TierschutzJetzt ist der Wolf zum Abschuss freigegeben

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Ein ausgewachsener weiblicher Wolf im Tierpark Eekholt, Schleswig-Holstein.
Ein ausgewachsener weiblicher Wolf im Tierpark Eekholt, Schleswig-Holstein. Christian Charisius/DPA
  • Der Bundestag hat den Wolf ins Jagdrecht aufgenommen, sodass Jäger zwischen Juli und Oktober auf ihn schießen dürfen.
  • Die Entscheidung fällt wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, wo CDU-Kandidat Manuel Hagel für härteres Vorgehen gegen Wölfe wirbt.
  • Tierschützer warnen, dass die Jagd Weidetiere nicht schützt und sogar mehr Risse verursachen könnte, wenn Elterntiere geschossen werden.
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Jäger dürfen künftig zwischen Juli und Oktober auf das Wildtier anlegen. Dass der Bundestag dies kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg entscheidet, ist vermutlich kein Zufall. Die CDU freut sich.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Aus dem Deutschen Bundestag führt an diesem Donnerstag eine direkte Fährte nach Baden-Württemberg, sozusagen eine Wolfsspur. Denn ein Jäger tritt bei der Landtagswahl kommenden Sonntag für die CDU an: Manuel Hagel. Der hatte bei einem der Duelle mit seinem Kontrahenten Cem Özdemir von den Grünen vor einiger Zeit schon deutlich gemacht, wie er mit Wölfen und Co. umzugehen gedenkt: „Da hilft Schrot und Blei“, befand Hagel. Und Schrot und Blei kommen nun auch. Ob es hilft, wird sich zeigen.

Wenige Tage vor der Wahl hat der Bundestag den Weg frei gemacht für eine Änderung des Jagdrechts. Demnach wird der Wolf ab sofort in der Liste der Tiere geführt, die dem Jagdrecht unterliegen, Abteilung „Haarwild“, zwischen Murmeltier und Wildkatze. Zwischen Juli und Oktober sollen Jäger künftig auf ihn anlegen dürfen, jedenfalls in jenen Gebieten, in denen ein „günstiger Erhaltungszustand“ vorliegt und ein Managementplan dafür sorgt, dass dieser Zustand durch die Jagd nicht auf ungünstig umschlägt. Wo er schon ungünstig ist, darf dennoch gejagt werden, wenn sich so Schäden abwenden lassen, auch außerhalb der Schonzeit. Behörden können „Weidegebiete“ bestimmen und dort den Erhaltungszustand ignorieren. Neben Schrot sind zum Jagen auch Bolzen oder Pfeile erlaubt. Dort, wo sich die Wölfe ausgebreitet haben, wird es für sie ab Juli für vier Monate ungemütlich.

Das betrifft hauptsächlich den ländlichen Raum und hier vor allem die ostdeutschen Bundesländer. Allein in Brandenburg gab es nach jüngsten verfügbaren Zahlen 54 Wolfsrudel, in Sachsen und Sachsen-Anhalt jeweils um die 30. 2025 zählten die Länder insgesamt 219 Rudel, 46 Paare und 14 Einzeltiere. Baden-Württemberg meldete seinerzeit nur vier Einzeltiere. Niedersachsen dagegen verzeichnete ebenfalls 54 Rudel.

Tierschützer bezweifeln, dass Weidetieren damit geholfen wird

Wo die Wildtiere heimisch geworden sind, hat ihre Anwesenheit Folgen. Vorige Woche etwa starben in Niedersachsen 46 Schafe, nachdem mutmaßlich Wölfe einen mobilen Weidezaun überwunden hatten. Schäfer werden in der Regel zwar entschädigt, die Bilder der massakrierten Tiere aber bleiben. Vielerorts galt der strenge Schutz des Wolfes deshalb auch als Beispiel für übertriebenen Naturschutz und als Steilvorlage für die AfD. Eine Studie aus dem Jahr 2022 jedenfalls stellte einen Zusammenhang zwischen Wolfsrissen und steigenden AfD-Stimmanteilen in den betroffenen Regionen her.

Das mag erklären, warum vor allem die Union nun zufrieden ist. Nötig sei eine „neue Balance“, sagte der CDU-Politiker Hermann Färber im Bundestag. „Das Leid der Weidetiere hat mit Tierschutz nichts mehr zu tun.“ Die Novelle des Jagdgesetzes diene auch der Akzeptanz des Artenschutzes. Die Koalition erliege „archaischen Reflexen“, beklagte dagegen Grünen-Umweltpolitiker Harald Ebner. Es laufe ein „Feldzug gegen natürliche Lebensgrundlagen“. Am Ende stimmte die AfD mit der Koalition, Linke und Grüne stimmten dagegen.

Tierschützer haben Zweifel, ob die Jagd auf Wölfe den Weidetieren wirklich hilft. Wird etwa in einem Rudel ein Elternteil geschossen, muss das andere allein die Ernährung der Welpen sicherstellen und könnte dafür umso hemmungsloser schlecht gesicherte Weidetiere angreifen. „Dieses neue Gesetz schützt keine Weidetiere, schwächt aber den Artenschutz“, warnt Sybille Klenzendorf, die sich bei der Umweltstiftung WWF mit Wildtieren befasst. „Anlasslose Jagd senkt die Risszahlen nicht, sie könnte sie sogar erhöhen.“ Statt den Wolf pauschal auf die Abschussliste zu setzen, sollten eher die bislang sehr komplizierten Regeln vereinfacht werden, um Problemwölfe gezielt zu töten, kombiniert mit einem besseren Schutz von Herdentieren.

Derweil appelliert der Naturschutzbund Nabu an die Länder, die Novelle noch zu stoppen. Der Artenschutz dürfe nicht „aktionistischer Symbolpolitik“ geopfert werden, mahnt Nabu-Wolfsexpertin Marie Neuwald. Die Länderkammer ist die letzte Hürde für die Gesetzesänderung, sie könnte Ende März darüber befinden. Immerhin sind dann die Landtagswahlen vorüber.

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:Die Jagd auf Wölfe ist die falsche Antwort

SZ PlusKommentar von Michael Bauchmüller
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