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Wissenschaft:Deutschstunde

Hell und freundlich: die neue Türkisch-Deutsche Universität in Istanbul.

(Foto: Türkisch-Deutsche Universität)

Die Idee gab es schon unter Helmut Kohl, jetzt ist sie verwirklicht: Angela Merkel weiht die Türkisch-Deutsche Universität in Istanbul ein.

Schon 1957 schlossen Deutschland und die Türkei ein Kulturabkommen, und Ideen für eine deutsche Universität gab es dann bereits, als der Kanzler noch Helmut Kohl hieß. Immer wieder scheiterten die Pläne am Geld oder auch an deutsch-türkischen Empfindlichkeiten. 2010 aber wurde der Grundstein gelegt für die Türkisch-Deutsche Universität, die Türk-Alman Üniversitesi, kurz TAU. Sie haben das Denkmal, das an 2010 erinnert, jetzt blank geputzt und Grün drumherum gepflanzt, im Istanbuler Stadtteil Beykoz, auf der asiatischen Seite des Bosporus. Denn an diesem Freitag werden dort Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Recep Tayyip Erdoğan den neuen Campus einweihen. Die Türkei hat die Institutsgebäude errichtet, das war Teil der Abmachung. Auch das hat ein bisschen länger gedauert als geplant. Davor wurde in Provisorien unterrichtet.

"In Ingenieurwissenschaften sind wir schon an vierter Stelle."

Nun gibt es helle, freundliche Hörsäle, Labors und bereits 2500 Studenten. Bis zu 6000 sollen es werden. Zehn Prozent davon dürfen Ausländer sein, dazu zählen auch Deutsch-Türken mit deutschem Pass. So sind die Regeln. Die TAU ist eine staatliche türkische Universität, das Studium ist kostenlos, die Unterrichtssprache überwiegend Deutsch. Studenten müssen die zentrale türkische Aufnahmeprüfung schaffen, die besten können sich dann die besten Unis aussuchen. "Das ergibt automatisch ein Ranking, und wir stehen in Ingenieurwissenschaften schon an vierter Stelle", sagt Izzet Furgaç, der in Istanbul ein Konsortium von 38 deutschen Universitäten koordiniert, das den Aufbau der TAU unterstützt. Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) ist Vorsitzende des Gremiums. Sie wird in Istanbul dabei sein.

Irmak Çil ist 19 Jahre alt, sie sagt: "Ich wollte unbedingt an die deutsche Universität, das Fach war mir fast egal." Çil studiert nun Volkswirtschaften, nach einem Jahr verpflichtender Sprachlehre spricht sie so gut Deutsch, dass sie den Vorlesungen folgen kann. "Ich möchte mal bei einer deutschen Firma arbeiten", sagt sie, "aber in der Türkei."

Es sind Namen wie Mercedes und Siemens, die Studenten zur TAU ziehen, weil Praktika bei deutschen Firmen in der Türkei locken und ein Austausch mit Deutschland. Die drei besten im ersten Ingenieursjahrgang waren übrigens Frauen.

© SZ vom 24.01.2020