer Baugebiete in der Stadt enthält die Novelle, sondern auch ein Sonderrecht für Gemeinden: Unbürokratisch dürfen sie bis 2019 noch schnell Baugrundstücke am Ortsrand ausweisen. Im Ergebnis dürften bald reihenweise heimische Äcker und Weiden planiert, geteert und zugemauert werden. Deutschland verbaut seine Dörfer.

Die Koalition verweist auf die Wohnungsnot in den Städten, fördert aber den Wildwuchs auf dem Land. Für die Ortschaften ist diese Entwicklung verheerend. Sie fransen zusehends aus, denn wer am Ortsrand baut, zieht nicht mehr in Dorfkerne. Stattdessen entstehen weitere Neubaugebiete und noch mehr Pendlerverkehr, während wertvolles Acker- und Weideland verschwindet. Denen aber, die in den Städten nach Wohnungen suchen, ist damit herzlich wenig geholfen.

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