Katholische Kirche:Kardinal Woelki bleibt vorerst im Amt

Kardinal Rainer Maria Woelki

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln (Archivbild)

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Der Kölner Erzbischof, der wegen seines Umgangs mit den Missbrauchsfällen in der Kirche kritisiert wird, nimmt jedoch eine mehrmonatige Auszeit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz zeigt sich nachdenklich nach der Entscheidung aus Rom.

Von Julia Hippert und Annette Zoch

Papst Franziskus belässt den Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki im Amt. Das teilte die Apostolische Nuntiatur über die Pressestelle der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Bonn mit. Allerdings nimmt Woelki eine mehrmonatige Auszeit, die von Mitte Oktober bis zum Beginn der Fastenzeit andauern soll. Der Papst entspreche damit Woelkis eigenem Wunsch. Für die Zeit der Abwesenheit Woelkis werde der Weihbischof Rolf Steinhäuser als Administrator für das Erzbistum eingesetzt.

Kardinal Woelki habe in der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, große Fehler gemacht, hieß es in der Mitteilung weiter. Diese Fehler hätten wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum Köln zu einer Vertrauenskrise gekommen sei.

In einem Pressestatement äußerte sich Woelki am Mittag zur Entscheidung des Papstes: "Ich habe Fehler gemacht bei der Aufarbeitung, auch in der Kommunikation, dafür übernehme ich die Verantwortung, das bedauere ich und das tut mir leid", sagte der Erzbischof. Es sei dankbar für die Rückendeckung des Papstes und für dessen Entscheidung.

Der Kölner Erzbischof steht seit einiger Zeit für seinen Umgang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in der Kritik. Er hatte Ende 2018 ein Gutachten zum Umgang von Verantwortungsträgern des Erzbistums Köln mit Missbrauchsfällen in Auftrag gegeben, dieses dann aber nicht veröffentlicht. Als Gründe dafür nannte Woelki juristische Probleme und methodische Mängel. Diese Entscheidung ließ sich Woelki vom Kölner Betroffenenbeirat absegnen, der das Gutachten aber nicht kannte. Die Sprecher des Betroffenenbeirats verließen das Gremium daraufhin aus Protest.

In einem zweiten, von Woelki in Auftrag gegebenen und veröffentlichten Gutachten wurde der Kardinal selbst von Fehlverhalten entlastet. Dem früheren Kölner Personalverantwortlichen und Generalvikar, Stefan Heße, der heute Erzbischof von Hamburg ist, wurden elf Pflichtverletzungen zur Last gelegt. Heße bot Papst Franziskus daraufhin den Rücktritt vom Amt des Erzbischofs an, diesen Rücktritt lehnte Franziskus vergangene Woche ab.

Andere Geistliche, denen in dem Gutachten Pflichtverletzungen vorgeworfen wurden, wurden von Woelki beurlaubt. Das betraf den Kölner Weihbischof Ansgar Puff sowie Dominikus Schwaderlapp, heute Weihbischof im Erzbistum Köln und Generalvikar unter dem früheren Kölner Kardinal Joachim Meisner. Beide, Puff und Schwaderlapp, hatten dem Papst ihrem Amtsverzicht angeboten, was dieser nun jedoch ablehnte. Puff werde seinen regulären Dienst sofort wieder aufnehmen, Schwaderlapp auf eigene Bitte zunächst für ein Jahr als Seelsorger nach Kenia gehen, teilte der Heilige Stuhl am Freitag mit.

Wegen der Vertrauenskrise hatte Papst Franziskus im Juni zwei Apostolische Visitatoren nach Köln entsandt, die die Situation im Erzbistum untersuchen und ihm berichten sollten. In einer Pressemitteilung der Apostolischen Nuntiatur hieß es nun, Papst Franziskus habe die Ergebnisse der Apostolischen Visitation aufmerksam zur Kenntnis genommen.

Viele Katholiken für eine Abberufung Woelkis

In einer Umfrage hatten zuletzt 39 Prozent aller Befragten und 61 Prozent der befragten Katholiken auf die Frage, ob Papst Franziskus Woelki abberufen soll, mit Ja geantwortet. Die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Insa im Auftrag der Bild-Zeitung durchgeführt.

Die Entscheidung aus Rom fällt kurz nach der Herbstvollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe in Fulda. Diese hatten unter anderem über den Reformprozess Synodaler Weg und über die weitere Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche beraten.

Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sagte, er nehme die Entscheidungen des Heiligen Vaters entgegen und hoffe, dass der Prozess zur Aussöhnung im Erzbistum Köln beitrage. Bätzing zeigt sich jedoch zurückhaltend, ob der Vertrauensverlust zügig wiedergutgemacht werden kann.

"Was in der Note zur Entschiedenheit des Aufarbeitungswillens von Kardinal Woelki gesagt wird, trifft einerseits zu, andererseits lässt es angesichts der entstandenen Lage viele Betroffene ratlos und verletzt zurück. Es trifft zudem andere Bistümer, die bereits eine Aufarbeitung so begonnen haben, dass sie zu einem guten Teil zur Erneuerung und Versöhnung beitragen konnten", schreibt der Bischof.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat die Entscheidung von Papst Franziskus zum Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisiert. "Ich kann die vatikanische Entscheidung zum Verbleib von Kardinal Woelki im Amt nicht verstehen", teilte Sternberg mit. "Das Instrument einer Auszeit ist nicht genug. Es ist völlig unklar, was am Ende einer solchen Auszeit stehen kann, und sie ist nicht geeignet, um verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen."

© SZ/kir/dpa/hij
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