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Wirtschaftskrise:Seltene Chance

Jetzt können die Banken zeigen, warum sie gebraucht werden.

Von Meike Schreiber

Zwischen der Finanzkrise vor zehn Jahren und der coronabedingten Wirtschaftskrise gibt es viele Unterschiede. Einer ist, dass die Banken dieses Mal (noch) nicht die Bösen sind, im Gegenteil: Ihnen kommt die Aufgabe zu, die vielen kleinen und großen Unternehmen mit Krediten zu versorgen - also den Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern.

Darin liegt für Banken und Sparkassen eine einmalige Chance, die sie nicht versemmeln sollten. Endlich können sie glaubhaft machen, was ihnen viele Bürger nach der Finanzkrise und all den Skandalen nicht mehr abgenommen haben: Dass die Institute und ihr Wissen um Risiken in der Marktwirtschaft gebraucht werden. Und dass es nicht nur darum geht, den Reichtum ihrer Topmanager zu mehren.

Aufsicht und Politik haben die Kapitalvorschriften für Banken gerade in Windeseile gelockert, damit sie die Kraft haben, Kredite zu vergeben. Es versteht sich von selbst, dass die Geldhäuser dieses freigesetzte Kapital nun nicht für hohe Boni und Dividenden verwenden, sondern sich auf die Kreditvergabe konzentrieren. Bankchefs, die sich nun vermeintlich rational verhalten und wieder nur versuchen, das Beste vor allem für das Management herauszuholen, dafür aber die Kunden unnötig hängen lassen, sollten später nicht noch einmal behaupten, die Gesellschaft brauche sie.

© SZ vom 02.04.2020

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